140: Erinnerungen an den Bau des Freibads Westercelle

Das Gesicht des Westerceller Freibades: Gerhard Friedhof war bis 1997 fast vierJahrzehnte lang Bademeister. Foto: Sammlung Familie Friedhof

Das Westerceller Freibad gibt es inzwischen seit über 60 Jahren. Angefangen hat alles mit der Idee des VfL Westercelle Anfang der 1950er Jahre. 1952 ließ die Gemeinde schließlich das Bad bauen. Zeitzeugen berichten von den anstrengenden Arbeiten im „schwarzen Loch“, Lohntüten und vom ersten Sprung ins kühle Nass.

WESTERCELLE. Mit dem Bau von Dachstühlen kannte sich Horst Schultze (Jahrgang 1929) bestens aus, doch wie man ein Freibad errichtet, wusste er nicht. Dennoch war er dabei, als am 14. Mai 1952 mit dem Bau des Westerceller Freibades begonnen wurde. „Meine erste Arbeit war gleich verkehrt, aber ich habe mir dann bei den Zimmermännern alles abgeguckt – ich musste mich reinfuchsen“, erzählt der Rentner, „wir hatten nicht viel Zeit – schließlich sollte noch in dem Sommer gebadet werden.“ Alles klappte aber nicht: „Bei einer Mauer, die ein Kollege errichtet hatte, war der Beton noch frisch – als sich jemand draufgesetzt hat, ist sie weggerutscht. Ich hatte bei meiner aber Stöcke gegengestellt, sodass sie stehen blieb“, erzählt Horst Schultze, der vor seiner Lehre im Hochbau Imker gelernt hatte.

„Um das Becken zu befüllen, wurde Wasser von der Fuhse reingepumpt“, ergänzt der Zeitzeuge, „im tiefen Becken mussten wir einen Gullideckel zudrehen, doch der Druck des Grundwassers war zu stark – dann haben wir uns mit vier Mann jeder eine Schraube genommen und sind draufgesprungen. So haben wir es hinbekommen.“ Er erinnert sich daran, dass die Frauen freitags schon am Zaun standen, als es die Lohntüten gab. „Sie hatten wohl Angst, dass die Männer das Geld versaufen“, sagt Schultze lachend, „1,30 Deutsche Mark war damals der Stundenlohn.“

Die Lohntüten sind auch Hannskarl Rauterberg (1935) im Gedächtnis geblieben. Der spätere Ortsbürgermeister von Westercelle ist auf dem Bild aus der Celleschen Zeitung vom vergangenen Samstag vorne links mit freiem Oberkörper zu sehen. „Es war ein heißer Sommer und wir haben von sechs bis sechs gearbeitet“, erzählt Hannskarl Rauterberg, der von 1951 bis 1954 bei der Westerceller Tiefbaufirma „Thiele-Marahrens Nachf. Helmut Thiele“ den Beruf des Betonbauers lernte, „meine Mutter hat mir kalten Tee vorbeigebracht, damit ich nicht verdurste, und in der Pause habe ich mich unter einen Baum gesetzt – die Grube war schwarz durch den Anstrich isoliert – ein schwarzes Loch.“

Damals habe es keinen Kran und keine Betonpumpe gegeben. „Wir hatten zwei Mischanlagen – eine als Reserve – das Gleis verlief quer und hatte eine Drehscheibe“, erzählt der Rentner, „die Sprunggrube war damals noch tiefer – sie wurde später angehoben, als das Bad in den Eigentum der Stadtwerke überging.“

Als Ehrenvorsitzender des VfL Westercelle weiß er auch, dass das Bad durch eine Idee des Vereins entstanden ist. Wie im Buch „Erzähl doch was aus Westercelle“ zu lesen ist, wurde der VfL-Antrag von unterschiedlichen Stellen unterstützt. „... Das einzige Schwimmbecken der Stadt Celle ist beschlagnahmt. Da von englischer Seite hierfür erhebliche Aufwendungen gemacht wurden, ist mit einer Freigabe für deutsche Badegäste in nächster Zeit nicht zu rechnen“, wird der Stadtjugendpfleger Fröhlich von der Stadt Celle zitiert. Warum schließlich doch die Gemeinde und nicht der Verein als Bauherr auftrat, ist nicht ganz klar. Möglicherweise hatte der VfL-Vorsitzende Fritz Bruns keine finanziellen Mittel mehr.

Die Ansprache bei der offiziellen Eröffnung 1953 hielt Bürgermeister Gerd Kamm. Seine Tochter Margret Wehrs (1934) erinnert sich noch genau an den Tag. „Er ist morgens noch mit dem Fahrrad hingefahren, um nach dem Rechten zu gucken“, erzählt die Westercellerin, „er hat mit einem Besen noch Blätter aus dem Wasser gezogen – alles sollte top sein.“ Angelika Zimmermann sei die erste gewesen, die vom 3-Meter-Brett ins Wasser gesprungen ist, erzählt Margret Wehrs. Die Reaktionen auf das neue Bad waren überall positiv. CZ-Sportredakteur Nolte schrieb vom „schönsten Schwimmbad in der Südheide“.

Bevor 1952 die ersten Schwimmer ins kühle Nass sprangen, war in einer „Hau-Ruck-Aktion“ noch der Umkleidetrakt inklusive Bademeister-Wohnung hochgezogen worden. „Das Umkleidehaus stand damals in Nord-Süd-Richtung längs zum Becken“, sagt Hannskarl Rauterberg, „der erste Bademeister war Herr Jende, bevor Gerhard Friedhof das jahrzehntelang übernahm.“

Auch Karl Ströher (1937) hat in seiner Chronik nachgeschlagen. Im Juli 1957 stellte er im Freibad einen Einstufentauchautomaten vor. „Heute werden solche Geräte nicht mehr benutzt, da man durch den gleichen Schlauch ein- und ausatmete. 1000 Zuschauer säumten die Werbeveranstaltung des Celler Schwimmclubs, wie in der Celleschen Zeitung vom 8. Juli 1957 zu lesen war. Der „Vater des Aller-Schwimmens“ weiß auch, dass das Bad 1965 zum zweiten Mal eröffnet wurde. „Das Wasser kippte immer um, daher musste es saniert werden“, sagt Karl Ströhr.

Hermann Timme (1928) hat erkannt, dass das Bild aus der CZ vom vergangenen Samstag vom Sportplatz des VfL Westercelle aufgenommen wurde. „Durch einen Sponsor wurden damals die Sportanlagen erneuert und es gab eine schwarze Bahn, auf der wir vom Motorsportclub Celle ein Rennen veranstaltet haben – das hat aber so einen Schmutz gemacht, dass wir das dann nicht mehr gemacht haben“, erzählt der „zaubernde Lokomotivführer“: „Der Sohn von Robert Brauke ist in der Pause mit dem Gokart eine Runde gefahren und hat dafür Applaus von den Zuschauern bekommen.“

Beifall haben auch die Macher des Fördervereins Westerceller Freibad verdient, die das Bad 2003 vor der Schließung retteten. So ist das Bad weiterhin beliebtes Ausflugsziel – inzwischen seit über 60 Jahren.

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 11.10.2016 um 14:50 Uhr
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