Wölfe bedrohen Weidetierhaltung in Celle

Dieser Damhirsch wurde vor einigen Tagen in einem Gatter bei Hetendorf zusammen mit sechs weiteren Stücken von Wölfen getötet. Insgesamt hat der Landwirt jetzt bereits 14 Stücke verloren.  Foto: Fremdfotos/eingesandt

Die Wölfe in der Region sorgen immer mehr dafür, dass Halter ihre Tiere in den Ställen unterbringen oder gleich ganz aufgeben. Die Landesregierung will eigentlich das Gegenteil erreichen.

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CELLE. Eine „Charta Weideland“ hat der Niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meier vor einigen Monaten mit großen Tam-Tam vorgestellt. Er will wieder mehr Vieh auf die grüne Wiese bekommen.

Doch Meyer muss sich wohl zunächst mal mit seinem Partei- und Ministerkollegen Stefan Wenzel im Umweltministerium unterhalten. Denn derzeit sieht es eher danach aus, als wird es zumindest in der Heideregion demnächst deutlich weniger bis gar keine Weidehaltung mehr geben. Grund dafür sind die zahlreichen Übergriffe von Wölfen, die inzwischen nach mehreren Zeugenaussagen und auch bestätigten DNA-Proben immer mehr auf Kuhherden zielen.

„Es gibt schon erhebliche Sorgen zum Thema Weidetierhaltung“, sagt Celles Kreislandwirt Jürgen Mente. Gerade berichtet die Zeitschrift Land und Forst über einen Landwirt aus Wietzendorf, der berichtet, dass die Wölfe seinem Hof an zwei von drei Tagen einen Besuch abstatten. „Nachts hören wir immer wieder, dass die Kühe in Todesangst schreien, dann fahren wir sofort zu unserer Herde“, erzählt die Tochter des Bauern. Auf dem Hof sind bisher drei Mutterkühe angefallen und getötet worden. Die Behörden wollen nur zwei als Wolfsattacken anerkennen, weil es dabei eindeutige DNA-Spuren gibt. Der Bauer wird sich jetzt voraussichtlich von seiner Herde trennen.

Auch im Landkreis Celle sind die Wölfe weiter unterwegs. In Hetendorf wurde gerade wieder ein Damwildgatter heimgesucht. Dort wurden insgesamt sieben Stück getötet.
Doch es geht nicht alleine darum, dass die Tiere bei Angriffen verletzt oder getötet werden. Sie bekommen auch Angst und sind extrem verstört. „Die Tiere eines Landwirts im Ostenholzer Moor waren eines Morgens verschwunden. Er hat sie dann in Walle wiedergefunden“, sagt Mente. Er kennt noch weitere Beispiele.

Letztlich führt das dazu, dass der Außenbereich aufgegeben wird. „Die Halter resignieren und geben auf oder bringen ihre Tiere in den Stall.
Für die Idee aus Hannover, doch um alle Weiden höhere Zäune zu bauen, hat Mente nur noch Ironie übrig: „Ja, wenn der Minister überall mit anpackt, dann kann das ja was werden.“ Und ernst fügt er hinzu, dass sich die Kosten nicht im Ansatz rechnen würden.

Deutliche Worte wählte auch Mentes Kollege, der Rotenburger Landvolkvorsitzende Jörn Ehlers im Agrarausschuss des niedersächsischen Landtages in Hannover. „Politiker, die unter dem Motto ‚Willkommen Wolf‘ den Beutegreifer hierzulande wieder heimisch machen wollen, sollten die zunehmenden Ängste und Sorgen der betroffenen Menschen nicht übersehen“, sagt der Landwirt.

Er kritisierte die in vielen Punkten unbefriedigende Entschädigungspraxis durch das Land und lehnte ebenso wie Mente die Vorgabe des Landes, für „absoluten“ Schutz im Außenbereich zu sorgen, ab. „Das wäre dann das Gegenmodell zum Wolfsgehege und verträgt sich nicht mit dem Wunsch nach Freilandhaltung und Weidegang“, so Ehlers. Akzeptanz für die Rückkehr der Wölfe könne allenfalls durch geförderte und akzeptierte Schutzmaßnahmen begleitet werden.

Er geht nicht von einem von den Behörden erhofften Gewöhnungseffekt der Menschen an den Wolf in den betroffenen Landstrichen aus. Vielmehr verliere offenbar der Wolf zunehmend die Scheu vor den Menschen, er müsse gar als „Kulturfolger“ eingestuft werden. „Das Gefährdungspotenzial und die Sorgen der Betroffenen müssen ernst genommen werden“, forderte Ehlers.

Tore Harmening Autor: Tore Harmening, am 16.02.2016 um 18:01 Uhr
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Meinung

Schlechtes Management

„Lasst doch endlich mal den Wolf in Ruhe“, heißt es oft auf der CZ-Facebookseite, wenn Wolfsartikel erscheinen. Da kann man nur antworten: Würden wir ja gerne, aber er lässt uns leider keine Ruhe. Das Wolfsmanagement des grünen Umweltministers erinnert ein wenig an die Einführung von Biogasanlagen. Damals propagierten vor allen die Grünen vehement die Idee der Energie aus nachwachsenden Rohstoffen. Am Ende mussten sie einsehen, dass die negativen Begleiteffekte wie Monokulturen vielleicht doch keine so tolle Idee waren. Es gibt derzeit eine starke Lobby für die Rückkehr des Wolfes, aber die Warnzeichen, die jetzt schon zuhauf vorhanden sind, werden einfach nicht beachtet. Aus Hannover lässt sich das Problem ganz in Ruhe betrachten, schließlich tauchen die Wölfe dort nicht vor der Haustür auf. Die Menschen in der ländlichen Region aber haben verständliche Sorgen. Wer versucht, das Problem zu kontrollieren, indem er Zeugen von heiklen Begegnungen als Spinner abtut, der hat nicht das Wohl und die Sicherheit von Menschen im Blick. Tore Harmening

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