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Hermannsburger Fotograf als Trauerbegleiter mit der Kamera

Es sieht aus, als ob es schlafen würde. Fotografen wie Niklas Cohrs aus Hermannsburg machen Bilder von Sternenkindern. Foto: www.Dein-Sternenkin.eu

Der Tod eines Kindes ist das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Viele haben Angst vor diesem Thema. Niklas Cohrs, 18 Jahre alter Fotograf aus Hermannsburg, nicht. Er ist Teil eines Netzwerkes und begleitet die Eltern von Sternenkindern in diesen schwierigen Stunden. Mit seinen Bildern sichert er die Erinnerung an die viel zu früh verstorbenen Babys.

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Kleine Hände, kleine Füße – winzige feingliedrige Körper, die erst kurz zuvor in diese Welt geboren wurden. Diese Fotos von Babys sind für Eltern meist ein Ausdruck größter Freude. Bei Sternenkindern ist das anders. Die Bilder sind Ausdruck der größten Trauer. Wichtig sind sie dennoch.

Als junger Mensch beschäftigt einen meist nicht der Umgang mit dem Tod, die Begleitung von Angehörigen beim Sterben. Doch genau mit diesem Thema setzt sich der 18-jährige Niklas Cohrs aus Hermannsburg auseinander. Niklas ist als jüngstes Mitglied Teil des Netzwerkes www.Dein-Sternenkind.eu (DSK) und für dieses im Landkreis Celle und im Heidekreis unterwegs. Bei DSK sind Fotografen aus ganz Deutschland und Österreich engagiert. Sie helfen Eltern, sich mit Bildern an ihre Kinder zu erinnern, die während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verstorben sind. All diese Fotografen halten die Momente des kurzzeitigen Daseins und des Sterbens ehrenamtlich für die Ewigkeit fest.

„Ich will einfach helfen“

Seit seine Eltern Niklas vor vielen Jahren im Urlaub eine Sofortbildkamera geschenkt haben, liebt er das Fotografieren. Für den 18-Jährigen bedeutet Fotografie, Emotionen in Bildern darzustellen – authentische, künstlerische und kreative kleine Kunstwerke zu schaffen. 2015 meldet Niklas sein Kleingewerbe als Fotograf an und fotografiert neben seinem Ehrenamt bei DSK und seiner Ausbildung professionell. Die Arbeit als Sternenkindfotograf bedeutet ihm sehr viel. "Ich will einfach helfen und für die Eltern in dieser Situation, welche voller Trauer ist, da sein", sagt er.

So wie bei Heidi und Bernd M. aus Soltau. Ihr Sohn Jonas kam Anfang Februar 2016 im siebten Schwangerschaftsmonat zur Welt. Seine Lunge aber war noch nicht genügend ausgeprägt. Er verstarb kurz nach der Geburt. „Der Tod von Jonas nahm uns so sehr mit, dass wir unter stationärer Beobachtung standen“, sagt Heidi M.

Der Bestatter hatte den trauernden Eltern Niklas Cohrs empfohlen. Sie wandten sich an den Initiator von DSK, Kai Gebel. Er hat das Netzwerk 2012 gegründet. Der Zuspruch und Bedarf nach einem Sternenkindfotografen ist riesig. „Die Bilder sind für Eltern sehr wichtig, denn mit der Zeit können die Erinnerungen an Details verblassen. Sie helfen den Eltern, sich weiter an ihre Kinder zu erinnern“, sagt der Initiator.

Ein leises „Hallo“

Über 500 Fotografen gibt es bereits, die diese Arbeit machen. Als Niklas sich bei DSK bewarb, war er gerade mal 16 Jahre. Kai Gebel war erst skeptisch wegen des Alters, aber Niklas überzeugte ihn, hatte bereits zwei Monate nach der Registrierung seine erste Trauerbegleitung.

Als die Anfrage von Heidi und Bernd M. bei Kai Gebel eingeht, setzt er alle Hebel in Bewegung, um Niklas sofort zu erreichen, denn die Eltern von Jonas möchten schnell mit ihm reden. Schon kurz danach meldet sich der junge Hermannsburger Fotograf und macht sich sofort auf den Weg ins Krankenhaus, wo er bereits erwartet wird.

„Eine nette Krankenschwester hat mich zum Zimmer der Eltern geführt. Ich hielt kurz vor der Tür noch einmal an und holte tief Luft. Ich war bereit und trat in das Zimmer ein. Es standen zwei Einzelbetten im Zimmer, die jedoch so dicht aneinander geschoben wurden, dass kein Blatt Papier mehr dazwischenpasste. Die Eltern hatten sich die Hände gereicht. Alle vier Augen wurden nun auf mich gerichtet. Ein leises 'Hallo' sprach ich aus. Es flossen Tränen, und ich nahm beide getrennt sehr herzlich in den Arm und hielt jeweils einen Moment inne. Es fühlte sich wundervoll an“, erinnert sich Niklas.

Er setzt sich vor den Betten auf einen Stuhl und lächelt sie vorsichtig an. Der Papa nimmt den Ärmel, die Mama das Taschentuch, um sich die Tränen aus dem Gesicht zu wischen. Niklas hat Teelichter mitgebracht und baut sie auf dem Boden des Zimmers auf. „Ein leuchtendes Licht nach dem anderen ergab dann nach kurzer Zeit einen Stern. Der Stern heißt Jonas. Es war ihr Sohn."

Mit den Wunden der Seele fertig werden

Der Anfang ist gemacht. Die Eltern öffnen sich dem jungen Fotografen. Sie erzählen ihm von der Schwangerschaft und von Jonas. Von ihren Träumen und Wünschen, die sich mit ihrem Sohn verbanden, und von der Geburt, die diese Träume in einen Albtraum verwandelte. Am Ende des Abends ließen Bernd, Heidi und Niklas zusammen einen Ballon steigen. Daran hing ein kleiner Zettel, auf dem die Eltern ihrem Sohn einen Brief geschrieben hatten.

In solchen Momenten verlieren Uhren ihre Bedeutung. Niklas weiß das: „Wenn ich zu Eltern nach Hause fahre, die ein Kind verloren haben, oder sie im Krankenhaus besuche, mache ich mein Handy aus und bin vollkommen nur für sie da. Es gibt keinen Termindruck und ich höre einfach nur zu.“

Er nimmt den Moment an, durchlebt ihn mit allen dazugehörigen Emotionen mit den Eltern. Nur so geht es aus seiner Sicht. „Manchmal treffe ich auf Leute, die es komisch finden, dass ich tote Menschen fotografiere. Das ist schade, denn sie haben nicht verstanden, dass es in dieser Angelegenheit um sehr viel mehr als Fotos geht.“

Er möchte auch, dass das Thema nicht tabuisiert wird. Damit Eltern sich in dieser schweren Stunde die Hilfe suchen, die sie brauchen. Und das tun, was nötig ist, um mit diesen Wunden in der Seele irgendwie zurechtzukommen. „Es kann jede schwangere Frau treffen“, sagt Niklas. 2556 Kinder kamen laut dem Statistischen Bundesamt 2013 tot zur Welt. Babys, die unter 500 Gramm wiegen, werden dabei nicht erfasst und gelten als Fehlgeburten.

Für die Eltern von Jonas war er in diesen schweren Stunden eine große Stütze. „Er nahm uns in den Arm und hielt unsere Hände. Er war für uns zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt Heidi M. Niklas half bei der Organisation der Trauerfeier und war für die Eltern da, um sie zu unterstützen. „Wir hatten Angst vor dem Tschüss-Sagen und den darauffolgenden Tagen“, sagt Heidi.

Einen Tag nach dem Gespräch im Krankenhaus holen sie Jonas in Soltau nach Hause. Niklas machte die Bilder, die den Eltern die ewige Erinnerung geben. „Er hat Jonas genau so abgelichtet, wie wir ihn kennengelernt haben, und hat bei der anschließenden Bildoptimierung vollkommen auf Retusche verzichtet. Sie helfen uns nun bei der Verarbeitung enorm“, sagte die Mutter. Auch die Trauerfeier einen Tag später dokumentierte er. Die Bilder sind jetzt in einem schwarzen Ledereinband und „unser ganzer Stolz“, sagt Bernd M.

Erinnerung nicht nur mit den Sternen

„Wenn du in der Nacht den Himmel betrachtest, weil ich auf einem von ihnen wohne, dann wird es für dich so sein, als ob alle Sterne lachten, weil ich auf einem von ihnen lache“. Diese Zeilen stammen aus „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Niklas Cohrs sorgt mit seinen Fotos dafür, dass die Eltern für die Erinnerung nicht nur zu den Sternen blicken müssen.

Tore Harmening Autor: Tore Harmening, am 18.04.2016 um 15:17 Uhr
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Sternenkinder

Sternenkinder werden die Babys genannt, die vor, während oder kurz nach der Geburt versterben. Dem Begriff liegt die religiöse Vorstellung zugrunde, dass Kinder in den Himmel kommen, wenn sie sterben. Außerdem drückt er die Verbundenheit der Eltern mit dem Kind aus, ganz im Gegensatz zu den technischen Begriffen wie Totgeburt. Lange Zeit war es für Eltern mit Sternenkindern, die unter 500 Gramm wogen, schwierig, überhaupt einen Friedhof zu finden, da diese Babys vom Gesetz nicht ins Personenstandsregister eingetragen werden dürften. Seit 2013 gibt es eine entsprechende Neuregelung, so dass Eltern ihre totgeborenen Kinder auch standesamtlich eintragen lassen können. Inzwischen bieten auch viele Friedhöfe einen Platz. In der Stadt Celle werden Sternenkinder zum Beispiel auf dem Stadtfriedhof beigesetzt. Je nachdem, wie viele Sternenkinder beigesetzt werden müssen, finden zu zwei bis drei Terminen im Jahr dort auch Trauerfeiern statt.

LESER-FEEDBACK »
von ( Leser(in)), am 14.02.2016 00:32:02

"Die Kenntnis von Interna des FH entlarvt die obige Leserin als Mitglied des Wiegel-Clans.Bisher ist kein öffentlicher Beweis erbracht,dass die Behauptungen in Bezug auf die Vetternwirtschaft keine Fakten wären.Dafür wird weiter Rufschädigung an der verdienten und anerkannten ehemaligen Leiterin betrieben.Der Filz lebt weiter, sind doch die Vorstände des Vereins und der Stiftung FH mit fast den selben Personen bestückt, inklusive der nun unbefristet tätigen Bürokraft und Parteifreundin Hufschmidt- Bergmann."

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