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Kunst lässt Celle leuchten

Celle sei eine "Lichtkunststadt", sagte Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende am Dienstag bei der feierlichen Einweihung der Lichtblume vor der psychiatrisch-psychosomatischen Klinik. Neben der neuesten Skulptur ist in Celle eine Vielzahl von Lichtkunstwerken installiert und kann frei zugänglich bestaunt werden.

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CELLE. Trotz des Winters blüht in Celle seit Kurzem eine außergewöhnliche Blume. Vor der psychiatrisch-psychosomatischen Klinik des Klinikums Wahrendorff an der Schlepegrellstraße reckt sich ein zehn Meter hoher orangefarbener Blumenstängel gen Himmel, die grünen Blütenknospen leuchten mit den Sonnenstrahlen um die Wette.

„Leuchten“ ist bei dieser Blume wörtlich gemeint: Die Lichtblume wurde vom Künstler Vollrad Kutscher entworfen. Für sein Werk nutzte der gebürtige Braunschweiger einen Straßenlaternenmast als Blumenstängel und rund 100 grüne LED-Fertigleuchten, die an die mobilen Blaulichter von Polizeifahrzeugen erinnern. Ein gebogenes sechs Meter langes Blatt aus grauem Metall umfasst den Stängel.

Innerhalb des Blütenkopfes, der einer Lavendeldolde ähnelt, befindet sich außerdem die Elektronik. „Im Inneren läuft ein Programm ab“, erläuterte Künstler Kutscher am Dienstag bei der Einweihung der Lichtblume. „Das lässt die Blume ab und zu verblühen.“ Betrachter sollten sich also nicht wundern, wenn die Lichtblume nicht wie üblich grün leuchtet. „Kaputt ist sie dann nicht“, versicherte der Lichtkünstler. Schon bald würde sie wieder im alten Glanz erstrahlen.

Dem Künstler war es wichtig, mit bereits vorhandenen Elementen zu arbeiten. Die Arbeit mit Leuchtmitteln ist für ihn ein geeignetes Mittel, um das Zeitalter der Elektrifizierung und Digitalisierung in der Kunst zu repräsentieren. „Damit ist die Lichtblume ein sehr aktuelles Kunstwerk“, sagte Kutscher. Es sei eine „sehr freundliche Skulptur“.

Die Lichtblume ist nicht das erste Kunstwerk Kutschers, das in Celle leuchtet. Im Jahr 2012 wurde sein „Lichtspieltheater“ in der Celler Bahnhofsunterführung installiert. Das von Bewegungsmeldern gesteuerte LED-Lichtkunstwerk erhellt den kurzen Tunnel in unterschiedlichen Farben. Seit 2013 ziert das Werk „Blaulichttanz vor Leuchtquadrat“ eine Metallleiter an der Außenwand des Celler Kunstmuseums.

Neben Kutschers Werken sind noch weitere Installationen in Celle zu bestaunen: Rund um das Kunstmuseum, den Bahnhof und im Innenhof des Oberlandesgerichts ist Lichtkunst vertreten. Diese Vielfalt hat Kunstsammler Robert Simon ermöglicht. Er setzt sich für Kunst im öffentlichen Raum ein und überzeugt Künstler mit der „Kraft der Idee“ davon, ihre Werke in Celle auszustellen.

Lichtkunst ist noch eine recht junge, eigenständige Kunstgattung, die ihre Anfänge um die Jahrhundertwende des 19. und 20. Jahrhunderts hat. Das Spektrum der Lichtkunst lässt sich kaum eingrenzen und lebt von den Ideen der Künstler. Für die Abgrenzung zum Beispiel von Lichtdesign sei zentral, dass hinter dem Lichtkunstwerk eine künstlerische Idee stehe. „Es geht nicht um Show“, betont Julia Otto, Kuratorin des Celler Kunstmuseums.

„Die Lichtkunst nimmt eine rasante Entwicklung durch die Weiterentwicklung der Technik“, erläutert Robert Simon. In Privathaushalten wurden Neonröhren mittlerweile durch Energiesparlampen und LED-Leuchtmittel ersetzt. Lichtkünstler greifen mittlerweile zwar ebenfalls auf die neueste Technik zurück, Neonröhren seien allerdings noch immer beliebt, so Simon: „Neon hat auch am Tag eine intensivere Wirkung.“

Vollrad Kutscher hat für seine Lichtblume vor der Celler psychiatrisch-psychosomatischen Klinik LED-Fertigleuchten benutzt und damit auf aktuelle Technik gesetzt. Die Inspiration für sein Kunstwerk stammt hingegen aus der Epoche der Romantik des 19. Jahrhunderts: die Blaue Blume als romantisches Symbol. Nach seiner ersten blauen Lichtblume experimentierte er mit unterschiedlichen Farben, so kam die grüne Lichtblume zustande.

Warum Lichtkunst die Menschen fasziniert? Kutscher hat seine eigene Erklärung: „Es ist wie beim Weihnachtsbaum, da stehen vor allem Kinder auch mit offenen Mündern davor.“ Julia Otto ergänzt: „Es leuchtet, das weckt die Aufmerksamkeit.“

Amelie Thiemann Autor: Amelie Thiemann, am 12.01.2016 um 18:28 Uhr
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