Wolf verfolgt Spaziergänger bei Alvern (mit Video)

Foto: Fremdfotos/eingesandt

Die Suche nach dem Wolfsrüden mit Sender hat begonnen. Die CZ hat unterdessen ein Video erhalten, das den Wolf zeigt, wie er Spaziergängern bei Alvern folgt und sich auch nicht abschütteln lässt. Der Celler CDU-Landtagsabgeordnete Ernts-Ingolf Angermann hat sich dafür ausgesprochen, den Wolf abzuschießen. Er sieht eine Unterbringung ins Wolfsgehege bei Springe skeptisch.

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CELLE. Die Suche nach dem Wolfsrüden hat begonnen. Das Umweltministerium bestätigte, dass Mitarbeiter unterwegs sind, um "MT6" zu finden. Mit einem Peilsender können sie das Tier, das ein Halsband trägt, aus einer Entfernung von rund einem Kilometer orten. Nach CZ-Informationen sind derzeit zwei Mitarbeiter des Landes mit der Suche beschäftigt. Unterdessen wurde bekannt, dass es am Montag weitere Vorfälle gegeben hat. So trafen zwei Spaziergänger mit ihren beiden Hunden bei Alvern im sogenannten Märchenwald auf das Tier. Hierzu gibt es jetzt ein Video auf der CZ-Homepage.

Einige Zeit später machte eine Hundebesitzerin aus Lachendorf in der Nähe des Gymnasiums Bekanntschaft mit "MT6". Hier soll der Wolf schon wieder etwas aggressiver gewesen sein.

Kreisjägermeister Hans Knoop hat im Laufe des Montags mehrere Meldungen über Sichtungen auch mit Nahkontakt aus dem Raum Lachendorf, Ahnsbeck, Nordburg bekommen. „Da hätte es eine gute Gelegenheit gegeben, den Wolf zu fangen, aber da mussten zunächst die Gremien bemüht werden“, sagt Knoop. Er plädiert deshalb dafür, dass künftig schon früher Absprachen getroffen werden, um schnell eingreifen zu können.

Aus dem Umweltministerium gab es bis zum Dienstagnachmittag noch keine neuen Erkenntnisse. Dort war am Vortag die Entscheidung gefallen, dass der Wolf eingefangen werden soll, um ihn in ein Gehege bei Springe zu bringen. "MT6" war in den vergangenen Monaten mehrfach durch Nahkontakte und Übergriffe aufgefallen. Im Januar hatte er einen Hund bei Wardböhmen verletzt. Damals hatte das Ministerium noch unterschwellig erklärt, dass es die Aussagen der Frau für aufgebauscht hält. Tage später tauchte jedoch eine interne E-Mail auf, in der im Ministerium festgestellt wurde, dass der Wolf offenbar eine Gefährdung für Menschen darstellt.

Eine danach angeordnete Vergrämung brachte nicht den gewünschten Erfolg, weil der Wolf sich nach Darstellung des dafür aus Schweden eingeflogenen Experten plötzlich scheu zeigte. Doch diese Phase scheint jetzt vorüber zu sein: In Groß Hehlen attackierte der Wolf am Sonntag eine Familie und verletzte deren Hund. Der Familienvater musste das Tier mit einem Stock abwehren.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Ernst-Ingolf Angermann ermahnt die Landesregierung, im Fall des Problemwolfs mit der Kennung "MT6" kein weiteres Risiko einzugehen und das Tier töten zu lassen. „Angesichts der bisherigen Erfahrungen mit diesem Wolf ist es höchst unwahrscheinlich, dass man ohne weiteres nah genug an ihn herankommt, um ihn betäuben zu können“, sagt Angermann. Auch dem von der Landesregierung extra eingeflogenen schwedischen Wolfsexperten sei das schließlich nicht gelungen. Angermann: „Das Verhalten des Tiers hat sich bislang als unkalkulierbar erwiesen. Die Sicherheit der Bevölkerung muss an erster Stelle stehen." Kritisch sieht Angermann auch die geplante Unterbringung des Wolfs in einem Gehege – zumal noch immer nicht geklärt sei, wo "MT6" dauerhaft bleiben könne.

Meinung: Ungenügend

Wie die Bewertung dieses Falles ausgeht, hängt stark davon ab, ob es bei den Begegnungen, die in den nächsten Stunden oder Tagen mit dem Wolf stattfinden, noch zu einer Verletzung eines Menschen kommt. Ist das der Fall, wird es ziemlich eng für Umweltminister Stefan Wenzel. Aber auch schon jetzt ist das Agieren der Behörde in Bezug auf den Problemwolf über die vergangenen Monate nicht gerade glücklich. Da wurde teilweise verharmlost und Betroffene wurden quasi als Lügner hingestellt. Mit dem Einfliegen eines Experten aus Schweden wurde demonstriert, dass man selbst nicht über das Wissen verfügt, ein vernünftiges Wolfsmanagement zu betreiben. Von Sendern, an Tieren, die nicht funktionieren, ganz zu schweigen.

Es ist viel Vertrauen der Menschen vor Ort verloren gegangen. Vertrauen darin, dass die Behörde das Zusammenleben von Wolf und Mensch unter Kontrolle hat. Für die Zukunft kann nur gelten: schneller und entschiedener eingreifen und auch entnehmen und vergrämen, wo nötig. Das gilt übrigens auch für Wölfe, die fast nur noch Weidetiere auf dem Speisezettel haben.

Tore Harmening Autor: Tore Harmening, am 27.04.2016 um 11:30 Uhr
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