Engpass bei Antibiotika in Celle

Immer wieder komme es zu Engpässen bei bestimmten Arzneien.  Foto: Ralf Hirschberger

In China explodiert eine Fabrik und deshalb gehen in Deutschland die Antibiotika aus: Ein Szenario, wie aus einem Hollywoodfilm, das sich zurzeit in deutschen Krankenhäusern und Apotheken abspielt. Auch das Allgemeine Krankenhaus in Celle (AKH) war davon betroffen.

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CELLE. „Durch den Fabrikbrand in China standen bestimmte Wirkstoffe für eine längere Zeit nicht zur Verfügung, sodass bestimmte Arzneimittel von den Pharmafirmen nicht mehr produziert werden konnten“, sagt Dr. Bernard Usselmann, Leitender Apotheker des AKH.

„Im AKH hatten wir bis zum 30. Dezember 2016 Ware vorrätig. Neue Ware haben wir am 3. Januar erhalten. Letztendlich war unsere hausinterne Apotheke für wenige Tage mit zwei spezifischen Antibiotika nicht lieferfähig.“ Von dem Lieferausfall waren verschiedene Medikamente betroffen. „So konnten bestimmte Produkte aus den Gruppen der Antibiotika, Zytostatika und Impfstoffe nicht geliefert werden. Bei den Antibiotika handelte es sich um die Mittel Piperacillin, Tazobactam und Ampicillin sowie Sulbactam. Dieses Problem bestand beziehungsweise besteht deutschlandweit.“

Auch bei anderen Mitteln käme es immer wieder zu Lieferengpässen, wie die Deutsch Gesellschaft für Infektiologie (DGI) mitteilt. Solche Engpässe würden teilweise Monate andauern und könnten die Sicherheit der Patienten gefährden und außerdem die Resistenzentwicklung von Bakterien durch das Ausweichen auf Ersatz-Antibiotika weiter verstärken, warnt die DGI sowie der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA).

Verschiedene Faktoren seien für die auftretenden Lieferengpässe verantwortlich. „Ein Grund ist der extreme Preiswettbewerb, der vor allem bei generisch verfügbaren Wirkstoffen vorherrscht“, erklärt Dr. Martin Hug, Mitglied des Ausschusses Antiinfektive Therapie des ADKA. „Pharmazeutische Unternehmen verlagern die Produktion deshalb oft in Schwellenländer, die aber nicht über die hiesigen Sicherheitsstandards verfügen und deshalb anfälliger sind für Produktionsprobleme. Ein weiterer Grund für Lieferprobleme ist die Konzentration der Roh- und Wirkstoffproduktion in den Händen von immer weniger Anbietern.“ Auch die weltweit steigende Nachfrage nach bestimmten Antibiotika sei ein Grund für regelmäßig auftretende Engpässe.

Ist ein Medikament nicht erhältlich, müssen Patienten mit Alternativpräparaten behandelt werden, die aber unter Umständen schlechter wirken oder mehr Nebenwirkungen aufweisen, so der DGI. Die Patienten des AKH sollen durch den Engpass nicht zu Schaden gekommen sein, wie Usselmann berichtet. „Im AKH existieren Antibiotikatherapieleitlinien für die Behandlung von Infektionen. Für die verschiedenen Krankheitsbilder werden in der Regel gleichwertige Alternativtherapien aufgeführt, sodass zu jedem Zeitpunkt die Patienten leitliniengerecht behandelt wurden.“

Damit es dennoch weiterhin nicht mehr zu solchen Engpässen kommen kann, fordert der DGI das Eingreifen von Politik und Industrie. „Ein erster wichtiger Schritt wäre eine verbindliche Meldepflicht bei Lieferengpässen für die Industrie, sagt Dr. Matthias Fellhauer, Mitglied von ADKA. Denn derzeit seien Hersteller nicht verpflichtet, Versorgungsengpässe beim Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte zu melden. Zur Zeit bestünde nur eine freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie Engpässe dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und bei Impfstoffen dem Robert Koch Institut zu melden, sagt Usselmann. Dem DGI und ADKA ist das zu wenig, denn oft würden Krankenhausapotheken und Ärzte erst informiert, wenn keine Ware mehr vorhanden sein.

Michael Ottinger Autor: Michael Ottinger, am 11.01.2017 um 15:54 Uhr
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