Politik ratlos angesichts der "Großbaustelle" Inklusion

Inklusion ist das Schulmodell der Zukunft – darüber herrschte am Montagabend Einigkeit auf dem Podium im Forum des Schulzentrums Burgstraße. Aber damit war es das dann auch schon fast mit der Einigkeit zwischen den drei Landtagsabgeordneten, einem Förderschulleiter sowie einer Elternvertreterin.

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CELLE. Der Celler Kreiselternrat (KER) hatte die von CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber und dem Schulelternratsvorsitzenden der Förderschule Sprache Hannover, Matthias Ahäuser, moderierte Diskussion unter das Motto „Inklusion - Bleibt die Bildung auf der Strecke?“ gestellt. Ronald Bahr freute sich als KER-Vorsitzender, unter den rund 170 Zuhörern Vertreter aller Parteien, zahlreiche Lehrer sowie mit Reinhard Toboll einen Repräsentanten des Landkreises als Schulträger begrüßen zu können. Gleichzeitig bedauerte er, dass die Landesschulbehörde nicht vertreten war. Von ihr hätte er sich auch eine Aussage dazu erhofft, warum angeblich noch immer keine aktuellen Zahlen zur Unterrichtsversorgung im laufenden Schuljahr vorliegen.

Anika von Bose für den Arbeitskreis Inklusion des Stadt- und Kreiselternrates und Bahr versuchten, anhand von Zahlen zu Soll- und Fehlstunden für Förderbedarfe die aus ihrer Sicht sowohl für Lehrer wie auch Eltern und Kinder gleichermaßen unbefriedigende Situation darzustellen. Über die sich anschließende Frage, wie der Weg zu einer tatsächlichen Inklusion aussehe, ob ein Moratorium sinnvoll sei und wie schnell die Schließung sämtlicher Förderschulen vorangetrieben werden solle, gingen die Ansichten auf dem Podium weit auseinander. Als wichtigste Komponente für die Lösung des Problems wurde von den Landtagsabgeordneten Michael Höntsch (SPD), Heiner Scholing (Grüne) und Kai Seefried (CDU) der Nachholbedarf bei der Versorgung mit Förderschul-Lehrern genannt. Nicht festlegen wollten sie sich auf eine Zahl, wie viele Jahre vergehen würden, bis tatsächlich ausreichend Lehrkräfte zur Verfügung stehen.

Hier wurde der Sonderpädagoge und Leiter der Celler Paul-Klee-Schule, Uwe Kirchner, konkreter. „Es wird fünf bis acht Jahre dauern“, prognostizierte er und ging in seiner Analyse des von Höntsch als "Riesenbaustelle" bezeichneten Inklusionsprojektes wesentlich weiter als die übrigen Diskutanten: „Die Tragweite der Entscheidung für die Inklusion ist gesellschaftlich nicht erkannt worden. Inklusion wird nur angehängt, wir haben ein Nebeneinander der Systeme, dessen Widersprüche nicht diskutiert werden“, betonte Kirchner, der im Vergleich zu den Politikern mit kurzen, aber umso aussagekräftigeren Redebeiträgen punktete.

Acht Schulen unterstütze seine Fördereinrichtung derzeit mit Lehrkräften, „und alle acht arbeiten anders – was die Kollegen im System leisten sollen, ist ungeklärt“, brachte Kirchner ein konkretes Beispiel aus dem Unterrichtsalltag. Die Bitte der Moderatoren an die Politik, zu diesem „Bericht aus der Praxis“ Stellung zu nehmen, wurde von den Vertretern der SPD und der Grünen mit dem Satz „Wir können das nicht beantworten, wir nehmen das mit nach Hannover zu den Entscheidungsträgern“ beantwortet. Eine Aussage, in der sich an diesem Abend die ganze Ratlosigkeit, die das Thema Inklusion von politischer Seite begleitet, widerspiegelte. Echte Antworten auf die aufgeworfenen Fragen hatte kein Politiker parat – im Gegenteil: Besonders die Vertreter der die Landesregierung stellenden Parteien mussten immer wieder einräumen, dass man noch weit vom Ziel einer echten Inklusion entfernt ist. Ihr Werben um Verständnis für die Komplexität der Situation stieß bei den Zuhörern dabei nur bedingt auf Zustimmung.

Anke Schlicht Autor: Anke Schlicht, am 14.02.2017 um 18:59 Uhr
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