144: Celler erinnern sich an Bau des Hallenbades

„Eines der bedeutendsten Ereignisse des Jahres 1951 ist die Gründung des Vereins ,Celler Volksbad‘ am 6. November. Dr. Hörstmann hat die Initiative ergriffen, um den Bau eines Hallenbades zu ermöglichen“ – so steht es in der Chronik „75 Jahre Celler Schwimmclub“. Helmuth Hörstmann gilt als Initiator für den Bau des Hallenbades, das schließlich am 15. Dezember 1962 eröffnet wurde. In der Broschüre, die anlässlich des neuen Bades erschien, ist er unter anderem in der Sauna zu sehen. Viele Zeitzeugen haben „Ami“ Hörstmann auf dem Bild, das in der CZ vom vergangenen Samstag abgedruckt war, erkannt.

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CELLE. „Rechts sitzt Helmuth Hörstmann und halb links dahinter Helmut Nitschke“, sagt Jürgen Varrelmann (Jahrgang 1937). Da ist sich auch Hänschen Röling (Jahrgang 1940) sicher. „Helmuth Hörstmann ist der Mann fürs Hallenbad der ersten Stunde“, sagt der Zeitzeuge, „er hat die Celler Geschäftswelt angehalten, Geld für eine Tombola zugunsten des Hallenbades zu stiften. Im Schlosspark wurde ein Pavillon aufgebaut, dort wurden die Preise verteilt. Den Pavillon hat als ersten Preis ein Bäckermeister aus Wathlingen gewonnen.“

Die „Hallenbad-Lotterie“ habe zwar einen „namhaften Betrag (80.000 DM)“ gebracht und der TuS Celle habe gegen Schalke 04 gespielt und den Reingewinn (3000 DM) für den Verein „Celler Volksbad“ zur Verfügung gestellt, doch „das waren nur Tropfen auf den heißen Stein“, steht in der CSC-Chronik. „Aber Dr. Hörstmann lässt nicht locker, und als er 1956 in den Rat gewählt wird, nimmt er erst recht den Kampf für das Hallenbad wieder auf. Alle Parteien und Sportvereine haben dabei mitgeholfen. Am 22. Juni 1960 wird vom Rat der Antrag, das Hallenbad zu bauen, einstimmig angenommen. Am 22. Juli wurde dann mit dem ,ersten Spatenstich´ das große Werk begonnen.“

Roswitha Kröger (Jahrgang 1944) war beim ersten Spatenstich von Oberbürgermeister Wilhelm Heinichen im Sommer 1961 dabei. „Er hat aber keinen Spaten, sondern einen Bagger genommen“, erzählt das damalige CSC-Mitglied. Einige Monate später begann die Arbeit für Wilhelm Ohlms (Jahrgang 1921). Der gelernte Kaufmann war nach der Gefangenschaft zur Firma „Emil von Hartz“ gekommen und leitete dort die Fliesenabteilung. „Ich habe die Fliesenarbeiten beaufsichtigt“, berichtet der Zeitzeuge, „bei dem Wettkampfbecken musste die Länge genau eingehalten werden, der Toleranzbereich lag unter einem Zentimeter, daher haben wir einen Landvermesser bestellt, damit es keine Schwierigkeiten gibt.“ Der 95-Jährige hat die Hallenbad-Broschüre noch zu Hause. „Das Bild mit Helmuth Hörstmann in der Sauna ist auf Seite 21 abgedruckt“, sagt er, „der Eintritt für Erwachsene im Schwimmbad kostete damals 1 DM.“

Einen kleinen Teil zum neuen Hallenbad hat auch Ursula Bartels geborene Harlis (Jahrgang 1935) beigetragen. „Wir Schwimmer sind von Tür zu Tür gegangen und haben Geld gesammelt“, erzählt die Frau, die bis 1955 2. Schriftführerin des CSC war. Die Sportler hätten vor der Eröffnung des Celler Hallenbades in den Wintermonaten nach Hannover fahren müssen, um dort zu trainieren. „Einmal pro Monat sind wir dahin gefahren“, erzählt Frauke Engels geborene Dumon (Jahrgang 1942). Ansonsten habe Konditionstraining oder Geräteturnen in der Altstädter Schule auf dem Trainingsprogramm gestanden. „Am 1. Mai war dann Anschwimmen im Silbersee – egal, wie das Wetter war“, sagt die Westercellerin, die sich noch besonders an Trainer Horst Tabel erinnert, „er stand täglich am Beckenrand.“

Wolfgang Winter (Jahrgang 1948) schwamm zusammen mit den Zwillingen von Horst Tabel. „Vielleicht ist er der dritte Mann auf dem Bild, der den Rücken zudreht“, vermutet Winter. Dem widersprechen allerdings sowohl Ursula Bartels als auch Frauke Engels. Letztere hält es für möglich, dass Arthur Winter neben Nitschke und Hörstmann auf dem Bild zu sehen ist. Das schließt aber wiederum Wolfgang Winter aus. Wer als Dritter für das Foto in der Sauna schwitzte, bleibt damit unklar. Auch Hörstmanns Sohn Tilo, der auf Mallorca lebt, kann nur seinen Vater und Nitschke identifizieren. „Mein Vater hat viele Jahre für den Bau des Hallenbades gekämpft. Als es dann gebaut war, hat er sich nach der Einweihung zusammen mit den Trainer des CSC und einem anderen Mitstreiter ablichten lassen.“

Bei vielen Zeitzeugen schwingt großer Dank mit, wenn sie über Helmuth Hörstmann, der von 1973 bis 1986 Oberbürgermeister der Stadt Celle war, sprechen. „Ohne Hörstmann hätten wir das Hallenbad nicht bekommen“, sagt Wolfgang Winter. Renate Obes (Jahrgang 1938) sagt, dass es „Hörstmanns Werk“ war, dass Celle endlich ein Hallenbad bekam. „Helmuth Hörstmann war mit meiner Mutter auf der Hermann-Billung-Schule in einer Klasse“, sagt die heutige Hildesheimerin, „da er immer dem Sport dem Lernen den Vorzug gab, blieb er auch mal hängen.“ Als etwa 13-jährige Schülerin sei sie bei Dr. Hörstmann in der Praxis gewesen, weil sie sich den Arm gebrochen hatte. „Als meine Mutter 1984 an Krebs starb, schrieb mir Dr. Hörstmann einen sehr netten Kondolenzbrief. Das Original habe ich ans Stadtarchiv abgegeben“, erzählt Renate Obes.

Sie hat im Buch „Aufgewachsen in Celle“ nachgeschlagen, was dort über die Eröffnung des Hallenbades 1962 steht. „Derweil drängten sich die Herren, die angesichts der zu ihren seriösen Anzügen lustig aussehenden nackigen Füße einen Teil der aufgesetzten Strenge in den Umkleidekabinen gelassen hatten, um Stenoblöcke und Mikrofone und erzählten den Reportern alles über die drei Schwimmbecken mit den insgesamt 22.000 Kubikmetern Badewasser, über Duschräume und Wassertiefen, über moderne Schallschluckbeläge an Decken und Wänden und über Plätze für 500 Zuschauer, die künftig bei Schwimmveranstaltungen dabei sein konnten. Und über eine Sauna und die moderne Milchbar im Erdgeschoss, die aber leider noch nicht ganz fertig war, heißt es dort.

Helmuth „Ami“ Hörstmann, der von 1973 bis 1986 Oberbürgermeister der Stadt Celle war, haben auch Erhard Pausch (Jahrgang 1924), Bärbel Hahn (Jahrgang 1934) und Wolfgang Poddig (Jahrgang 1950) erkannt. Bei Rosemarie Engels (Jahrgang 1951) weckte das alte Foto Erinnerungen an ihre ersten Schwimmversuche. „Als das Hallenbad 1962 öffnete, meldete meine Mutter mich zum Schwimmkursus an, aber die Warteliste war ellenlang“, erzählt die Winserin, „so ging ich dann mit meiner Mutter regelmäßig ins Bad, und bald lernte ich so bei ihr schwimmen. Jeden Samstagnachmittag war ich dann mit meiner Schwester dort, und meistens mussten wir auf eine Umkleidekabine warten. Der Andrang war, heute fast unvorstellbar, gewaltig.“

Mit Beginn der 1970er Jahre habe dann ihre Saunazeit begonnen. „Nur eine finnische Sauna stand zur Verfügung“, sagt sie, „der Ruheraum war stockdunkel mit schwarzen, harten Liegen, jedoch erhielt jede Ruhesuchende ein großes Laken.“ Bis heute ist sie bis auf zwei „Kinderpausen“ der Sauna treu geblieben. „So haben sich in meiner Donnerstagsgruppe über Jahrzehnte Freundschaften entwickelt, die wir dem gemeinsamen Schwitzen im Celler Hallenbad verdanken.“

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 16.07.2016 um 08:26 Uhr
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