Soldat mit zweiter Karriere

So kennen ihn die Menschen im Celler Nordkreis: Udo Genth für die Cellesche Zeitung im Einsatz. Foto: Tore Harmeing

Er war das Gesicht der Celleschen Zeitung im Nordkreis: Rund 20 Jahre hat Udo Genth aus diesem Bereich berichtet. In seiner Arbeitseinstellung war und ist er aber vor allem eins geblieben: Soldat.

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Viele kennen ihn nur als den Mann, der mit Stift, Block und Kamera auf den Veranstaltungen erscheint, um darüber zu berichten. Doch eigentlich ist das nur sein Hobby. Er hat eine lange Bundeswehrkarriere hinter sich, die ihn geprägt hat. Und das schätzte die Redaktion. Zu jeder Tages- und manchmal auch Nachtzeit konnte man ihn anrufen, und wenn nicht gerade die Welt zusammenbrach, sagte er nur: „Ich höre!“ und „Roger, ich bin schon auf dem Weg!“, sobald der Auftrag erteilt war. Pflichtbewusstsein ist eines der Wörter, das einem zu Udo Genth als erstes einfällt.

Der heute 76-Jährige ist ein Kriegskind, er kommt am 16. Februar 1941 in Berlin zur Welt. „Ich kann mich noch an die Bombennächte erinnern“, sagt er heute. Und an die Bomber, die nicht den Tod, sondern 1948 und 1949 in Form von Kohle und Lebensmitteln das Leben nach Berlin bringen. „Wir lernten, die Flugzeuge zu unterscheiden, und manche warfen Schokolade ab“, erzählt Genth. Vielleicht haben die Piloten der Luftbrücke seine Liebe zur Fliegerei geweckt, auf jeden Fall erklären seine Kindheitserfahrungen aber sein besonderes Verhältnis zum Luftbrückenmuseum in Faßberg. Er weiß besser als viele andere, wie wichtig das Fließband der Lüfte, das unter anderem aus dem Nordkreis startete, für die durch die Sowjets von der Außenwelt abgeschnittene Stadt gewesen ist.

Die Familie Genth lebt bis 1955 im Ostteil von Berlin, der Vater arbeitet als Maschinenbauingenieur im Westen. Nachdem er von einem guten Freund erfährt, dass man ihn in der DDR wegen der Arbeit im Westen im Auge hat, flüchtet sich die Familie schnell in den Westen. „Ich kam in ein Gymnasium bei Tempelhof. Meine Mitschüler stammten fast alle aus dem Ostteil“, erinnert sich Genth.

Im Jahr, in dem die Familie nach Westberlin zieht, kommt auch die Wiederbewaffnung in der Bundesrepublik. Viele junge Männer aus dem Bundesgebiet siedeln daraufhin nach Westberlin über, um nicht den Wehrdienst absolvieren zu müssen. Denn die Männer aus Berlin waren von der Wehrpflicht ausgenommen.

Udo Genth wählt den umgekehrten Weg. Er absolviert 1961 sein Abitur und geht dann sofort zur Luftwaffe. „Am Anfang versah ich meinen Dienst am Boden, aber bald begann die Ausbildung zum Piloten auf einer kleinen einmotorigen Maschine“, erzählt er.

Doch die Flugzeuge sind nur der erste Schritt. Er wird zum Hubschrauberpilot weitergebildet. 1967 kommt er zur Flugbereitschaft. Oft fliegt er Spitzenpolitiker zu ihren Terminen. Es sind aber nicht nur Politiker, für die er in die Luft geht. Er erinnert sich auch daran, wie er von Wunstorf im Eiltempo nach München geflogen ist, um ein Organ für eine Verpflanzung zu transportieren. Damals war das noch sehr ungewöhnlich. Das Team schaffte es offenbar rechtzeitig. „Meines Wissens nach hat der Patient überlebt“, sagt Genth.

Häufiger Gast im Sikorski-Hubschrauber von Udo Genth ist in dieser Zeit auch der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt. Für das Ehepaar Schmidt war Udo Genth offenbar ein guter Bekannter. „Loki Schmidt fiel es sogar auf, dass Udo eine neue Brille hat“, erinnert sich Ursula Genth. Sie ist während seiner Karriere die Frau an seiner Seite. Zusammen haben sie zwei Söhne.

Nach seinem Dienst bei der Flugbereitschaft durchläuft Udo Genth noch einige Stationen, ist unter anderem in Faßberg und Rendsburg in Schleswig-Holstein stationiert. In Faßberg gefällt es der Familie so gut, dass sie sich dort niederlässt und ein Haus kauft.

1997 wird Udo Genth als Oberstleutnant pensioniert. Es ist ein Jahr des Umbruchs, denn er und seine Frau Ursula trennen sich. Trotz der Scheidung verlieren sich die beiden nicht aus den Augen. „Wir haben die Familienfeste immer zusammen begangen“, sagt Ursula Genth.

Udo Genth arbeitet noch einige Jahre weiter für das Militär, wird Presseoffizier für die Nato bei Militärübungen. Dafür ist er unter anderem in Italien und Sarajevo stationiert.

Gleichzeitig startet seine zweite Karriere im Landkreis Celle. Mit einem Artikel „In eigener Sache berichtet“ stellt sich Udo Genth am 2. April 1997 den Lesern des Berger Anzeigers vor. „Meine Berliner Herkunft hat mir immer einen neugierigen Blick auf das Geschehen rundum bewahrt. Das Militär hat mich geprägt, aber ich bin alles anderes als ein Kommisskopf“, schreibt er damals.

Schnell ist er nicht mehr nur für den Berger Anzeiger, sondern auch für die Cellesche Zeitung tätig. Er berichtet über Kulturveranstaltungen, aus der Politik und natürlich über das Militär. So ist er zum Beispiel regelmäßiger Gast beim Standortschießen in Faßberg. „Es war eine schöne Zeit, denn man ist als Journalist immer dort, wo was los ist“, sagt Genth.

Er hilft der Redaktion nicht nur mit dem Wahrnehmen von Terminen, sondern oft genug auch mit Informationen und Bildern, die er in seinem Büro fein säuberlich dokumentiert und archiviert hat. Er archiviert auch alle seine Artikel. Eine lange Reihe von blauen Aktenordnern ist so zusammengekommen.

Es waren viele Termine, traurige und lustige, schöne und schlimme. Er hat sie immer engagiert und zuverlässig absolviert. Als zum Beispiel Neonazis in Gerdehaus ein Schulungszentrum errichten wollen, hilft Udo Genth mit, die Leser umfassend zu informieren, und sorgt auch schon mal für die Getränke, als die Kollegen in der prallen Sonne darauf warten, dass die Polizei die alte Gaststätte räumt.

Heute wird Udo Genth 76 Jahre alt, aus seiner Sicht ist es jetzt Zeit, den Job als Journalist an den Nagel zu hängen. „In diesem Jahr wird die CZ 200 Jahre alt und ich habe rund 20 Jahre als Journalist gearbeitet. Ich denke einfach, jetzt ist es genug“, sagte er kürzlich.

Der Redaktion wird seine Arbeitskraft fehlen. Udo Genth hat sich andere Dinge vorgenommen – lange Spaziergänge, mehr Zeit für seine beiden Enkel.

Das Leben im Celler Nordkreis wird weitergehen, Cellesche Zeitung und Berger Anzeiger werden über das Geschehen berichten. Aber die Geschichten müssen jetzt andere schreiben.

Lebenslauf

16. Februar 1941 Geburt in Berlin

1955 Übersiedlung der Familie Genth nach West-Berlin

1961 Abitur und Beginn der Karriere bei der Luftwaffe

1963 Ausbildung zum Piloten beginnt

1978 Stellvertretender Kommandeur in Goch bei der SAR-Leitstelle

1984 Personaloffizier in Faßberg

1997 Pensionierung als Oberstleutnant

Tore Harmening Autor: Tore Harmening, am 16.02.2017 um 10:49 Uhr
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Lebenslauf

16. Februar 1941 Geburt in Berlin 1955 Übersiedlung der Familie Genth nach West-Berlin 1961 Abitur und Beginn der Karriere bei der Luftwaffe 1963 Ausbildung zum Piloten beginnt 1978 Stellvertretender Kommandeur in Goch bei der SAR-Leitstelle 1984 Personaloffizier in Faßberg 1997 Pensionierung als Oberstleutnant

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