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Mord in Klein Hehlen? Statt Notruf zu wählen Messer gereinigt

Foto: Oliver Knoblich

Der Kriminalfall, den die Große Strafkammer am Landgericht juristisch aufzuarbeiten hat, sorgte im Sommer vorigen Jahres für großes Entsetzen – wieder ein Mord in Klein Hehlen? Von einer harmonischen Ehe und einer Kurzschlussreaktion spricht der angeklagte 68-Jährige zum Prozessauftakt.

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KLEIN HEHLEN. Mit getönter Brille und einem Krückstock betrat der Angeklagte den Sitzungssaal im Lüneburger Landgericht. Laut Anklage soll der 68-Jährige seine Ehefrau am 17. August in der gemeinsamen Wohnung aus niederen Beweggründen ermordet haben. Zwischen dem Paar soll es nach Auffassung der Staatsanwaltschaft einen knappen Monat vor der Tat zu einem handfesten Streit gekommen sein. Daraufhin trennte sich die 63-Jährige. Nachdem der Mann wiederholt zurückgewiesen wurde und Bemühungen, seine Frau zur Rückkehr zu bewegen, erfolglos blieben, habe er sie in die Wohnung gebeten – um das Mittagessen vorzubereiten. Dabei habe er der Ehefrau das Küchenmesser abgenommen und einen Streit provoziert. Der gipfelte darin, dass er seinem Opfer drei Stiche in Hals und Rücken versetzte.

Der gelernte medizinische Bademeister berichtete am ersten Prozesstag ausführlich vom großen Streit Ende Juli. Eine Banalität, um den hochgewachsenen Gummibaum führte zum Auszug. In den kommenden Wochen flatterten Schreiben vom Amtsgericht Celle und Anwälten ins Haus. Es stand sogar die Einweisung in eine Klinik im Raum, die der Tatverdächtige im letzten Moment verhinderte.

War das brutale Vorgehen eine Kurzschlussreaktion oder steckte ein jahrzehntelanger Streit dahinter? Die Auffassung des 68-Jährigen und die Aktenlage weichen hier weit voneinander ab. Eine Vielzahl von Zeugen widerlegt die These einer harmonischen Zusammenlebens. Die Strafkammer muss bei der Beweisaufnahme die fast vier Jahrzehnte dauernde Ehe beleuchten. Bei Verkündung des Haftbefehls sagte der Verdächtige selbst, dass die Trennung bei ihr neue Kräfte freigesetzt habe. Sie sei "regelrecht aufgeblüht".

Als der gebürtige Berliner auf den entscheidenden Tag zu sprechen kam, berichtete er von einer entspannten Gesprächsatmosphäre. "Es stimmt nicht, dass ich sie gelockt habe."

Das gemeinsame Gespräch bei einer Zigarette ließ zunächst nichts Schlimmes erahnen. Die 63-Jährige habe wegen einer bevorstehenden Operation nervös gewirkt. Er verließ den Raum, um kurz ins Badezimmer zu gehen. Dort habe er plötzlich Stimmengewirr und Schreie gehört. In der Küche geriet die Situation aus dem Ruder. "Sie stand mit dem langen Küchenmesser vor mir. Ich verspürte Panik. Es gab eine Rangelei. Dann spritzte mir das Blut entgegen. Ich stand völlig unter Schock und fand den Verbandskasten nicht."

Richter Franz Kompisch brachte seine Verwunderung über das eben Gehörte deutlich zum Ausdruck. Dass der Beschuldigte statt den Rettungsdienst zu rufen, das blutverschmierte Messer reinigte und gegenüber der Tochter am Telefon davon sprach, er habe ihr die Mutter genommen, sei unverständlich und nicht nachvollziehbar. Der ältere Herr erklärte, dass das ein Reflex gewesen sei, benutzte Dinge sofort zu reinigen. Richter Kompisch fand auffallend mahnende Worte: "Es fällt mir schwer, zu glauben, was Sie uns erzählen".

Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt. Dann werden Familienmitglieder, Ärzte und Polizisten aussagen. Das Urteil könnte am 3. Februar fallen.

Dagny Rößler Autor: Dagny Rößler, am 10.01.2017 um 17:03 Uhr
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