Cellesche Zeitung macht mit: Tennis-Schnupperstunde im Selbstversuch

CZ-Mitarbeiterin Amelie Thiemann hat den Selbsttest gewagt und ein Tennis-Training mit Berni Hermann in Groß Hehlen absolviert.

BILDER »
Weitere Bilder finden Sie in der Bildergalerie

GROSS HEHLEN. Mir schräg gegenüber auf der anderen Seite des Netzes steht Maja Bartels. Genau wie ihre Freundin Anja Heißenbüttel und ich spielt sie an jenem Tag zum ersten Mal Tennis – und ist nun meine Gegnerin. Mit dem Schläger in der rechten Hand wartet Bartels leicht nach vorne gebeugt auf meinen Aufschlag. Im Kopf gehe ich meine nächsten Bewegungen durch.

Dann atme ich aus, werfe den gelben Ball in die Höhe und schlage ihn kraftvoll mit dem Schläger über das Spielfeld. Er trifft vor Bartels in der mir diagonal gegenüberliegenden Hälfte des T-Felds auf. Meine Gegnerin läuft ihm entgegen, streckt den Schläger gen Ball und bringt ihn mit einem Schlag zurück auf meine Feldseite. Noch völlig perplex darüber, dass mein Aufschlag tatsächlich im Spielfeld gelandet ist, sprinte ich von der Grundlinie los – zu spät. Alles Strecken meinerseits kann die Distanz zwischen dem Ball und meinem Schläger nicht mehr überbrücken. Der Ball landet knapp hinter dem Netz, der Punkt geht an Bartels.

„Majas Mann spielt Tennis und er hat uns diese Probestunde organisiert“, erläutert Heißenbüttel. Sie und Bartels sind Nachbarinnen in Celle und haben bei einer Feier über den Sport gesprochen. Kurzerhand vereinbarten sie mit Trainer Berni Hermann im Groß Hehlener Tenniscenter ein Training.

Der 40-Jährige drückt uns nach einer kurzen Vorstellungsrunde die Leihschläger in die Hand. „Heute machen wir noch gar nicht viel Theorie, sondern konzentrieren uns auf die Ballkontrolle und das Spiel“, kündigt der Tennislehrer an. Erleichterte Gesichter bei meinen Mitspielerinnen und mir, schließlich sind wir heiß darauf, selber Bälle zu schlagen. Statt regulärer Tennisbälle trainieren wir mit einer weicheren Version, die sich zum Üben besonders eignet. Eines der vier Spielfelder in der Halle ist für uns reserviert. Den typisch rotfarbenen Sandboden der Außenanlagen sucht man vergeblich, stattdessen dient hell- und dunkelblauer Teppichboden als Untergrund.

Die genaue Aufteilung des Spielfelds interessiert zu Beginn unseres Trainings noch nicht. Wir versammeln uns für die erste Übung auf einer Seite des Netzes. Hermann macht es vor: Er lässt den Ball auf dem Boden auftippen, führt den Schläger dann unter den hochspringenden Ball und verpasst ihm erneut einen leichten Schlag. So hält der Trainer ihn mühelos an einer Stelle. „Jetzt seid ihr an der Reihe“, ermuntert uns Hermann.

Was bei dem Tennislehrer so einfach aussah, wird für uns Anfänger zur Geduldsprobe. Mal schlagen wir zu sanft, mal zu kräftig, und dann springt der Ball noch unkontrolliert übers Spielfeld, sodass wir hinterher jagen müssen. Sobald wir etwas mehr Ballgefühl beweisen, fordert uns Hermann mit weiteren Übungen heraus.

„Beim Tennis lernt man viel über sich selbst“, sagt der Celler, der seit 15 Jahren hauptberuflich als Tennislehrer arbeitet. Schließlich könne man niemanden außer sich selbst für Niederlagen verantwortlich machen. „Dafür braucht man viel Selbstbeherrschung.“ Mit dem Sport könne man in jedem Alter beginnen, sagt Hermann. „Fortschritte sind dann eine Frage des Talents.“ Prinzipiell könne aber jeder mit etwas Training nach kurzer Zeit ein gutes Spiel abliefern.

Als es bei uns mit der Ballkontrolle immer besser klappt, üben wir unsere Aufschläge und vergrößern das Spielfeld schrittweise bis zum Standardmaß. So kommt langsam wahres Tennisflair auf, auch wenn noch viele Bälle im Aus landen.

Hermann vermittelt Grundsätzliches. „Kehrt immer wieder in die Mitte zurück“, rät er uns. Von dieser Position aus können wir besser reagieren und die Bälle des Gegners einfacher erreichen. Außerdem bewegen wir uns seitwärts, um den Gegner stets im Auge zu behalten. Auch die Regeln und Zählweise stehen auf dem Lehrplan der ersten Trainingsstunde, doch so wirklich sicher sind wir bei den Punkteständen noch nicht.

Mit ihren Aufschlägen bringen mich Bartels und Heißenbüttel ganz schön ins Schwitzen. Gelingt ein längerer Ballwechsel, ist Laufen angesagt. Abrupte Stops fordern den Körper zusätzlich.

Die Probestunde vergeht wie im Flug. „Macht es denn bei uns Sinn?“, möchte Bartels hinterher wissen. „Hat es euch denn Spaß gemacht?“, stellt Hermann die Gegenfrage. Die beiden Freundinnen nicken freudestrahlend. „Ihr habt auch schon über den ganzen Platz gespielt, also lief es gut. Natürlich macht es Sinn“, versichert der Coach. 50 Euro kostet eine Trainerstunde bei Hermann, die Kosten können durch mehrere Schüler geteilt werden. Die Cellerinnen sind überzeugt. „Wir wollen weitermachen“, sagt Heißenbüttel. Gründe gebe es genug: „Spaß, Bewegung und Abwechslung vom Alltag.“ Auch mich hat nach der Probestunde das Tennisfieber gepackt.

Amelie Thiemann

Amelie Thiemann Autor: Amelie Thiemann, am 18.01.2017 um 15:58 Uhr
Druckansicht

LESER-FEEDBACK »
Keine Kommentare vorhanden
WEITERE THEMEN »

Den Schulen sei dank: Celler erringen wieder mehr Sportabzeichen

Da behaupte noch einer, die Gesellschaft werde immer bewegungsfauler. Die aktuellen Zahlen des Kreissportbund (KSB) Celle besagen etwas anderes: In der Region legen immer mehr Menschen die Prüfung zum Deutschen Sportabzeichen ab. Sind es 2016 noch 2437 Sportbegeisterte gewesen, die sich die bekannten… ...mehr

20 Jahre Festspielhaus Baden-Baden

Baden-Baden (dpa) - Die Berliner Philharmoniker unter Leitung von Sir Simon Rattle waren gerade bei den Osterfestspielen zu Gast, als nächste kommen Bob Dylan und das Leipziger Gewandhausorchester. ...mehr

CeBus sucht wieder Busfahrerinnen

„Wenn man etwas mit Menschen machen möchte, wird einem niemand als erstes Busfahrerin vorschlagen.“ Das musste auch Nicola Koch feststellen, als sie nach der Insolvenz ihrer Kneipe „Gegen den Strich“ auf der Suche nach einem neuen Job war. „Das ist kein Job, den man einfach so über die Arbeitsagentur… ...mehr

Labbadia holt in Freiburg ersten Sieg mit VfL Wolfsburg

Freiburg (dpa) - 69 Tage nach dem letzten Sieg hat der VfL Wolfsburg wieder ein Spiel in der Fußball-Bundesliga gewonnen und drei wichtige Punkte im Abstiegskampf geholt. ...mehr

„Rausch“ zerfällt in Einzelteile

Große Namen garantieren noch keinen großen Theaterabend. Das bestätigte sich einmal mehr bei einem Gastspiel im Schauspielhaus, einer Koproduktion der Ruhrfestspiele Recklinghausen mit dem Théâtre National du Luxembourg und dem Schauspiel Hannover. Auf dem Programm stand August Strindbergs „Rausch“. ...mehr

Ausstellung in der Galerie Koch zeigt „Vom Stadel zum Wolkenkratzer“

Der Ausstellungstitel ist ein wenig sperrig, die Schau selbst hingegen nicht: „Vom Stadel zum Wolkenkratzer“ nennt die Galerie Koch eine Auswahl von Architekturdarstellungen und mischt dabei nach bewährter Manier Stars der Klassischen Moderne mit Geheimtipps. ...mehr

Wirbel um Kultur-Mäzene in den USA

New York (dpa) - Jerry Saltz ist Kunstkritiker des «New York»-Magazins - und neuerdings auch Aktivist. Mehrmals hat er in den vergangenen Wochen den Namen von David H. Koch auf dem Vorplatz des Metropolitan Museums in Manhattan überklebt - und über die sozialen Medien dazu aufgerufen, es ihm nachzumachen. ...mehr

Hartmut Dorgerloh wird Intendant des Humboldt-Forums

Berlin (dpa) - Jahrelang war Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) auf der Suche nach einem weltweit renommierten Aushängeschild für das geplante Humboldt-Forum in Berlin. Ein Kaliber vom Schlage des noch amtierenden Gründungsintendanten und britischen Museumslieblings Neil MacGregor sollte… ...mehr

Anzeige
E-PAPER »
20.04.2018

Cellesche Zeitung

Die vollständige Ausgabe der CZ in digitaler Form mit Blätterfunktion.

» Anmelden und E-Paper lesen

» Jetzt neu registrieren

THEMENWELT »
AKTUELLES »

Nach dem Echo-Eklat - Helene Fischer äußert sich

Berlin (dpa) - Falls sie all ihre Echos zurückschicken wollte, ginge das Paket kaum durch die Tür:…   ...mehr

BAMF soll massenhaft Asylanträge zu Unrecht bewilligt haben

Bremen (dpa) - Eine ehemalige Mitarbeiterin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) soll…   ...mehr

Deutsche hetzen Hunde auf zwei Eritreer

Friedland (dpa) - Eine Gruppe von Deutschen hat in Mecklenburg-Vorpommern zwei vorbeikommenden Afrikanern…   ...mehr

«Sehr traurig» - Festnahmen nach Abbruch von Istanbul-Derby

Istanbul (dpa) - Nach den Krawallen beim Stadtderby der türkischen Fußballclubs Fenerbahce und Besiktas…   ...mehr

Ulreich oder Neuer? Heynckes: Diskussion «viel zu früh»

München (dpa) - Real Madrid ausblenden? Das kann beim FC Bayern keiner mehr - und es wäre sogar fahrlässig.   ...mehr

Tennis-Damen kämpfen ums Fed-Cup-Finale - Görges eröffnet

Stuttgart (dpa) - Julia Görges soll im schwierigen Fed-Cup-Halbfinale gegen Tschechien für die Führung…   ...mehr

Ariana Grande meldet sich zurück

Berlin (dpa) - Die US-Sängerin Ariana Grande (24) hat ihre erste Single seit dem Terroranschlag in Manchester…   ...mehr

Keine Mehrheit für Entkriminalisierung des Schwarzfahrens

Berlin (dpa) - Schwarzfahrer in Bussen und Bahnen werden vorerst wohl weiterhin als Straftäter verfolgt.…   ...mehr

Vier Spiele bis zum Jackpot - Direktduelle um Königsklasse

Leipzig (dpa) - Es geht um das Halten der Topstars, um die Zukunft einiger Trainer und nicht zuletzt…   ...mehr

Jeder Zweite zweifelt an Nahles als neuer SPD-Vorsitzenden

Köln (dpa) - Kurz vor der Wahl zum SPD-Vorsitz sieht nach einer Umfrage fast jeder zweite Deutsche…   ...mehr
SPOT(T) »

Osmose

Neulich war ich mal wieder auf Schnäppchenjagd. Gerade wenn Süßigkeiten… ...mehr

Werbung

Was früher die Viva-Moderatoren waren, sind heute die Influencer. Vorbilder… ...mehr

Das Bügeleisen

Als Hausmann von Welt hat man keine Wahl: Ab und an muss man das Bügeleisen… ...mehr

VIDEOS »
FINDE UNS BEI FACEBOOK »
Datenschutz Kontakt AGB Impressum © Cellesche Zeitung Schweiger & Pick Verlag Pfingsten GmbH & Co. KG