Bouldern in Celle: Ohne Seil und Sicherung

CZ-Mitarbeiterin Amelie Thiemann klettert in der Celler CD-Kaserne in Absprunghöhe. Bouldern nennt sich der Sport.

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CELLE. Zögerlich greift meine linke Hand nach dem ovalen blauen Griff über meinem Kopf. Ich muss mich strecken, doch dann klammern sich meine Fingerspitzen an den rauen Kunststoff. Wirklichen Halt finde ich nicht. An die Wand gepresst, überlege ich mir meinen nächsten Move.

Mein linkes Bein ist jetzt gefordert: Noch stehe ich damit auf einem apfelgroßen Vorsprung. Vorsichtig verlagere ich mein Gewicht, sodass die Zehenspitzen des rechten Fußes die Last auf einen der blauen Griffe verteilen. Mein linkes Bein erscheint mir auf einmal bleischwer, nur mit größter Mühe hebe ich es ein Stück an. Dabei lehne ich mich nur wenige Zentimeter zurück, doch das reicht bereits aus: Meine Fingerspitzen rutschen vom rauen Kunststoff, ich verliere das Gleichgewicht – und falle.

„Wenn man sich verletzt, dann in der Regel nicht tödlich“, nennt Hans-Ulrich Wessel einen nicht ganz ernst gemeinten Vorteil von Bouldern. Der 45-Jährige leitet das Training an der Kletterwand des Deutschen Alpenvereins in der großen Halle der Celler CD-Kaserne. Jeden Dienstagabend treffen sich hier die Boulderer, um in Absprunghöhe an den künstlichen Felswänden zu klettern.

Seile, Gurte und Sicherungshaken sucht man bei diesem Klettersport vergeblich: Die Boulderer bewegen sich ohne jegliche Sicherung und begeben sich auf maximal 3,20 Meter Höhe. Eine blaue Linie dient als Orientierung und zieht sich entlang der gesamten Kletterwand. Sollte doch mal jemand stürzen, fangen ihn dicke blaue Matten auf.

Bevor es ernst wird, schlüpfe ich in spezielle Boulderschuhe. Die sind hauteng, flexibel und sollen mir an der Wand sowohl Bewegungsfreiheit als auch Stabilität geben. Wessel erläutert in der Zwischenzeit, was Bouldern überhaupt ist. Der Begriff leitet sich vom englischen Begriff „Boulder“ ab, was so viel wie „Felsblock“ bedeutet. Man klettert auf Absprunghöhe. „Der Körperschwerpunkt darf die blaue Linie nicht überschreiten“, mahnt der Celler. Trotz der Matten müsse man vorsichtig sein: „Man muss bewusst gucken, wo man landen würde.“

Was an den gelben und grau-blauen Kletterwänden auf den ersten Blick wie ein undurchsichtiges Gewirr aus Griffen in allen möglichen Farben und Formen aussieht, folgt tatsächlich bestimmten Mustern. „Jede Farbe bildet eine eigene Route“, ordnet Wessel das farbenfrohe Chaos. Klar definierte Start- und Zielgriffe geben der jeweiligen Route ihren Rahmen. Am obersten Griff, dem sogenannten „Top“, angekommen, hält man sich drei Sekunden lang kontrolliert fest. „Dann hat man das Problem gelöst“, fasst Wessel zusammen, worum es beim Bouldern geht.

Ich klettere einfach drauf los und achte anfangs gar nicht auf die unterschiedlichen Grifffarben. So mache ich es mir natürlich leicht und schaffe es schnell bis zur begrenzenden blauen Linie. Sobald ich wieder sicheren Boden unter den Füßen habe, klettere ich erneut los. Diesmal benutze ich nur die blaue Griffe und schaffe es bis zum obersten, der wie ein Elefantenkopf geformt ist. Zufrieden bejuble ich meinen Erfolg.

Helge Schwieger bouldert seit Jahren. Der 18-Jährige hat sich an diesem Abend ein schwieriges Problem gesucht, das er lösen möchte: Er will nur mit den Füßen auf Griffe treten und so die Wand entlang klettern. Die Hände darf er zwar an den Wänden, nicht aber an den Griffen abstützen. „Ich habe es schon einmal geschafft“, erzählt der Celler. Ich bin hingegen froh über jeden Halt und klettere ein letztes Mal zum Elefantenkopf.

Amelie Thiemann Autor: Amelie Thiemann, am 26.01.2017 um 10:27 Uhr
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