Deutlich mehr Wolfsrisse im vergangenen Jahr in Niedersachsen

Die Zahl der Wolfsrisse, hier das Bild eines Kamerun-Schafes, dass bei Hornbostel getötet wurde, ist in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen. Foto: Anne Friesenborg

Die Zahl der Nutztierrisse durch Wölfe hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt. Der Celler Kreisjägermeister fordert angesichts der derzeitigen Entwicklung eine Grundsatzdebatte über die Ausbreitung.

CELLE. Im Fall des Wardböhmer Wolfes hat die Landesregierung jetzt angekündigt, zu handeln. Auch die Wölfin in Goldenstedt, die offenbar für eine ganze Reihe von Tötungen von Nutztieren verantwortlich ist, soll jetzt zumindest einen Sender bekommen.
Doch für den Celler Kreisjägermeister Hans Knoop ist das eher ein Herumdoktern an Symptomen. „Ich denke, es muss einmal eine Grundsatzdiskussion über die Frage geben, wie es mit dem Wolf weitergeht und welche Auswirkungen die immer größere Präsenz in der Region und darüber hinaus hat.“

Denn der Wolf hat die leichte Beute Nutztier für sich mehr als entdeckt. Die Zahl der Risse von Nutztieren ist nach der Tabelle der Landesjägerschaft dramatisch ansteigend. Wurden 2012 noch 34 tote Nutztiere in Niedersachsen verzeichnet, bei denen der Wolf als Verursacher identifiziert wurde oder der Angreifer unklar blieb, waren es 2014 schon knapp unter 100. Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl noch mal verdoppelt und wird mit etwas über 200 angegeben.

Aus Knoops Sicht verträgt Celle und Umgebung drei oder maximal vier Wolfsrudel. Derzeit sieht es aber nicht danach aus, als ob es irgendwann eine Begrenzung der Population geben soll. Der Wolf ist weiter streng geschützt, hat ein optimales Nahrungsangebot und ein für ihn moderates Klima. Die Folge ist eine weitere und derzeit auch von der Politik gewünschte Vermehrung.

Aus Sicht von Knoop wird die Ausbreitung große wirtschaftliche Schäden verursachen, die sich durch die steigende Zahl der Nutztierrisse schon abzeichnen. Zum einen wird die „Weidehaltung verschwinden und Grünland nur noch dazu genutzt, Futter für Stalltiere oder für Biogasanlagen zu produzieren“, prognostiziert Knoop. Denn die Umzäunungen sind aufwendig und teuer. Kommt es zu Rissen, ist das Nachweisverfahren für Entschädigungen aufwendig, DNA-Probe inklusive. Es rechnet sich einfach nicht, auch nicht mit Förderung.

Für Knoop folgt daraus auch ein Problem mit der Pflege der Natur. So zum Beispiel bei den Deichen. „Man kann diese Areale nicht alle mit wolfssicheren Zäunen schützen, braucht dort aber die Schafe, um die Flächen zu pflegen“, so der Kreisjägermeister.

Im Landkreis Celle könnte der Tourismus einen Dämpfer bekommen beziehungsweise der Landkreis deutlich höhere Ausgaben haben. Denn die Schnuckenherden pflegen die Heidelandschaften, indem sie die Baumschösslinge vertilgen. Sollten die Schäfer diese Arbeit nicht mehr machen, müssten die Heideflächen anders gepflegt werden. „Die ganze Region lebt im touristischen Bereich zu einem guten Teil von der Heide.“

Bisher vermisst Knoop, dass sich die verantwortlichen Politiker in Hannover über diese andere Seite keine Gedanken machen. „Ich war gerade wieder bei einem Fall, bei dem Schafe von Wölfen angegriffen wurden. Wenn man das mitgemacht hat und sieht, wie Kinder da stehen und weinen, weil Lämmer weggeschleppt oder Tiere verletzt wurden, bekommt man eine etwas andere Sicht auf die Dinge“, sagt Knoop. Er würde Umweltminister Stefan Wenzel deshalb gerne einmal einladen, einen solchen Termin vor Ort mitzumachen.

Tore Harmening Autor: Tore Harmening, am 22.02.2016 um 17:48 Uhr
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Celler Jäger wollen den wolf nicht

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