Wolfsopfer werden drangsaliert

Es war die schiere Not, die einen Familienvater aus Groß Hehlen Ende April zwang, sich gegen den Wolf „MT6“, den viele verniedlichend „Kurti“ nennen, zu wehren. Das Tier hatte seinen angeleinten Hund angegriffen und verletzt. Mit einem Stock hielt er ihn in Schach, während seinen Frau und Tochter mit dem Hund flüchteten. Der Vorfall wurde von einem Zeugen beobachtet, der die Familie warnen wollte, weil er kurz zuvor ebenfalls eine Begegnung mit dem Wolf hatte. Der Zeuge war früher Richter am Oberlandesgericht, also nicht irgendwer. Der Familienvater gab seinen Bericht an die Wolfsberater weiter und erzählte auch der Celleschen Zeitung von seinem Erlebnis. Doch was dann kommt, kann er sich nicht vorstellen.

CELLE. In den sozialen Netzwerken wird er für den Tod des Wolfes verantwortlich gemacht und kurz darauf bekommt er Post von einem gewissen Christian Berge. Der selbst ernannte „Anwalt der Wölfe“ will den Familienvater unter Druck setzen, unterstellt ihm offen, dass der Hund nicht angeleint war, und droht ihm mit einem Gerichtsverfahren, wo er als Zeuge enormem Druck ausgesetzt sei und ihm womöglich eine Gefängnisstrafe drohe. Auf seiner Facebook-Seite ruft Berge auch dazu auf, der Familie „mal die Meinung zu sagen“. „Die Anschrift findet ihr bei Google, die Telefonnummer gibt es bei mir“, schreibt Berge.

„Es ist schon heftig, was wir danach erlebt haben“, sagt der Familienvater. Seine Frau trage inzwischen kein Namensschild mehr bei der Arbeit.

Das, um es freundlich zu formulieren, nicht ganz astreine Verhalten des Herrn Berge bekommt jetzt eine politische Dimension auf Landesebene. Denn eben diesen „Anwalt der Wölfe“ hat Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) im Sommer 2015 besucht.

Der CDU-Abgeordnete Lutz Winkelmann aus dem Heidekreis fordert Wenzel nach den Veröffentlichungen auf Facebook in einem Brief auf, sich von Berge zu distanzieren und die Familie aus Groß Hehlen in Schutz zu nehmen. Winkelmann zitiert auch weitere Einträge auf Berges Facebookseite, die so nicht mehr zu finden sind, von denen er aber Bildschirmaufnahmen gemacht hat. In Bezug auf den Schützen, der den Wolf erlegt hat, schrieb Berge laut dem Brief unter anderem. „Wenn die Sesselbürokraten glauben, den Todesschützen schützen zu können, haben sie sich gewaltig geirrt“. Er erinnerte an einen Fall von 2003, als ein Jäger eine Wölfin nahe Hildesheim erschoss. „Der musste sogar in die Psychiatrie.“

Winkelmann fordert vom Minister, dass das Verhalten von Berge strafrechtlich überprüft wird. Das gelte auch für anderer Wolfsaktivisten, die zu Repressalien gegenüber der Familie aus Groß Hehlen und dem ‚Todesschützen‘ auffordern, schreibt Winkelmann. Ihn ärgert auch, dass er seit dem 1. Mai keine Antwort des Ministeriums bekommen hat. Die steht auch, Stand gestern, weiter aus. Das Ministerium teilte mit, man arbeite an einer Antwort. Wann sie kommt, sei noch unklar.

Tore Harmening Autor: Tore Harmening, am 12.05.2016 um 18:34 Uhr
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Meinung

Realistisch mit dem Wolf leben

Der Wolf spaltet die Gesellschaft. Die einige sehen in ihm schon fast eine heilige Kuh, die anderen würden ihn gerne wieder dahin schicken, wo hergekommen ist. Beides ist wohl praxisfern und die derzeitige Diskussionskultur, die im Fall von „Kurti“ ihren bislang traurigen Höhepunkt gefunden hat, trägt nicht dazu bei, einen Konsens zu finden. Der könnte ungefähr da liegen: Der Wolf ist zurück, wir müssen damit leben – und zwar realistisch. Wer alle Wölfe abknallen will, der liegt nicht richtig, denn die Tiere haben das Recht, hier zu sein. Wer aber ungekehrt das Wohl der Tiere über das der Menschen stellt, der befindet sich ebenfalls mehr als auf dem Holzweg. Zu einem realistischen Umgang gehört auch die Entnahme von auffälligen Wölfen, und zwar ohne dass die Ausführenden hinterher Personenschutz bekommen müssen. Realismus, das heißt Schutz des Tieres, und den verschafft man ihm am besten, in dem es so scheu wie möglich hält. Ein bisschen mehr Eingriff bei auffälligen Tieren, sprich Vergrämen, zu einem deutlich früheren Zeitpunkt, wäre also sinnvoll. Dann würde „Kurti“ vielleicht auch noch leben. Tore Harmening

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