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Ausstellung „[p:lux] licht teilen“ mit Künstlerin Yvonne Klasen

An der Außenfassade des Kunstmuseums ist die Installation „Laut“ der Künstlerin Yvonne Klasen zu sehen.

„Wie kann man Licht teilen?“ Diese Frage steht im Mittelpunkt der Lichtkunst-Ausstellung „[p:lux] licht teilen“ im Kunstmuseum. 14 junge Künstler, alle Studierende bei Mischa Kuball an der Kunsthochschule für Medien in Köln, haben Antworten gefunden. In der CZ-Serie „Licht teilen mit…“ stellen sie ihre Positionen vor.

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CELLE. Herr Tur Tur ist eine irritierende Figur. Von fern betrachtet scheinbar riesig, schrumpft er auf Normalmaß, als Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer ihm näher kommen. Herr Tur Tur, eine übrigens großartige Schöpfung des Autors Michael Ende, ist ein „Scheinriese“ im Unterschied zu uns anderen, die somit zu „Scheinzwergen“ werden. Die Arbeit „Laut“ der Kölner Künstlerin Yvonne Klasen, die an der Außenfassade des Kunstmuseum Celle zu sehen ist, widerspricht bekannten Sinneserfahrungen in ähnlicher Weise. Die 32 Glühbirnen, aus denen das Kunstwerk besteht, leuchten umso heller, je ruhiger es in der Umgebung ist, es kommuniziert also antipodisch: Ist es laut in der Welt, verstummt es; ist es leise, strahlt es heller – synästhetisch ausgedrückt: lauter.

Platziert an einem Ort, an dem Kunst erfahren werden kann, verweist das Werk unmittelbar auf eine der wesentlichen Aufgaben ästhetischer Erfahrung, nämlich die, mit Gewohnheiten zu brechen und etablierte Denkmuster in Frage zu stellen: Hallo, komm ins Museum, ruft es uns zu, sei offen für Überraschungen, hier erwartet Dich Ungewöhnliches! In diesem Sinne erfüllt die Arbeit von Yvonne Klasen eine kommunikative Funktion, sie ist temporäre Reklame für das Kunstmuseum, genauer Leuchtreklame.

In „Understanding Media“ formulierte Marshall McLuhan seinen berühmten Satz „the medium is the message“: das Medium selbst ist die Botschaft und nicht etwa der medial vermittelte Inhalt. Seine innovative These verdeutlichte der kanadische Denker unter anderem anhand von Licht. Zweifelsohne habe Licht die Welt verändert, sei in den meisten Verwendungen jedoch ein inhaltsloses Medium. Licht, so McLuhan sei reine Information, außer es erhelle beispielsweise eine Werbebotschaft. Abweichend von diesem Diktum fallen bei „laut“ Medium und Botschaft in eins: Form und Inhalt sind identisch, die ontologische und die semantische Ebene sind deckungsgleich, das Licht ist Medium und Werbebotschaft zugleich.

Was kommuniziert und was die Kommunikation hervorruft, ist beides gleichermaßen sichtbar: Zwar scheint hier etwas, erweckt aber nicht den Anschein etwas zu sein, das es nicht ist. Trotz der Schwemme an elektronisch basierten Artefakten, die uns umgeben, ist dies ein eher seltenes Phänomen. Überwiegend nämlich verschleiern die zeitgenössischen apparativen Medien, die TVs, Computer, Smartphones, ihre Funktionsweisen und nehmen auf die Empfänger ihrer Botschaften zudem keine Rücksicht. Stumpf kommunizieren sie vorab festgelegte Informationskonserven in die Welt hinein und lassen sich lediglich an-, aus-, oder umschalten. Klasens Arbeit „laut“ hingegen nimmt sich nach der Kontaktaufnahme selbst wieder zurück. Sie reagiert feinfühlig auf ihre Umwelt, nimmt den anderen wahr und versucht nicht, das kommunikative Gegenüber zu überzeugen bzw. zu übertönen. In gewisser Weise ist „laut“ selbstlos und tatsächlich gibt es kaum Kunstwerke und nur wenige Medien, von denen dies gesagt werden kann. Laternen oder Leuchttürme können hier genannt werden, weil sie Orientierung bieten, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Gerade letztere sind interessant, weil sie kommunizieren, ohne etwas vorzuschreiben. Leuchttürme gehören zu den wenigen noch genutzten (Leit-)medien, die ihre Funktionsweise offenlegen und keine merkantilen oder manipulativen Absichten verfolgen.

Herr Tur Tur fand bekanntermaßen in der Heimat von Lukas und Jim eine Anstellung, die zu seinen außergewöhnlichen Eigenschaften als Scheinriese passte: Fortan arbeitete er auf Lummerland als ebensolcher, als Leuchtturm.

Marcel René Marburger

Marcel René Marburger Autor: Marcel René Marburger, am 17.02.2017 um 15:42 Uhr
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[p:lux] licht teilen

Yvonne Klasen (geboren 1980) lebt und arbeitet in Köln. Studium der freien Kunst an der Academie beeldende Kunsten Maastricht von 2004 bis 2008. Seit 2014 Postgraduierten-Studium an der KHM Köln. Die Installation von Yvonne Klasen ist zu erleben in der Ausstellung „[p:lux] licht teilen“. Bis 6. März im Kunstmuseum Celle. Weitere Informationen zu Ausstellung, Führungen und Begleitprogramm unter
Nächste Führung: Sonntag, 19. Februar, um 11.30 Uhr.

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