138: Wo die Krönung geschaut wurde

Ruth Ebel (oben rechts, unten links) – auf den Bildern neben Kollegin Dorle Gasch –arbeitete von 1951 bis 1960 bei Radio Dallmann. Neben dem Verkaufsraum gab es auch eine Schallplatten-Bar (unten rechts). Ein Radio-Gerät aus dem Hause Dallmann ist noch im Besitz von Daniela Schneider. Foto: Benjamin Westhoff

Es war das Ereignis der noch jungen Fernsehgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland: Als im Juni 1953 Elisabeth II. zur Queen gekrönt wurde, wollten auch viele Celler live im TV dabei sein. Viele kauften sich einen Fernseher. Wer nicht genügend Geld hatte, verfolgte das Event beispielsweise bei Radio Dallmann an der Mauernstraße in Celle.

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CELLE. Es gibt sie auch heute noch in Celler Haushalten – Radiogeräte aus dem Hause Dallmann an der Mauernstraße. „Leider können wir nicht mit einem Fernseher dienen, aber in unserem Besitz befindet sich ein Radio der Marke Telefunken Dacapop“, sagt Daniela Schneider (Jahrgang 1967), „das Radio ist ein Nachlass meiner Oma.“ Die
Garßenerin kann sogar beweisen, dass das Gerät bei Radio Dallmann gekauft wurde. „Ich habe noch die Empfangsbestätigung und die Garantiekarte“, sagt sie, „gekauft
wurde das Radio am 27. August 1952 bei Dallmann.“ Knapp zwölf Jahre später musste es zur Repa­ratur. „Grund des Auftrags: spielt nicht mehr“ steht auf der Bestätigung. Am 4. März 1964 wurde schließlich die Rechnung gestellt. Ein Techniker namens Karatzik unterschrieb die Quittung über 17,50 Deutsche Mark.

Am Briefkopf wird deutlich, dass sich in den Jahren zwischen Kauf und Reparatur etwas getan hat bei Radio Dallmann. Während das Geschäft 1952 dem Ingenieur Theodor Dallmann gehörte, ist auf der Rechnung aus dem Jahr 1964 der Radio- und Fernsehtechnikermeister Otfried Fiedler als Inhaber angegeben.

„Leider funktioniert bei dem Radio nur noch der Mittelwellenempfang – vielleicht ist ja noch eine Garantienachbesserung möglich“, sagt Daniela Schneider lachend. Wohl wissend, dass es in den Räumlichkeiten von Radio Dallmann an der Mauernstraße 7 und 8 heute Kleidung und Steaks zu kaufen gibt.

Ruth Ebel (1933) hat von 1951 bis 1960 bei Radio Dallmann gearbeitet. „Auf dem Bild aus der CZ ist der kleine Ausstellungsraum zu sehen“, sagt die Zeitzeugin, „neben dem Verkaufsbereich und dem Büro gab es auch eine Schallplatenbar und im ersten Stock eine Werkstatt.“ Sie erinnert sich noch daran, dass ihr Arbeitgeber dem Funkberaterring angeschlossen war, um die Waren günstiger einkaufen zu können. „Früher brauchte man keine Lehre, man begann als Anfängerin“, erzählt die 82-Jährige, die 1959 einen neuen Chef bekam. Theodor Dallmann übergab das Geschäft an Otfried Fiedler. „Nach meiner Hochzeit habe ich dann dort aufgehört, aber es waren schöne Jahre“, so die ehemalige Mitarbeiterin, „mit den Fernsehern fing es ja damals erst an.“ Ihre Eltern hätten zwar schon seit 1952 einen Fernseher gehabt, doch viele kauften sich erst ein Jahr später ein TV-Gerät, als Elisabeth II. gekrönt wurde. „Da setzte ein richtiger Boom ein.“

Auch Hedi Welzin (1942) wollte die Krönung der neuen englischen Königin unbedingt sehen. „Als 1953 die Elisabeth gekrönt wurde, saß ich in einem Raum bei Radio Dallmann und habe gespannt diese Prachtschau gesehen“, erinnert sie sich, „nie werde ich vergessen, was es bedeutete, dabei zu sein. Damit hat meine Liebe zum englischen Königshaus begonnen.“ Bis heute verfolge sie alles, was diese „herrlichen“ Menschen betreffe, mit großem Interesse im Fernsehen und in den Zeitungen. „Das alles verdanke ich Radio Dallmann, das Geschäft hat so früh meine Liebe zum englischen Königshaus geweckt“, sagt Hedi Welzin.

Hänschen Röling (1940) erinnert sich noch an Theo Dallmann. „Er wohnte am Steintor neben dem Straßengraben und war ein großartiger Geschäftsmann“, erzählt der Zeitzeuge, „er hat sich die Nöte der Kunden angehört.“ Ein Radio habe 250 bis 500 Mark und ein TV-Gerät 3000 bis 5000 Mark gekostet. „Das konnten sich nur die Reichen leisten“, sagt Röling, „aber Dallmann hatte ein Herz für seine Kunden und man konnte sein Gerät auch auf Abzahlung in monatlichen Raten bezahlen.“ Theo Dallmann sei zudem ein guter Schütze und Skatspieler gewesen, der oft Gast im „Blauen Engel“, im Hotel Bothe und in der Gaststätte „Zur Glocke“ gewesen sei.

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 22.12.2015 um 13:54 Uhr
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