Bau von Sendemast in Nienhagen: Anwohner haben Angst vor Krebs

Die Anwohner aus dem Wohngebiet Fuhsekamp/Breite Horst kämpfen seit drei Jahren gegen die Mobilfunkanlage. Die Baugenehmigung wurde allerdings erteilt, das Fundament des 47 Meter großen Turms ist bereits gegossen. Foto: Christopher Menge

Britta Runkel lebt gerne in Nienhagen, doch derzeit beschäftigt sich die alleinerziehende Mutter damit, mit ihren beiden Kindern wegzuziehen. Der Grund: In unmittelbarer Nähe des Wohngebiets Breite Horst/Fuhsekamp wird ein Sendemast gebaut. „Meine Familie ist Leukämie vorbelastet“, sagt Runkel und verweist auf mehrere Studien, die ein erhöhtes Krebsrisiko in der Nähe von Mobilfunksendern nachgewiesen haben, „wenn der Mast kommt, müsste ich wegziehen. Das Risiko kann ich nicht eingehen.“ Gemeinsam mit den anderen Anwohnern, die sich in einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben, kämpft sie seit drei Jahren gegen den Bau. Sie befürchten neben dem Gesundheitsrisiko auch eine Wertminderung ihrer Immobilien.

NIENHAGEN. Doch ob sie den Bau verhindern können, ist äußerst fraglich. Die Gemeinde Nienhagen hat nach einem entsprechenden Ratsbeschluss im Dezember 2013 mit der Deutschen Funkturm GmbH einen Vertrag geschlossen. Der Bauantrag wurde vom Landkreis Celle genehmigt, die Fundamente stehen bereits. „Dabei ist der Mast inzwischen komplett überflüssig“, sagt die Sprecherin der Interessengemeinschaft Silvia Heger-Gärtner, „durch die vorhandenen Masten ist der Empfang deutlich besser geworden.“

Dem widerspricht allerdings Nienhagens Bürgermeister Jörg Makel: „Eine verbesserte Technik ist im Bereich des vorhandenen Turmes am Altenceller Weg vorhanden, aber ein Turm kann eine Fläche wie das Dorf Nienhagen nicht in der Gesamtheit mit moderner Technik bedienen“, sagt Makel, „die Telekom würde wohl kaum aufwendige Technik mit hohen Kosten installieren, wo sie nicht nötig ist. Die arbeiten gewinnorientiert und schmeißen kein Geld auf die Wiese von Nienhagen.“

Er räumt ein, dass jede Technik seine Risiken habe, aber „wenn wir Bürger mit Handy, Smartphone, iPad von jedem Standort mobil kommunizieren wollen und dies zum Beispiel auch für den geschäftlichen und gewerblichen Betrieb dringend benötigen, dann müssen wir auch die Technik akzeptieren, die eben genau dies ermöglicht.“ Die Telekom habe zudem dargelegt, dass die Strahlungswerte deutlich unter den gesetzlich vorgeschriebenen Werten liegen.“

Das lässt die Interessengemeinschaft aber nicht gelten. „Die deutschen Grenzwerte sind extrem hoch“, sagt Heger-Gärtner, „45 mal so hoch wie in Italien, 107 mal so hoch wie in der Schweiz und 4500 mal so hoch wie in Salzburg.“ Die Anwohner haben das Celler Umweltinstitut Hanspeter Kobbe hinzugezogen. „Die Mobilfunkstudie der Ärzte von Naila in Bayern zeigt, dass das Krebsrisiko der Menschen in einem 400-Meter-Radius zum Sender innerhalb der ersten fünf Jahre 2,35-fach erhöht war. Zwischen dem fünften und zehnten Jahr war es sogar 3,38-fach erhöht“, sagt Kobbe, „eine Studie aus Österreich hat zudem nachgewiesen, dass Mobilfunksender die Lebenserwartung der Bevölkerung reduzieren.“ Zuletzt habe eine US-Studie des National Toxicology Program (NTP) die krebsauslösenden Wirkungen von Mobilfunkstrahlung festgestellt.

„Wenn ein Kind an Leukämie erkrankt, verklage ich sämtliche Ratsmitglieder, die für den Sendemast gestimmt haben“, sagt Heger-Gärtner. Über einen Anwalt haben 16 Personen vorbeugende Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche bei der Gemeinde geltend gemacht. Zudem wurde Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingereicht.

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 07.09.2016 um 17:00 Uhr
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