130: Celler schwärmen noch heute von Talamini

Das Foto ist am 14. August 1955, dem Geburtstag von Gertrud Jessen (auf dem Foto rechts, daneben ihr Mann, der alte Arzt Dr. Willers Jessen) entstanden. Die Bildunterschrift auf der Rückseite des Fotos besagt: „Die große Geburtstagsüberraschung – Talaminis Eiswagen erscheint auf dem runden Rasenplatz vor der Veranda im Garten Hannoversche Straße 48“. Foto: Sammlung Ingo Vormann

Talamini war der erste Eissalon in Celle, der auch noch 38 Jahre nach seiner Schließung in bester Erinnerung ist. Alessandro Talamini kam 1907 im Alter von 22 Jahren an die Aller und obwohl er schon vor über 60 Jahren starb, schwärmen die Celler von diesem patenten und freundlichen Mann, dem in den Folgejahrzehnten so manch andere, die aus Italien stammten, nacheiferten. Bei Talamini entstanden auch einige Verbindungen zwischen Cellern.

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CELLE. Auf dem Foto, das wir am Samstag veröffentlicht haben und das die damalige Flotte des Celler Eis-Pioniers Allessandro Talamini (1885 bis 1953) zeigte, meint Gerdi Neumann (Jahrgang 1938) ihren Vater August Graue (Jahrgang 1907) mit ihrem Bruder Gerhard (Jahrgang 1929) erkannt zu haben. „Mein Vater ist ein Neffe von Alessandro Talamini gewesen und wir wohnten Am Heiligen Kreuz 13 von etwa 1928 bis 1953 im Hinterhaus, mit Blick auf den Freisitz der Eisdiele im Hof. Im Sommer habe ich als Kind mitgeholfen, die Erdbeeren für das leckere Erdbeereis vorzubereiten und es gab dann immer ein Extra-Eis dafür“, sagt Gerdi Neumann.

Talamini kam 22-jährig 1907 nach Celle, wo er 1911 Am Heiligen Kreuz sein Eisgeschäft eröffnete. Zuvor war er einige Jahre lang in Halberstadt, wo er ebenfalls Eis verkaufte. Er gehörte vor dem Ersten Weltkrieg zu den Gästen des Kaiser-Panoramas am Brandplatz. Dort stillte er sein Heimweh nach den Dolomiten, aus denen er stammte, weiß Karsten Hälbig. In den ersten Jahren fuhr er über Herbst und Winter meist dorthin zurück, doch bald blieb er das ganze Jahr über in Celle – bis zu seinem Tod 1953. Sein Schwiegersohn Friedrich Barenscheer führte den Betrieb weiter, der erst 1977 endgültig schloss.

Wolfgang Schmidt (Jahrgang 1928) hat ebenfalls diese Angehörigen von Gerdi Neumann identifiziert, zudem den Eismacher selbst, der mit den Händen in den Hüften vor dem Haupteingang seines Geschäfts, dem rechten der beiden Gebäude neben der Mittelschule Am Heiligen Kreuz, zu erkennen ist. Schmidt lebte von seinem ersten Lebensjahr und bis zu seinem 20. mit seiner Familie in einem der beiden Talamini-Häuser. „Als Kind habe ich Talamini als jovialen und freundlichen alten Herrn erlebt, der er auch anscheinend gewesen ist. Er hat oft vor der Tür seines Geschäfts gestanden und Kindern einen Groschen in die Hand gedrückt, damit sie sich ein Eis bei ihm holen. Das war ein guter Werbegag“, sagt Wolfgang Schmidt.

Sein Bruder Günter Schmidt (Jahrgang 1931) ist in dem Haus geboren und hat dort 26 Jahre lang gelebt. Er hat vor 1939 und während des Zweiten Weltkriegs in der Talamini-Eisfabrik mitgeholfen und jedes Mal als Belohnung eine Portion Eis mit Sahne und Borke erhalten. „Das ist eine geriffelte Schokolade, die es so heute gar nicht mehr gibt. Die sieht aus wie die Borke eines Baumes“, sagt Schmidt.

Die älteste Erinnerung an Alex Talamini dürfte Wilhelm Ohlms (Jahrgang 1921) haben. Der heutige Lüneburger hat nämlich irgendwann zwischen 1925 und 1930 beobachtet, wie Talamini sich jeden Morgen im Friseursalon von Hermann Kisser an der Ecke des Nordwalls mit dem Heiligen Kreuz rasieren ließ. Ein junger Mann bediente den Celler „Eiskönig“, während der Chef am anderen Ende des Ladens mit dem Fuß aufstampfte, weil ihm etwas missfiel. Talamini forderte den Friseurmeister auf, diese Unart abzustellen: „Hermann, lass das!“, hat Ohlms gehört. Talamini sei ein „gutmütiger, rauher Kerl“ gewesen, der „gepowert hat“.

Zu seiner Lehrzeit hat der 94-Jährige dann eine der Talamini-Töchter kennengelernt, die den Betrieb weiterführte. Zwischen 1925 und 1933 hat er die ersten mit Motorrädern betriebenen Eiswagen gesehen, die auch von August Rohde gefahren wurden, bevor dieser sich mit einem Radiogeschäft an der Zöllnerstraße selbstständig gemacht hat. „Im Hochsommer fuhr auch seine Frau mit, wenn viel zu tun war“, weiß Ohlms.

Helmuth Choitz (Jahrgang 1924) kam 1946 durch verwandtschaftliche Verhältnisse direkt aus der Kriegsgefangenschaft in Italien nach Celle in die Firma Talamini. „Ich wurde von Alessandro Talamini in die Geheimnisse der Eisherstellung eingeweiht. Bis 1963 ging sozusagen sämtliches Eis, das hier verkauft wurde und von mobilen Eisverkäufern unters Volk gebracht wurde, durch meine Hände.“ Der Eiskonditor arbeitete in der zum Nordwall hin gelegenen Eisfabrik bei ganz normalen Temperaturen. Später wechselte Choitz zur Firma Sennheiser, wo er 1987 als Versandleiter in den Ruhestand ging.

„Zu meiner Zeit hatten wir drei von den Schiebewagen und auch ein Motorrad mit Beiwagen. Ich kam auch mit der Kundschaft in Kontakt, wenn ich im Geschäft Eis verkaufte.“ Alex, wie er von allen genannt wurde, Talamini war „ein sehr freundlicher und fröhlicher Mensch, der bei allen in Celle beliebt war und mit jedem sprach“. Eine der Talamini-Töchter war mit einem Bruder von Choitz verheiratet und so kam er nach dem Krieg ins Eisgeschäft. Während der gesamten Zeit stellte Choitz nur die vier Sorten Zitrone, Vanille, Erdbeer und Schokolade her.

Hildegard Leibeke (Jahrgang 1921) sah als Kind überall Eiswagen Am Heiligen Kreuz stehen. „Sie fuhren durch ganz Celle und um Celle herum.“ Als Ihre Familie 1936 ins Blumläger Feld zog, wo sie noch heute lebt, beobachtete sie stets das Gewimmel von Kindern, das sich bildete, wenn der Eismann kam und bimmelte: „Jeder wollte zuerst dran.“

Margarete Eckert (Jahrgang 1923) weiß, dass der Eismann auch durch die Fuhsestraße kam. „Er klingelte mit seiner großen Glocke und wir stürzten mit großem Jubel hinaus. Unsere Mutter spendierte uns drei Kindern eine Eiswaffel für einen Groschen. Aber wir durften erst zu Hause am Eis lecken. Dies war für uns auf der Straße verboten. Es gehörte sich nicht. Um 1930 herum wurden wir noch streng erzogen“, erzählt Margarete Eckert. Sie erinnert sich auch noch an die Talamini-Filiale an der Bahnhofstraße. Hier gab es einen schönen Garten. „Abends gingen wir gerne dorthin.“

Rudolf Peterson (Jahrgang 1931) erinnert sich auch noch an dieses Garteneiscafé auf dem freien Platz vor dem einstigen Kino. Dieser Garten war von Hecken umgeben und man saß auf Klappstühlen an ebenfalls zusammenklappbaren Tischen. Nach dem Krieg hat es diese Filiale nicht mehr gegeben.

Der Zeichenlehrer und Künstler Fritz Bötel ließ seine Schüler gern in die Altstadt ausschwärmen und die Ornamente der Fachwerkgiebel abzeichnen. „Aber Talamini ist tabu“, sagte Bötel. Einige der Schüler hielten sich natürlich nicht an dieses Verbot, sondern holten sich ein grünes oder rotes Wassereis, was es in den 40er Jahren dort ausschließlich gab. „Bötel ließ uns nach dem Stadtgang antreten und ging die Reihe durch. Jeder musste ihm die Zunge ausstrecken und wenn die rot oder grün war, dann gab es ein Donnerwetter und bei Wiederholung auch mal eine Strafe“, so Peterson.

Hermann Timme (Jahrgang 1928) ist in Wietzendorf aufgewachsen. Auf dem Dorf gab es zweimal im Jahr Eis: zum Schützenfest und zum Jahrmarkt. Als er nach Celle zog, empfand er es als „Sensation“, dass es damals schon dort das ganze Jahr über Eis gab. Als er im Heesegebiet wohnte, ging es oft durch die Trüllerunterführung zum Bahnhof. Doch anstatt mit der Straßenbahn in die Altstadt zu fahren, sparte sich der kleine Hermann den Groschen auf, um sich bei Talamini dafür ein Eis zu holen: „Das war wirklich die Welt für mich!“

Alex Talamini hat in seiner Erinnerung stets eine weiße doppelreihig geknöpfte Jacke getragen „und jeden nett begrüßt“. Er strahlte eine Wärme aus, die ihn für Timme zu einer Vaterfigur werden ließ. Als Junggeselle hat Timme nach dem Krieg seine Zuckermarken gespart, um sich selbst im Winter, wenn die Wagen nicht unterwegs waren, ein Eis bei Talamini zu holen.

Vor der alten Post am Schlossplatz stand der bekannteste Wagen, meint Timme. Wenn der Eismann den Eisbehälter im Schlossgraben ausspülte, lechzte der kleine Hermann nach dem „Schnippel Eis, den ich gern auf die Zunge genommen hätte“. Timme: „Damals hatten wir ja wenig Geld.“

In den 30er Jahren verbrachte Eva Hagenberg (Jahrgang 1928) jedes Jahr ihre Ferien in Celle. „Meine Tante wohnte an der Harburger Straße. Sie setzte sich Hütchen mit Schleier auf und zog die Spitzenhandschuhe an. Unten am Berg – vor der Allerbrücke – neben dem Eingang zur Bäckerei Trüller stand der Eiswagen Talamini. Eis gab es aber erst auf dem Heimweg, dann war eventuelles Kleckern nicht mehr so gefährlich. Die Portion kostete fünf Pfennig. Für mich hatte das Ganze noch einen besonderen Wert. In Celle durfte ich Eis auf der Straße lecken, bei meiner Mutter zu Hause in Thüringen schickte sich das nicht“, berichtet Eva Hagenberg.

Inge Hubbe (Jahrgang 1930) ist zu ihren Berufsschulzeiten regelmäßig bei Talamini zum Eisessen gewesen. Ihre Tochter Ute Hubbe (Jahrgang 1966) hat von dem Eismann, der immer zur Carstensstraße kam, zu jedem Geburtstag eine Kugel Eis geschenkt bekommen. „Er wusste irgendwoher, wann sie Geburtstag hat. Ab ihrem zweiten Lebensjahr tappelte sie dahin, wenn der Eismann kam“, sagt Inge Hubbe.

Rita Sander (Jahrgang 1934) hatte es vor dem Zweiten Weltkrieg von der Wohnung ihrer Großeltern nicht weit zu Talamini. „Ich wurde mit einer Schale rübergeschickt und holte für eine Mark Eis. Davon aß dann die ganze Familie daheim. Ich als kleines Blondchen erhielt von Alex immer eine Extrakugel.“ Für sie roch es hier immer „verführerisch nach Zitrone“.

Erich Herbst (Jahrgang 1935) weiß, dass in dem Fachwerkhaus zwischen den Talamini-Gebäuden und der Mittelschule der Werkraum der Lehranstalt untergebracht war, in dem dieser Unterricht Freiwilligen nähergebracht wurde.

Karl Ströher (Jahrgang 1937) hat als Schüler bei Talamini oft und gern Eis gegessen. Auch war Talamini gern genutzter Treffpunkt „zum Anbandeln der Schüler und Schülerinnen der damaligen Mittelschule“, sagt Ströher.

Auch Günther Wede (Jahrgang 1940) erinnert sich noch an das rosarote, runde Wassereis von Talamini mit Erdbeergeschmack: „Das Eis am Stiel für fünf Pfennig war für uns Kinder gleich nach dem Krieg das Größte.“ Er hat sich in die lange Schlange der Wartenden eingereiht in der Hoffnung, noch einen der Wasserlollis zu erhalten. In dieser Schlange stand auch Walter Rohkamm (Jahrgang 1941) öfter. Er hat mitbekommen, dass Alex Talamini Unverbesserlichen auch Lokalverbote aussprach und diese selbst kontrollierte. So stand er am Eingang und sagte: „Du kommst rein, Du auch, Du nicht!“

Das Grundstück von Talamini ging damals über einen kleinen Innenhof bis zum „Nordwall“ durch. Dort wurde das Eis hergestellt. Und über einen Flaschenzug wurden im Frühjahr und im Herbst die Verkaufswagen herunter beziehungsweise hinauf ins Lager befördert, hat Wede beobachtet.

Heinemann Gahlau (Jahrgang 1942) kaufte sich während seiner Mittelschul-Zeit im Geschäft „Honig-Clausen“ (heute das „Dolomiti“) öfter „Schnökereien“ als „Pausenbrot“ oder als Wegzehrung. Die Eisdiele war auch ein beliebter „Aufenthaltsraum“ beim gelegentlichen Schulschwänzen, so Gahlau. „Ungezählte Stunden“ hat Peter Franke senior (Jahrgang 1940) in den hinteren Räumen verbracht, auch wenn er nichts verzehrte. „Das Eis war einfach wunderbar, auch wenn das Taschengeld oft nur für eine Kugel gereicht hat“, sagt Franke.

Reinhard Knop (Jahrgang 1946), hat die Mittelschule am Heiligen Kreuz besucht und wenn die Schüler eine Freistunde hatten, gingen viele zu Talamini. „Da wir eine Jungenklasse waren, sind wir ab einem ,gewissen‘ Alter natürlich neugierig auf Mädels der anderen Klassen gewesen. Diese Stunden waren oft sehr amüsant. In der kalten Jahreszeit, wenn es für uns Jungen bei Talamini nichts zum ,Naschen‘ gab, ging es auf die andere Straßenseite zum Süßwarenhandel Grundke. Natürlich nur ein schwacher Ersatz!“

Die Mutter von Bernd Heinrichs (Jahrgang 1948), Rosa Heinrichs (1916 bis 2012) war in den 1930er und 40er Jahren bei Talamini tätig und mit dem Sohn Alexandro verlobt. Karin Aschemann (Jahrgang 1948) musste sich als Kind deutlich bemerkbar machen, um vor dem hohen Verkaufstresen gesehen zu werden und eine Kugel Eis für 10 Pfennig zu kaufen.

„Wenn der Eismann in den 50er Jahren mit seinem Dreirad in die Grabenseestraße einbog, anhielt, klingelte, die drei chrompolierten kegelförmigen Kappen von den Eisbehältern nahm, dann je nach Vermögen der anwesenden Meute die kalten Kugeln für ein oder zwei Groschen in die Waffel tat – da waren wir Gören ruhiggestellt und gaben uns dem kurzweiligen Genuss hin – seelige Zufriedenheit“, sagt Manfred Klaus (Jahrgang 1950).

Heidelore David (Jahrgang 1950) ist in den 1950er Jahren stets mit ihrer Großmutter zum Geburtstag aus Wietzenbruch zu Talamini gefahren, zunächst mit dem roten Triebwagen bis zum Bahnhof und von dort mit der Straßenbahn in die Altstadt. „Das war immer ein Erlebnis für mich.“ Die Wohlbehütete durfte indes bei schlechtem Wetter nur Sahne mit Borke essen und kein Eis – aus Angst, dass sich die Kleine erkälten könnte.

Regina Bienek (Jahrgang 1951) wuchs an der Wehlstraße auf. Schon als Fünfjährige wurde sie zum Eisholen zu Talamini geschickt. Sie erinnert sich an den dunklen Flur und den kleinen Innenhof. Zu ihrer Zeit bediente sie schon Talaminis Schwiegersohn Friedrich, der immer eine weiße Schürze und ein Schiffchen trug. Eingerichtet sei der Eissalon wie eine gute Stube gewesen.

Dieter Barnecow (Jahrgang 1950) lebte früher in Hänigsen und er weiß, dass in den 1950er Jahren der Talamini-Eismann mit einem kleinen Moped und drei Eissorten „im Gepäck“ in sein Dorf kam. „Das war für uns Kinder die Sensation.“ Seine Frau Gitta Barnecow (Jahrgang 1951) hat die Talamini-Eisfreuden auch in Ehlershausen genießen können. Hartmut Brysch, der heute in Winsen lebt, hat in den 50er Jahren in Uetze sehnsüchtig auf den Talamini-Eismann gewartet, der einmal wöchentlich vorbeikam.

Heidrun Hand-loegten sollte Mitte der 1950er Jahre mit ihrem neuen Flitzer, einem roten Roller mit Ballonreifen, zu Talamini fahren, um Sahne zu kaufen. Vor der Rückfahrt vergaß sie aber, die mitgegebene Verpackung um die Glasschale zu wickeln. Sie fuhr „wie ein geölter Blitz“, so dass sie mit lauter Scherben und einer Sahnemasse daheim ankam, die man natürlich nicht mehr essen konnte.

Die 1945 aus Ostpreußen vertriebenen Eltern von Christel Schneider (Jahrgang 1938), Anna und Otto Ress, haben bei der Waffelfabrik von Emil Tietje an der Fritzenwiese gearbeitet. Ihre Mutter hat zusammen mit Erna Lerk die Waffeltüten für Talamini gebacken, ihr Vater das Lager geleitet.

„Wir haben uns oft Zitronenschalen zum Weiterverarbeiten in der Bäckerei bei Onkel Talamini abgeholt. Wenn jemand Geburtstag hatte, konnte man seinen treuen Mitarbeiter Gasparia buchen und der kam bis vor die Tür und man konnte Eis kaufen“, berichtet Hänschen Röling (Jahrgang 1940)

In den 50er Jahren hat Hildegard Tetzlaff (Jahrgang 1931) einmal beim mobilen Eisverkauf während eines Pferdeturniers auf dem Saarfeld geholfen: „Es war so ein schönes Wetter. Mein Schwager Leonhard Engel hat das Eis ausgegeben und ich habe kassiert.“

Wolfram Wiedemeier (Jahrgang 1941) hat von 1956 bis 1959 schräg gegenüber von Talamini bei Bäcker Otto Fleppe gelernt und musste einmal pro Woche Haselnusskerne rösten. Wenn er die im Salon ablieferte, bekam er stets eine große Schüssel Eis.

Gerlinde Eimers (Jahrgang 1941)hat mehrere Sommer die Balkonkästen und Kübel von Talamini bepflanzt. Auch die Gärtnerin erhielt zur Belohnung einen Rieseneisbecher. „Darauf haben wir uns ein ganzes Jahr gefreut.“

Ingeborg Mack (Jahrgang 1944) weiß, dass Talamini in den 1960er Jahren für den Kreidler-Club der Treffpunkt war. Sie war oft mit ihrem Zukünftigen dort und später mit den Kindern.

„Freudige Erregung erfasste mich, sobald ich den engen Flur betrat: Die Kühle darin, die vielen Schritte zur Theke links am Ende und der Duft von Vanille, Sahne und anderen wunderbaren Ingredienzien sind mir noch heute präsent“, sagt Sabine Seifert (Jahrgang 1950), deren Eltern den Frisörsalon Wyrembek in der Nähe führten.

Stephanie Hoffmeister (Jahrgang 1958) lebte ab Mitte der 60er Jahre mit ihren Eltern und ihrer Schwester in Vorwerk, und donnerstags fuhr die Mutter mit den Kindern in die Stadt zum Einkaufen. „An der Stadtkirche warteten dann schon meine Großeltern auf uns. Während meine Mutter die Einkäufe erledigte, gingen wir Kinder mit Oma und Opa in deren Wohnung am Steintor, und auf dem Weg dorthin mussten wir vorbei an der Talamini Eisdiele. Aber vorbei sind wir eigentlich nie gegangen, sondern wir bekamen immer unser Eis.“ So erging es auch Andrea Zühlke (Jahrgang 1964), die Ende der 1960er Jahre einmal pro Woche mit dem Opa in der Stadt war und nach dem Einkaufsbummel immer ein „wunderbares Eis“ bekam.

Karl-Heinz Heitmann (Jahrgang 1936) musste 1946 sein Wassereis stets mit fünf Gramm Würfelzucker und noch zwei Groschen bezahlen. Mit seiner späteren Frau Gisela, die er 1951 kennenlernte und 1957 heiratete, trank er hier Am Heiligen Kreuz in der kalten Jahreszeit öfter eine heiße Zitrone.

Auch die gemeinsame Zeit von Dörthe und Michael Wöhler begann bei Talamini. In den letzten drei Betriebsjahren von 1974 bis 1977 trafen sich die Verliebten hier. Fünf Tage vor ihrem 15. Geburtstag lernte sie, die bei der Fleischerei Wulke in die Lehre ging, ihren Zukünftigen kennen. Jeden Mittag trafen sie sich bei Talamini. „Wir saßen im zweiten Raum ganz hinten in der Ecke, damit uns niemand sieht. Man durfte schon gar nicht Händchen haltend in der Stadt gesehen werden. Mein Mann hatte noch drei Schuljahre vor sich und schwänzte öfter wegen unserer Treffen. Deshalb musste er auch eine Ehrenrunde drehen“, erzählt Dörthe Wöhler. Heute denken die beiden gerne an die Anfangszeit zurück, wenn sie an den Häusern Am Heiligen Kreuz vorbeischlendern. Und dann holen sie sich eben woanders ein Eis.

Andreas Babel Autor: Andreas Babel, am 21.08.2015 um 11:55 Uhr
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