145: Celler erinnern sich an Großhandlung Theodor Flebbe

„Wo die Südtangente die B3 küsst“ – so war der Serienteil 39 der CZ-Serie „Alte Fotos erzählen“ überschrieben. An diesem Verkehrsknotenpunkt liegt aber nicht nur die Oberschule Westercelle, sondern schräg gegenüber auch ein Gebäude, das Theodor Flebbe bauen ließ und in das am 25. Juli 1960 die Textil- und Sortiments-Großhandlung „Theodor Flebbe“ einzog. Wenige Jahre bevor die Tangente gebaut wurde.

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CELLE. „Als die Tangente gebaut wurde, hat mein Großvater ein Stück von seinem Grundstück abgegeben“, erzählt Eckard Nauditt (Jahrgang 1952), „dafür hat er die zweite Zufahrt zur Tangente bekommen.“ Diese besteht bis heute, das Gebäude, in dem zuletzt ein Teppich- und ein Computer-Geschäft untergebracht waren, steht dagegen seit einigen Jahren leer, nur im hinteren Teil existiert noch eine Spielhalle.

Flebbes Enkel, Eckard Nauditt, ist auf dem historischen Foto aus der CZ vom vergangenen Samstag sogar zu sehen. Er steht mit seiner Tante Wiltrud Flebbe, die die Firma 1968 übernahm, und seinem Vater Erwin Nauditt im Eingangsbereich. „Neben dem Gebäude ist hinten links mein Elternhaus zu sehen, in das wir 1961 eingezogen sind“, erzählt Eckard Nauditt. Seine Mutter Irmgard Nauditt (Jahrgang 1929) war im Sommer 1968 wenige Monate vor dem Tod von Theodor Flebbe aus der Firma ausgeschieden.

Sie erinnert sich vor allem an die Anfänge an der Rundenstraße – zunächst in Haus Nummer 3, ab 1950 dann in Nummer 11. „Mein Vater ist mit 40 Mark beispielsweise nach Solingen gefahren und hat dort Waren eingekauft“, erzählt die Cellerin, „meine Schwester und ich haben die Sachen dann in der Rundenstraße verkauft.“ Marktschreier hätten zum Beispiel zehn Kämme oder Rasierklingen gekauft und diese dann am Schlossplatz angeboten.

Da es in der Innenstadt zu klein geworden sei, habe Theodor Flebbe entschieden, an der Hannoverschen Heerstraße in Westercelle zu bauen. An den Umzug erinnert sich Jürgen Kordowski (Jahrgang 1945) noch, der am 1. April 1960 seine Lehre bei der Großhandlung begann. „Die Spedition William Klie hat den Umzug mit Tieflader und Pferden gemacht“, berichtet der Zeitzeuge, der bis 1966 bei der Firma blieb. „Ich habe damals in Eversen gewohnt, bin um 6.45 Uhr mit dem Zug nach Celle gefahren und dann zu Fuß nach Westercelle gelaufen“, erzählt Kordowski, „abends um halb acht war ich wieder zu Hause.“

Da es noch einen zweiten Auszubildenden gab, der Jürgen hieß, sei er kurzerhand in „Jörg“ umgetauft worden. „Der Kittel, den ich bekommen habe, war so groß, dass ich unten drauf getreten bin“, sagt der damals 14-Jährige lachend, „meine Mutter hat ihn dann abends umgenäht – dann hat er gepasst.“

Eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann absolvierte Rosemarie Schrader (Jahrgang 1945) von 1962 bis 1965 bei Flebbe. „Es war eine sehr schöne Zeit, in der ich in sämtlichen Abteilungen wie Verkauf, Warenannahme und Buchhaltung war“, sagt die Zeitzeugin. Wenn sie die Rechnungen zur Zufriedenheit des Chefs ausgestellt hätte, habe sie auch mal eine Belohnung in Form von Extra-Geld bekommen.

Sogar 13 Jahre arbeitete Rita Schröder (Jahrgang 1948) bei der Großhandlung. „Ich habe mich wohlgefühlt, sonst wäre ich nicht so lange da gewesen“, sagt die Frau, die als Telefonistin begann, dann die Fakturierabteilung übernahm und schließlich für den Textileinkauf verantwortlich war. Sie erinnert sich noch an die alte Rechenmaschine mit einen runden Tastatur. „Am Anfang war Herr Flebbe noch da, er war immer sehr behilflich“, erzählt die Zeitzeugin, „und er unterschrieb grundsätzlich mit grüner Tinte.“

Aber nicht nur für die eigenen Mitarbeiter hatte Flebbe, der im Dezember 1968 verstarb, immer ein offenes Ohr. Auch für die „Probleme der Wirtschaft, die aus seinem Heimatbezirk an ihn herangetragen wurden“, fand er er stets Zeit, wie es in der Broschüre anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Textil- und Sortiments-Großhandlung im Jahr 1963 erschien. Zehn Jahre setzte er sich als Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer für die Belange seines Berufsstandes ein. „Die Förderung des Berufsnachwuchses liegt ihm ganz besonders am Herzen“, heißt es weiter, „seine Verdienste wurden durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes I. Klasse gewürdigt.“

Dieter Peters (Jahrgang 1940) machte zwischen 1955 und 1958 seine Ausbildung zum Lebensmitteleinzelhändler bei der Firma Walter Sender in Baven. „In der Lehrzeit musste ich einmal in der Woche die Kaufmännische Berufsschule in der Bahnhofstraße und später in der Carstensstraße in Celle besuchen“, erzählt er, „mit zu den Aufgaben eines – wie er damals noch hieß – Lehrlinges gehörten Besuche bei der Großhandelsfirma Theodor Flebbe, Rundestraße, Celle. Hier wurden Büroartikel und Kurzwaren für die Lehrfirma geordert und gleich mitgenommen.“

Möglicherweise ist Dieter Peters bei seinen Besuchen bei Flebbe auf Elke Ganz geborene Heilhausen (Jahrgang 1942) getroffen. Sie begann ihre dreijährige Lehrzeit am 1. Oktober 1957. „Zu dem Zeitpunkt hatte die Firma ihren Sitz noch in Celle in der Rundenstraße, wo heute Ida Knoop und das Reisebüro sind“, erzählt Elke Ganz, „ich war bei der Firma noch bis zum 31. März 1961 beschäftigt und habe den Umzug nach Westercelle mitgemacht. Für Herrn Flebbe war es wichtig, Parkplätze für sein Unternehmen zu schaffen.“ Er sei ein sehr angenehmer Chef gewesen, aber nicht der einzige. „Seine beiden Töchter Wiltrud Flebbe und Irmgard Nauditt waren auch mit im Betrieb“, so die Zeitzeugin.

Hänschen Röling (Jahrgang 1940) meint, dass die Firma Flebbe ihre „Blüte“ in der schlechten Zeit nach dem Krieg gehabt habe. „In Stadt und Landkreis war Firma Flebbe zu Hause. Mein Onkel aus Wathlingen, Schneidermeister Hermann Rauhut, kaufte seine sämtlichen ,Zutaten', Stoffe, Garn und so weiter dort. Wenn ich mit meiner Familie Zeug, Mäntel und Pullis brauchte gab es auf alle Waren Prozente.“ Im Laufe der Zeit habe es für Flebbe aber zu große Konkurrenz gegeben.

Erika Scheller (Jahrgang 1938) betrieb bis 1998 das Gemischtwaren-Geschäft „Klein-Karstadt“ in Langlingen. „Ich habe den alten Herrn Flebbe noch kennengelernt“, berichtet sie. Vor allem habe sie aber mit einem Herrn Holescheck zutun gehabt, der über die Dörfer gefahren sei und die Waren angeboten habe. „Bis in die 1970er Jahre haben wir alles für den täglichen Gebrauch und Kurzwaren über Flebbe bezogen“, erzählt die Langlingerin, „zudem handelte Flebbe viel mit Oberbekleidung.“ Dieser Bereich war in der Firma „Conwatex“ ausgegliedert.

Die Flebbe Verwaltungs- und Beteiligungs GmbH, die 1995 in das Handelsregister beim Amtsgericht eingetragen worden war, wurde schließlich 2002 gelöscht. Genauso wie die Conwatex Gesellschaft im Jahr zuvor.

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 23.09.2016 um 18:47 Uhr
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