Jetzt rauscht der Schotter in den Schacht Habighorst

6700 Tonnen Schotter bilden den unteren Teil des "Pfropfens", der den Schacht verschließt.  Foto: Joachim Gries

Gerade hat wieder ein Sattelzug seine Ladung Schotter abgekippt. Und schon nimmt sich der Radlader eine große Schaufel davon, fährt die Schräge hoch und kippt das Gestein in den stählernen Trichter. Unten rutschen die Steine gleichmäßig auf ein Band, werden nach oben in einen kleineren Trichter gefördert – und fallen dann ein paar hundert Meter in die Tiefe. Damit es besser „flutscht“, wird Salzlauge vom Schacht Niedersachsen in Wathlingen beigemischt. Seit der vergangenen Woche wird der alte Schacht auf der Habighorster Höhe verfüllt.

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HABIGHORSTER HÖHE. Während ein paar Kilometer weiter noch bis Ende des Jahres Aschauwasser durch den Schacht Mariaglück ins Grubengebäude fließt, wird hier schon am „Pfropfen“ gearbeitet, der das einstige Bergwerk sicher nach oben verschließen soll. 6700 Tonnen Schotter und anschließend 16.500 Tonnen Kies werden eingebracht. Ganz bis oben gefüllt werden soll der insgesamt 731 Meter tiefe Schacht erst 2017, wenn auch der sogar 912 Meter tiefe Schacht Mariaglück mit Schotter und Kies verstopft werden sollen. In der Zwischenzeit kann sich das Material setzen. Ganz oben soll dann eine Kappe aus Ton aufgesetzt werden.

5,4 Millionen Kubikmeter Hohlraum breiteten sich einst unter der Erde aus, wo bis 1977 überwiegend Steinsalz und ein bisschen Kali abgebaut worden waren. Rund 5,3 Millionen sind inzwischen geflutet, 132.000 Kubikmeter sind noch zu füllen. Mit Aschauwasser, die Genehmigung zur Entnahme aus dem Heidebach läuft Ende des Jahres aus, sowie mit 2500 Kubikmetern Salzlauge aus der Asse.

Ist dann wirklich alles sicher, denn die beiden Schächte geschlossen sind? Das blieb in der vergangenen Woche bei einem Ortstermin umstritten. Klaus Rumphorst, Leiter Inaktive Werte bei K+S, ist überzeugt: „Es kann da nichts passieren“ und schiebt hinterher: „Wenn was passiert, sind wir dran.“ Sein Unternehmen stelle den Anwohnern deshalb auch keinen Schein aus. „Nach Bergrecht sind wir dran“, konkretisiert sein Kollege Axel Hinterthür. Da gelte die Ewigkeitshaftung.

„Für mich ist immer noch nicht klar, dass das eingeleitete Wasser gesättigte Lauge ist“, sagt Hans-Jürgen Könecke. Früher wohnte er in Habighorst, da ist für das Thema Schacht sensibilisiert worden. Seither hat er mehrfach schriftlich bei dem Unternehmen nachgefragt. Und die Antworten haben ihn nicht zufriedengestellt. Er spricht von Schlämmen aus der Rauchgasreinigung, die da eingeleitet worden seien. Für Rumphorst sind das salzhaltige Lösungen.

Die, und das räumt der K+S-Mann ein, sich anders verhielten als man das erwartet hatte. Bei den hohen Temperaturen untertage gasten sie aus, die ganze Gegend stank, weil das Gas im Schacht aufstieg. Auch hatte das Gemisch eine Strahlung von 200 bis 250 Becquerel pro Liter, die Lauge aus der Asse, von der pro Monat 400 Kubikmeter eingeleitet werden, hat laut Rumphorst zwei bis drei Becquerel. „Das Asse-Wasser ist die sauberste Lösung, die es gibt“, ist er überzeugt. „Ich garantiere Ihnen, das Aschauwasser hat mehr.“

Und obwohl er genau die Prozeduren beschreibt, die eingehalten werden müssen, bevor ein Tankwagen seine Last in den Schacht leiten darf, ist Könecke sicher: Wenn da einer was einleiten will, kriegt er das hin.“ „Märchenstunde“, sagt Rumphorst dazu.

Fakt ist, dass über den Schächten im Deckel eine Kontrollöffnung bleibt, durch die das Bergamt später jährlich ein Blick wirft und schaut, ob sich da etwas getan hat. Außerdem nehme ein Markscheider von K+S regelmäßig die Messpunkte in der Region unter die Lupe. Sie geben Auskunft, ob es in der Landschaft Setzungen gibt. „Wenn sich da etwas tut, steht das Bergamt bei uns auf der Matte“, sagt Rumphorst.

Joachim Gries Autor: Joachim Gries, am 26.05.2016 um 16:59 Uhr
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