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133: Als in Celle noch die Katerburg stand

Katerburg in Celle Foto: Sammlung Wulf Haack

Wohnhaus, Verhörzentrale, Krankenhaus und später Ordnungsamt – die Katerburg an der Ecke Lüneburger / Wittinger Straße in Celle hatte viele verschiedene Besitzer. Harry Trüller hatte sie einst bei Architekt Otto Haesler in Auftrag gegeben. 1925 wurde sie erbaut, 1971 schließlich abgerissen. CZ-Leser erinnern sich an die verschiedenen Epochen.

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CELLE. „Luxuriöser Herrschaftssitz mit umfangreichen Park- und Gartenanlagen, Terrassen und 200 Meter Wasserfront, auch als Erholungsheim, Kurpension, Klubhaus, Sanatorium und dergleichen geeignet, in bekannter Stadt der Provinz Hannover“ – so heißt es in einer Verkaufsanzeige der Firma „Koch & Co – Grundstücks- und Geschäftsverkäufe“ aus Berlin. Angeboten wurde die ehemalige Katerburg zwischen Lüneburger und Lachtehäuser Straße (heute Wittinger Straße) in Celle. Die Anzeige ist vermutlich 1938 erschienen, denn der Einheitswert ist „per 1. Januar 1938“ angegeben und mit 290.000 Reichsmark beziffert. Verkauft wurde das Anwesen anscheinend nicht, denn bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wechselten die Besitzverhältnisse nicht.

Das weiß Robert Hagemann (Jahrgang 1938), der in dem kleinen Haus, das auf dem Foto vom vergangenen Samstag links neben der Villa zu sehen war, aufgewachsen ist. Sein Vater Robert Hagemann senior war nämlich der Hof- und Hausmeister von Dr. Kraft und seiner Frau Elli. Ihr Vater Harry Trüller (1868 bis 1934) hatte die Katerburg im Jahre 1925 an der Lüneburger Straße 8 vom Architekten Otto Haesler entwerfen lassen.

„Dazu gehörte nicht nur ein großer Park, sondern auch Tennisplätze, eine Kegelbahn und ein Hühnerstall“, berichtet Robert Hagemann, der sich an einen Tieffliegerangriff im Frühjahr 1945 erinnert, „Soldaten, die die Lüneburger Straße hochgingen, wurden beschossen“, erzählt der Zeitzeuge, „unser Vorgarten sah hinterher wie umgepflügt aus.“ Kurze Zeit später kamen die Engländer nach Celle. „Auf den Tennisplätzen waren Gefangene, die in der Villa verhört wurden“, erinnert sich Robert Hagemann. Sein Vater, der zuvor den Frankreich- und Russland-Feldzug mitgemacht hatte, wurde zwei Tage lang in seinem eigenen Hühnerstall eingeschlossen, bekam dann aber die Genehmigung, mit einigen Möbeln zum Siemensplatz zu ziehen.

Ilse Kniep (1923) kennt die „Trüllersche Villa“ aus ihrer Jugendzeit. Sie war mit Ilse Kraft, der Tochter von Elli, befreundet. „Es war ein hochherrschaftliches Haus. Wenn man geklingelt hat, wurde man von einem Hausmädchen in einer weißen Schürze empfangen“, erzählt Ilse Kniep, „wir haben in der Villa, im Garten oder auf dem Tennisplatz gespielt – es gab tolle Möglichkeiten.“

Peter Heppner (1942) machte zweimal Bekanntschaft mit der Katerburg, die nach der Besetzung durch die Engländer als Krankenhaus genutzt wurde. Während seiner Lehre als Heizungsbauer verlegte er Ende der 1950er Jahre dort Rohre im Keller, da die Kinderstation des Allgemeinen Krankenhauses ausgebaut werden sollte. „Im Fahrstuhlschacht haben wir noch Verpackungsmaterial von Trüller-Schokolade gefunden“, erinnert sich Peter Heppner, der einige Jahre später während seiner Bundeswehrzeit ein zweites Mal mit der Katerburg in Berührung kam. Diese war ab 1961 zum Ordnungsamt und Fundbüro der Stadt Celle geworden. „Ich war auf Wochenendurlaub in Celle und hatte einen Unfall“, erzählt der heutige Hambührener. Da er seinen Führerschein nicht dabei hatte, mussten er und seine Frau solange auf der Wache im Stechinellihaus warten, bis zwei Polizisten zur Katerburg gefahren waren, um zu prüfen, ob Peter Heppner wirklich im Besitz eines Führerscheins ist. „Das wurde dann da bestätigt und ich durfte wieder nach Hause fahren“, sagt Peter Heppner.

Hänschen Röling (1940) hat die Katerburg in guter Erinnerung, da er dort die Papiere änderte, als er die Bäckerei von seinem Vater Adolf übernahm. Ilse Paul (1938) hat die Katerburg als Ordnungsamt zuletzt im Jahr 1969 betreten – „und zwar nach meiner Eheschließung, um den Namen in mehreren Papieren ändern zu lassen“. Sieben Jahre zuvor war Renate Gaehn (1944) in der Katerburg, um sich in Celle anzumelden. „Da wir noch nicht volljährig waren, hat uns die Schulschwester begleitet – der Eingangsbereich war ringsherum mit Holz vertäfelt“, erzählt die gelernte Kinderkrankenschwester.

Warum Ende der 1930er Jahre niemand zuschlug, als die Trüllersche Villa zum Verkauf stand, ist nicht bekannt. An dem Anwesen sollte es nicht gelegen haben, denn laut der Verkaufsanzeige handelte es sich um ein „Wohnhaus im Villenstil, im Jahre 1925 erbaut, kleines architektonisches Meisterwerk mit hochherrschaftlicher Einfahrt“. Im Erdgeschoss gab es unter anderem einen als Jagdraum eingerichteten Empfangsbereich, eine große Diele mit Parkettfußboden und hoher Wandtäfelung sowie einen Raum für ungefähr 40 bis 50 Gäste – „anschließend ein Wintergarten mit feenhafter Beleuchtung“.

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 11.09.2015 um 14:08 Uhr
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