Selbstversuch: Eishockeytraining bei den Celler Oilers

Jetzt bloß nicht stolpern! Langsam, Konzentration! Es sind nur noch wenige Meter bis zum Tor. Ich werde immer schneller auf der spiegelglatten Eisfläche, greife meinen Schläger nochmal nach, damit ich bloß nicht die Kontrolle verliere, versuche den Puck möglichst eng am Schläger zu führen, hole aus und ziehe mit einer kräftigen und schwungvollen Bewegung den Schläger durch. Der schwarze Puck zischt durch die Luft in Richtung Tor, der Torwart bringt sich in Stellung, doch der Puck hat leider sein Ziel verfehlt und schlägt mit einem lautstarken Knall in die Plexiglaswand hinter dem Tor ein.

BILDER »
Weitere Bilder finden Sie in der Bildergalerie

LANGENHAGEN. Etwas enttäuscht von diesem grandiosen Fehlschuss, laufe ich zu meiner Startposition zurück und stelle mich wieder in die Schlange zu den anderen wartenden Spielern der Celler Oilers. Die Eishockey-Verbandsligamannschaft aus Celle absolviert ihre Trainingseinheiten und Spiele in der Eishalle Langenhagen, da ihnen in Celle keine Eisbahn zur Verfügung steht.

Fasziniert beobachte ich, wie der Spieler vor mir Anlauf nimmt und mit welcher Leichtigkeit er beschleunigt. Dann holt er aus, der Puck zischt laut hörbar durch die Luft und landet keine Sekunde später hinter dem Torwart im Netz. Die anderen Jungs grölen und klappern mit ihren Schlägern. Ich muss schmunzeln.

Nun bin ich wieder an der Reihe. Aus der eigenen Hälfte heraus wird zu zweit Anlauf genommen bis zur Mittellinie, dort steht lediglich ein Verteidiger zwischen uns Angreifern und dem Tor. Mein Blick geht rüber auf die andere Seite und ich sehe, dass mein Teamkollege komplett frei steht. Mit einem Pass will ich diesen in Szene setzen. Doch noch während ich mit meinem Schläger ausholen will, merke ich, wie ich mein Gleichgewicht verliere und ins Straucheln gerate. Den Pass kann ich gerade noch so spielen. Alles andere als elegant lande ich, wie ein zappelnder Fisch auf dem Trockenen, recht unsanft auf meinem Bauch und trage damit zur Erheiterung des gesamten Teams bei.

Ins Schwitzen gekommen bin ich allerdings bereits vor dem Training. Die ausgeliehene Ausrüstung musste angelegt werden. Die vielen Einzelteile nahmen gefühlt eine ganze Bank für sich in Anspruch. „Am besten ist es, sich von unten nach oben anzuziehen“, erklärt mir mein Sitznachbar Dominic Schmidt beim Umziehen. Bereits jetzt ist das Laufen mit den extra Kilos anstrengend, dabei habe ich nicht einmal alles an.

Zum Aufwärmen der Muskeln sollen wir einige Runden drehen, bevor es richtig los geht. Auf der spiegelglatten Fläche ist es zunächst gar nicht so einfach, wie ich dachte, sein Gleichgewicht zu halten. Und auch mit der nötigen Geschwindigkeit hapert es anfangs noch erheblich. Aber von Runde zu Runde merke ich, wie ich immer mutiger und selbstbewusster werde, auch wenn ich mit dem Tempo der Celler Jungs bei weitem nicht mithalten kann. Gegen Ende der Aufwärmphase fühle ich mich relativ sicher auf den Kufen.

Der Pfiff des Trainers Bernd Bombis ertönt: Alle sollen sich versammeln, damit die erste Übung erklärt werden kann. Beim ersten Mal verstehe ich gar nichts, aber mit ein bisschen Training wird sie sich mir erschließen, denke ich mir. Dann geht es auch schon los: Aus den gegenüberliegenden Ecken des Spielfeldes starten die einzelnen Teams. Jeder Spieler hat einen Puck und dribbelt in die Zone zwischen den beiden blauen Linien. Nach einigen Sekunden ertönt ein Pfiff und die gesamte Mannschaft läuft auf das Tor zu, jeder Spieler schließt mit einem Torschuss ab. Nach einigen Wiederholungen gelingt auch mir auch das erste Tor.

Zum Ende des Trainings kündigt der Coach ein Abschlussspiel an: Jeder gegen jeden heißt es. Mein Team sieht dabei leider am schlechtesten aus. Daran bin ich nicht ganz unschuldig, wie ich immer wieder merke. Gerade als wir im Angriff sind, stehe ich völlig frei im Angriffsdrittel. Mein Mitspieler hat mich gesehen und ich erhalte von ihm einen Pass genau auf die Kelle. Doch was ist das? Entsetzt muss ich feststellen, dass ich mich gehörig bei der Annahme verschätzt habe und der Puck an mir vorbei bis in die eigene Hälfte rutscht.

Meine verständlicherweise sehr verärgerter Mitspieler musste also wieder meine Fehler ausbügeln – auf der Bank ernte ich ein wenig Gelächter und der eine oder andere scherzhafte Spruch fällt: „Da war wohl ein Loch im Schläger.“ Auch ich muss mir ein Schmunzeln verkneifen. Zu meinem Glück ertönt kurze Zeit später der erlösende Abpfiff des Spiels – Trainingsende.

Es war eine sehr interessante, aber auch anstrengende und schweißtreibende Übungseinheit. Jetzt zum Schluss bin ich doch schon etwas stolz auf mich, dass ich mich immerhin nicht vollkommen unbeholfen angestellt habe und auch gegen meine Erwartungen konditionell gut mitgehalten habe.

Viele Menschen begeistert Eishockey durch harte Checks und ein schnelles Spiel – das ist aber nicht für jeden etwas. Ein zweiter Punkt sind die finanziellen Kosten, die bei der Anschaffung der notwendigen Ausrüstung anfallen. Außerdem ist der Sport zeitintensiv. Dennoch war es alles in allem eine sehr schöne Erfahrung, die ich als Trainingsgast bei den Oilers machen durfte.

Björn Beinhorn Autor: Björn Beinhorn, am 18.01.2017 um 16:14 Uhr
Druckansicht

LESER-FEEDBACK »
Keine Kommentare vorhanden
WEITERE THEMEN »

Trauer um den legendären Paul Bocuse

Paris (dpa) - Der weltberühmte Koch Paul Bocuse ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Er galt als «Papst der französischen Küche». Der Gastronomieführer «Gault&Millau» nannte ihn «Koch des Jahrhunderts». Sein Drei-Sterne-Tempel «L’Auberge du Pont de Collonges» galt als Pilgerort für Gourmets… ...mehr

Bundesliga: Ein Punkt zwischen Platz zwei und sieben

Berlin (dpa) - Das Rennen um die Europapokalplätze in der Fußball-Bundesliga bleibt extrem eng. Bayer Leverkusen, RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach liegen nach den Samstagspartien des 19. Spieltags auf den Plätzen zwei, drei und vier mit jeweils 31 Punkten. ...mehr

Paul Bocuse ist tot - die Kochwelt trauert

Paris (dpa) - Der weltberühmte Koch Paul Bocuse ist tot. Er starb am Samstag in seinem Restaurant «L’Auberge du Pont de Collonges» in seinem Heimatort Collonges-au-Mont-d'Or in der Nähe von Lyon, in dem er auch 1926 zur Welt gekommen war, wie französische Medien übereinstimmend berichteten. ...mehr

Wieder die Standards: RB Leipzig patzt beim 1:2 in Freiburg

Freiburg (dpa) - Nach dem überraschenden Rückschlag auf dem erhofften Weg in die Champions League war Leipzigs Ralph Hasenhüttl bitter enttäuscht. ...mehr

Leverkusen Zweiter - Kellersiege für Freiburg und Mainz

Berlin (dpa) - Bayer Leverkusen hat mit einem eindrucksvollen Sieg den zweiten Platz in der Fußball-Bundesliga erobert. Das Team von Coach Heiko Herrlich feierte bei 1899 Hoffenheim einen 4:1 (1:0)-Sieg und zog an RB Leipzig vorbei. ...mehr

Celler lassen Haare für den guten Zweck

Das lauwarme Wasser sprudelt aus der Brause und vorsichtig wird das Shampoo in die Haare massiert. Ein kurzes Wohlfühlprogramm, in dessen Genuss die Kunden am Montag im Friseursalon „Haar-lekin“ gekommen sind – obwohl der Laden eigentlich an diesem Tag immer geschlossen ist. „Wir waren uns… ...mehr

14:2 Torschüsse, 1:1 Tore: Frankfurt hadert

Frankfurt/Main (dpa) - So sauer hat man Niko Kovac selten erlebt. «Ich bin maßlos verärgert. Ich bin richtig stinkig», sagte der Trainer von Eintracht Frankfurt nach dem 1:1 (1:0) gegen den SC Freiburg im ersten Spiel des neuen Bundesliga-Jahres. ...mehr

Landkreis Celle investiert 10,4 Millionen Euro in Schulen

Der Landkreis Celle investiert in diesem Jahr weiter in die Schulen. "Wir werden etwa 10,4 Millionen Euro in die Sanierung und den Ausbau der weiterführenden Schule stecken", sagte Landrat Klaus Wiswe. "Diese Investitionen sind wichtig, damit unsere Kinder gute Voraussetzungen haben, um zu lernen".… ...mehr

Anzeige
E-PAPER »
20.01.2018

Cellesche Zeitung

Die vollständige Ausgabe der CZ in digitaler Form mit Blätterfunktion.

» Anmelden und E-Paper lesen

» Jetzt neu registrieren

THEMENWELT »
AKTUELLES »

Neuer Chef der Regionalregierung Kataloniens gesucht

Barcelona (dpa) - Der neue Präsident des katalanischen Parlaments, Roger Torrent, will am Vormittag…   ...mehr

Knappe Niederlage gegen Dänemark: DHB-Auswahl vor EM-Aus

Varazdin (dpa) - Nach dem wahrscheinlichen Ende der Mission Titelverteidigung starrte Handball-Bundestrainer…   ...mehr

SPD ringt sich zu Koalitionsverhandlungen durch

Bonn (dpa) - Nach der knappen Zustimmung der Sozialdemokraten zeichnen sich schwierige Koalitionsverhandlungen…   ...mehr

Mit Goretzka in der Startelf: Schalke nur 1:1 gegen Hannover

Gelsenkirchen (dpa) - Erst der Wechsel-Wirbel um Leon Goretzka, dann der nächste Rückschlag in der…   ...mehr

Lewandowski und Müller treffen doppelt - 4:2 gegen Werder

München (dpa) - 100-Tore-Mann Thomas Müller und Doppelpackkollege Robert Lewandowski hatten allen…   ...mehr

Türkei: Truppen rücken in Syrien ein

Istanbul/Kairo (dpa) - Nach Luftschlägen gegen kurdische Verbände im Nordwesten Syriens sind nach…   ...mehr

Deutsche IS-Anhängerin im Irak zum Tode verurteilt

Bagdad/Berlin (dpa) - Eine deutsche Staatsangehörige ist im Irak wegen Zugehörigkeit zur Terrormiliz…   ...mehr

Hunderttausende demonstrieren weltweit gegen Trump

New York (dpa) - Hunderttausende Menschen weltweit sind am Wochenende zum ersten Jahrestag der Amtseinführung…   ...mehr

Fans empfangen Goretzka überwiegend freundlich

Gelsenkirchen (dpa) - Als Leon Goretzka gegen 17.30 Uhr mit der Mannschaft des FC Schalke 04 den Rasen…   ...mehr

DSV-Team verpasst nächste Medaille - Gold für Norwegen

Oberstdorf (dpa) - Die deutschen Skispringer haben bei der Skiflug-WM in Oberstdorf eine Medaille im…   ...mehr
SPOT(T) »

Kapselitis

Genuss aus der Dose. Oder aus dem Döschen. Also aus der Kapsel. Der ist ja… ...mehr

Backup

Es ist immer gut, ein Backup zu haben, dachte ich mir zehn Jahre lang und kopierte… ...mehr

Fortschritt

„Das ist doch nicht dein Ernst“, sagt mein bester Freund Maxi. Sein Blick… ...mehr

VIDEOS »
FINDE UNS BEI FACEBOOK »
Datenschutz Kontakt AGB Impressum © Cellesche Zeitung Schweiger & Pick Verlag Pfingsten GmbH & Co. KG