Celler verhilft Ugandern zum richtigen Durchblick

Andreas Fiemel will nicht nur angehenden Optikern in Uganda eine Zukunftsperspektive bieten, sondern auch den Menschen vor Ort, die dringend Brillen benötigen. Foto: Fremdfotos/eingesandt

Gutes Sehen darf kein Luxus sein. Davon ist der Celler Augenoptikermeister Andreas Fiemel überzeugt. Dabei denkt er nicht nur an Kunden vor Ort, sondern auch an Menschen in Afrika. In Uganda hat Fiemel bereits 2014 rund 500 fehlsichtigen Menschen speziell für sie gefertigte Brillen geschenkt. Jetzt war er erneut in Afrika. Sein „Vision Aid Project“ ist dort ein echter Lichtblick.

CELLE. Fiemel begleitet seither die Hilfseinsätze für die ugandische Organisation "Celebrate Hope Ministries". Sie wurde als unabhängige, überparteiliche und überkonfessionelle Hilfsorganisation 2010 gegründet und hat es sich zum Ziel gesetzt, nachhaltig, durch Schulbildung und Kaffeeanbau, das Leben der Menschen im Rakaii-Distrikt an der Grenze zu Ruanda zu verändern. „Den Menschen wird dadurch ein selbstbestimmtes und selbstständiges Leben ermöglicht“, erläutert Fiemel.

Sehvermögen, im Englischen „vision“, durch neue, individuell angepasste Brillen zurückzugeben ist das Ziel des Vision Aid Projects. Aus diesem Ziel ist eine neue Vision entstanden. „Jetzt sollen vor Ort Optiker ausgebildet werden. Dies bietet nicht nur den angehenden Optikern eine Zukunftsperspektive, sondern auch den Menschen vor Ort, die dringend Brillen benötigen. Denn bislang gibt es im weiten District Rakaii keinen Optiker“, so Fiemel. Gutes Sehen ist wichtiger Teil der Lebensqualität und in den Weiten Afrikas auch überlebensnotwendig.

Fehlsichtigkeiten kommen in der ugandischen Bevölkerung vergleichbar oft wie in Deutschland vor. Die Versorgungslage entspricht jedoch bei weitem nicht der unseren. „Es gibt zwar wenige Optiker in der Hauptstadt Kampala, deren Angebote preislich mit deutschen Verhältnissen vergleichbar sind. In vereinzelten Medical Centers erhält die Bevölkerung auf dem Lande mitunter hilfsweise Brillen, in der Regel ausgemusterte alte Brillen aus Spenden, die fast nie den eigentlichen Sehschärfen entsprechen. Das ist problematisch, sagt Fiemel. Von den 1230 Menschen, bei denen Fiemel 2015 eine Augenprüfung vornahm, brauchten 604 eine Brille.

Ein paar wenige hatten schon eine Brille. Einer von ihnen war Kasuumba Sharif. „Er ist Schüler der Insula Highschool und benötigt eine Brille mit -12 Dioptrien. Seine Brille mit gerade mal -8 Dioptrien war nicht annähernd ausreichend, um in der Schule sehen zu können“, sagt Fiemel. Seine Familie hatte für die Brille in einem Medical Center umgerechnet 25 Euro gezahlt. Das entspreche etwa zwei Monatseinkommen einer ugandischen Familie: „Erst durch den Einsatz des Vision Aid Projects hat Kasuumba Sharif nun eine Brille erhalten die seinen Werten entspricht und so sein Leben verändert hat.“ Gerade für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die noch zur Schule gehen oder in Ausbildung sind, sei eine Korrektur der Fehlsichtigkeiten lebensentscheidend.

Um diesem Mangel nachhaltig zu begegnen, wird durch das Vision Aid Project eine Optikerschule in Ssanje im Rakaii-Distrikt aufgebaut. Fiemel: „Unser Ziel ist es, innerhalb von zwei Jahren dort geeignete Kandidaten durch deutsche Augenoptikermeister und Fachpersonal auszubilden. Der Unterricht wird in vier bis sechs Blöcken von zwei Wochen stattfinden.“ In den Zwischenzeiten würden die Kandidaten von Mitarbeitern der ugandischen Hilfsorganisation betreut und ihre Lernfortschritte durch Wissensprüfungen per Email aus Deutschland abgefragt: „Am Ende der zwei Jahre werden die Auszubildenden fähig sein, einfache Augenprüfungen durchzuführen, Brillen mit passenden Gläsern zu fertigen und diese den Menschen vor Ort individuell anzupassen.“

Fiemel ist gerade wieder aus Uganda zurück: „Ich habe dort erstmals 13 junge Menschen aus Uganda in der neu gegründeten privaten Augenoptikerschule unterrichtet. Diese jungen Damen und Herren im Alter von 19 bis 34 Jahren haben sich im Bewerbungsverfahren per Test bereits im November letzten Jahres qualifiziert.“ Er habe ihnen Grundlagenwissen zum menschlichen Auge und dessen physikalischen Gegebenheiten nähergebracht. In den weiteren Blöcken lernen die Schüler, auf einfache Art und Weise Augen zu prüfen, Brillen anzufertigen und diese fachgerecht anzupassen.

Sein Ziel hat Fiemel klar vor Augen: „Die ausgebildeten Augenoptiker mit ihren einzelnen, eigenständigen Filialen und ihren mobilen Messeinrichtungen bilden ein flächendeckendes Netz. Eine noch einzurichtende Zentralwerkstatt sichert die Fertigung der benötigten Brillen. Und ein Moped-Botendienst liefert die gefertigten Brillen dann aus. So werden auch die Menschen erreicht, die weit außerhalb und entlegen wohnen.“ Innerhalb der nächsten zwei bis vier Jahren werde so gewährleistet sein, dass bis zu 70.000 Menschen innerhalb von 14 Tagen mit bezahlbaren Brillen versorgt werden können. „Und zusätzlich werden die ausgebildeten Augenoptiker in die Lage versetzt, sich und ihre Familien zu ernähren.“

Patenbetriebe und Mentoren für Projekt gesucht

Fiemel sucht noch Mitstreiter: „Wir benötigen noch weitere Patenbetriebe und Mentoren, die mit ihrem Beitrag das Leben einer konkreten Familie und einer ganzen Region in Uganda verändern wollen. Es sind erst fünf Betriebe im Boot.“ Die Finanzierung dieses Projektes läuft ausschließlich aus Mitteln, die privat über Patenschaften generiert würden: „So suchen wir Betriebe, die einen Schüler in Uganda unterstützen. Hier handelt es sich um eine reine finanzielle Unterstützung, für die die Betriebe eine Spendenquittung erhalten. Selbstverständlich trage ich die Kosten für meine eigene Ausbildungstätigkeit einschließlich sämtlicher Reisekosten selbst.“ Fiemel ist unter Telefon (05141) 207020 und per E-Mail an patenschaft@visionaidprojekt.com zu erreichen.

Michael Ende Autor: Michael Ende, am 08.04.2016 um 17:05 Uhr
Druckansicht

Info-Box

Patenbetriebe und Mentoren für Projekt gesucht

Fiemel sucht noch Mitstreiter: „Wir benötigen noch weitere Patenbetriebe und Mentoren, die mit ihrem Beitrag das Leben einer konkreten Familie und einer ganzen Region in Uganda verändern wollen. Es sind erst fünf Betriebe im Boot.“ Die Finanzierung dieses Projektes läuft ausschließlich aus Mitteln, die privat über Patenschaften generiert würden: „So suchen wir Betriebe, die einen Schüler in Uganda unterstützen. Hier handelt es sich um eine reine finanzielle Unterstützung, für die die Betriebe eine Spendenquittung erhalten. Selbstverständlich trage ich die Kosten für meine eigene Ausbildungstätigkeit einschließlich sämtlicher Reisekosten selbst.“ Fiemel ist unter Telefon (05141) 207020 und per E-Mail anzu erreichen.

LESER-FEEDBACK »
Keine Kommentare vorhanden
WEITERE THEMEN »

Alter Hof Groß Ottenhaus bei Celle wird Raub der Flammen (mit Kurzvideo)

Der uralte Hof Groß Ottenhaus hat Katastrophen wie den Dreißigjährigen Krieg überstanden, durch Jahrhunderte Wind und Wetter getrotzt, Generationen von Menschen eine Heimat gegeben, zuletzt abseits befahrener Wege im Dornröschenschlaf geschlummert – im Morgengrauen wurde er am Mittwoch zum Großteil… ...mehr

Meerforellenjäger made in Celle

Auf der schwedischen Ostsee-Insel Öland gibt es jede Menge zu entdecken. Sie ist ein Traumziel für Badetouristen, Naturliebhaber, Gourmets und Angler. Und manchmal wartet Öland mit Entdeckungen auf, die verbüffen. Zum Beispiel mit schwedischen Cellern, die nicht wissen, dass sie Celler Wurzeln haben… ...mehr

Buchmesse: Innovatives und Politisches zum Auftakt

Frankfurt/Main (dpa) - Digitale Branchen-Neuheiten sowie politische Reizthemen: Das war der erste Tag der Frankfurter Buchmesse. Die weltgrößte Bücherschau hat am Mittwoch unter strengen Sicherheitsvorkehrungen begonnen. ...mehr

Zehn Jahre nach Hambüchen: Schäfer nach Triumph überwältigt

Montreal (dpa) - In der Hotellobby wurde erst einmal mit Orangensaft angestoßen, aber auch Stunden später in der Diskothek im Alten Hafen von Montreal hatte Pauline Schäfer ihren Sensationserfolg am Schwebebalken noch nicht verarbeitet. ...mehr

Schäfer holt überraschend WM-Gold - Tabea Alt gewinnt Bronze

Montreal (dpa) - Pauline Schäfer hatte schon kurz nach ihrem grandiosen Auftritt Tränen in den Augen. ...mehr

Eli Seitz nach Platz fünf am Stufenbarren glücklich

Montreal (dpa) - Am Ende eines «verrückten Jahres» verriet Elisabeth Seitz nach dem besten WM-Ergebnis ihrer Karriere erstmals ihr heimliches Ziel. ...mehr

Celler bei Hamburger Ruderregatta erfolgreich

Ein erfolgreiches Wochenende liegt hinter den Ruderern des Celler Rudervereins, des Vereins Hermann Billung Celle und des Ruderclubs Ernestinum-Hölty. Bei der 540. Hamburger Ruderregatta mit Jungen- und Mädchenregatta und den Norddeutschen Meisterschaften fuhren die drei Celler Vereine auf der 1000-Meter-Strecke… ...mehr

Tabea Alt und Elisabeth Seitz tragen WM-Hoffnungen

Montreal (dpa) - Bei Olympia erkämpften sie mit Rang sechs die beste Team-Platzierung deutscher Turnerinnen seit 28 Jahren, nun will das Quartett in Montreal auch bei der WM seine Fortschritte unter Beweis stellen. ...mehr

Anzeige
E-PAPER »
18.10.2017

Cellesche Zeitung

Die vollständige Ausgabe der CZ in digitaler Form mit Blätterfunktion.

» Anmelden und E-Paper lesen

» Jetzt neu registrieren

THEMENWELT »
AKTUELLES »

Sachsens Regierungschef Tillich wirft nach Wahlschlappe hin

Dresden (dpa) - Sachsens Ministerpräsident und CDU-Chef Stanislaw Tillich schmeißt hin: Dreieinhalb…   ...mehr

Kapitulation nach Bürki-Patzer: BVB schreibt K.o.-Runde ab

Nikosia (dpa) - Die Körpersprache von Roman Bürki verriet mehr als tausend Worte. Mit gesenktem Kopf…   ...mehr

Erste Schritte auf dem Weg nach Jamaika mit «gutem Gefühl»

Berlin (dpa) - Union und FDP gehen nach einem ersten Treffen optimistisch in die weiteren Gespräche…   ...mehr

Jérôme Boateng muss 300 000 Euro an Makler zahlen

München (dpa) - Der Fußball-Weltmeister Jérôme Boateng muss einer Immobilienfirma 300 000 Euro…   ...mehr

Xi Jinping träumt von China als Weltmacht

Peking (dpa) - Mit dem Aufbau eines starken Chinas will Staats- und Parteichef Xi Jinping den «chinesischen…   ...mehr

Trumps Einreisestopp wieder blockiert

Washington (dpa) - Zum dritten Mal hat ein US-Gericht die Pläne von Präsident Donald Trump durchkreuzt,…   ...mehr

Christie's versteigert Objekte aus Joop-Sammlung

London (dpa) - Eine Versteigerung von Designobjekten und Kunstwerken aus der Sammlung des Modemachers…   ...mehr

Ankara verlangt von Ukraine Auslieferung eines Deutschtürken

Berlin (dpa) - Ein weiterer Deutschtürke ist auf Veranlassung der Türkei im Ausland festgenommen worden.…   ...mehr

Referee-Streit Fall für die Ethik-Kommission

Frankfurt/Main (dpa) - Nach dem Krisengespräch über den Streit zwischen Manuel Gräfe und der Schiedsrichter-Chefetage…   ...mehr

Von der Leyen verteidigt Waffenhilfe für Kurden im Nordirak

Berlin/Bagdad (dpa) - Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die umfassende militärische…   ...mehr
SPOT(T) »

Rekordjagd

Manch einer schafft es mit den längsten Wimpern der Welt, ein anderer mit… ...mehr

Retro-Look

Jetzt müssen wir mal Klartext reden, meine Herren. Ich bin mir sicher, Sie… ...mehr

Pumpenwürger

Um die Ausscheidungsorgane nach dem Stuhlgang zu reinigen, gibt es Toilettenpapier.… ...mehr

VIDEOS »
FINDE UNS BEI FACEBOOK »
Datenschutz Kontakt AGB Impressum © Cellesche Zeitung Schweiger & Pick Verlag Pfingsten GmbH & Co. KG