Anwohner ärgern sich über Lärm: Schallschutzwand an Bahngleisen in Garßen abgebaut

Von einem gemütlichen Grillabend mit Freunden konnte Benno Mausolf in diesem Sommer nur träumen. „In unserem Garten gibt es fast keine Ruhe. Sobald ein Zug vorbeikommt, verstummen alle Gespräche. Man kann sein eigenes Wort nicht mehr verstehen“, sagt der Anwohner aus dem Brennmoor in Garßen, dessen Haus nur etwa 200 Meter Luftlinie von den Gleisen entfernt ist. Bis zu 300 Züge fahren täglich auf der Strecke hinter seinem Grundstück vorbei. Und im Juli wurde auch noch die rund 300 Meter lange niedrige Schallschutzwand zwischen dem alten Bahnhof und der Unterführung, die die Lärmbelästigung eigentlich verringern soll, wegen einer Gleiserneuerung abgebaut – und steht seitdem neben den Gleisen.

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GARSSEN. Mausolf versucht sich wie andere Anwohner in Galgenhumor gegen die Lärmbelästigung. „Eigentlich ist der Zustand genauso schlecht wie vorher. Denn die Lautstärke wurde auch durch die niedrige Schallschutzwand nur minimal reduziert“, sagt er. Seit einigen Jahren prangert der Garßener die Situation an und fragt immer wieder bei den Verantwortlichen der Deutschen Bahn und des Bundesverkehrsministeriums nach. Vor fünf Jahren wurde die Bahn schließlich aktiv und errichtete an den Gleisen eine niedrige Schallschutzwand, die den Schall in unmittelbarer Nähe der Lärmquelle reduziert.

Für ihn war das allerdings nicht ausreichend. Mausolf hatte gehofft, dass die Technik auf einer Länge von 500 Metern installiert wird. Obwohl die Bahn die entsprechende Erweiterung ankündigte und auch insgesamt 800.000 Euro aus dem Infrastrukturbeschleunigungsprogramm II des Bundes für die Baumaßnahme bereit standen, kam es mit dem Verweis der Bahn auf geringe Lärmminderungseffekte nicht dazu. Jetzt befürchtet Mausolf, dass auch die alte Schallschutzwand nicht wieder errichtet wird. Von den Antworten des Unternehmens auf seine Fragen fühlt er sich nur vertröstet. „Ich kann mir jedenfalls nicht erklären, warum das so lange dauert und wir dieser Situation ausgesetzt werden.“

Wie die Bahn auf Nachfrage der Celleschen Zeitung mitteilte, sei der Wiederaufbau der niedrigen Schallschutzwand für das Frühjahr 2017 vorgesehen. Dann soll auch eine neue Technik verwendet werden, die den Lärm stärker als zuvor reduzieren soll. „Diese Technik befindet sich derzeit im Zulassungsverfahren, kann jedoch erst verwendet werden, wenn sie endgültig genehmigt ist“, sagt eine Bahnsprecherin. „Mit der Zulassung aufgrund der zu erstellenden Gutachten sowie der technisch durchaus komplexen Materie rechnen wir erst im nächsten Jahr.“ Daher sei die Montage der Lärmschutzwand in überarbeiteter Form auch erst zu diesem Zeitpunkt möglich, hieß es. In welchem Umfang die Lautstärke stärker als bisher reduziert werden soll, teilte die Bahn nicht mit.

Die niedrige Schallschutzwand in Garßen wurde 2011 im Rahmen einer Erprobung innovativer Lärmschutzmaßnahmen errichtet. Ziel war es, Erkenntnisse über die Wirksamkeit, aber auch den Betrieb und die Instandhaltung zu gewinnen, um anschließend bei Eignung und Effektivität die reguläre Zulassung zu erwirken.

„Diese Erkenntnisse haben wir mittlerweile gewonnen und werden sie bei der Entwicklung und dem Einsatz neuerer Bauformen der niedrigen Lärmschutzwand berücksichtigen.“ Speziell soll es dabei auch um die Befestigung der Dämmelemente gehen.

Christoph Zimmer Autor: Christoph Zimmer, am 13.10.2016 um 16:15 Uhr
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