Traum einer Cellerin: "Politik soll Spaß machen"

Foto: Michael Schäfer

Mit 21 Jahren saß Inga Stephan das erste Mal im Kreistag. Nun ist sie 27 Jahre alt und zieht im Ortsrat Hehlentor mit Mitgliedern aller Parteien an einem Strang. "Wenn man Frauen und Jugendliche in der Politik nicht sichtbar macht, wird es schwierig, ihr Engagement zu gewinnen", sagt die Richterin. Junge Menschen könne die Lokalpolitik für sich gewinnen, wenn man sie konkret für ein Projekt begeistere.

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Mein Traum: Als ich noch ein Kind war, haben mich meine Eltern zur Wahl mitgenommen und immer alles erklärt, was auf dem Wahlzettel stand. In der Schule hatte ich Spaß am "Planspiel Demokratie". Da sind wir einen Tag nach Berlin gefahren, haben den Bundestag besichtigt und ausgerechnet, wie eine Partei auf so viele Sitze kommen kann. Nach dem ersten Jahr im Kreistag durfte ich meine erste Rede halten. Es ging um das Thema Gleichstellung, das mir am Herzen liegt. Der Frauenanteil im Kreistag beträgt etwa nur ein Drittel. Ich bin davon überzeugt, dass man junge Menschen und Frauen in der Politik sichtbar machen muss, sonst wird es schwierig, ihr Engagement zu gewinnen.

Mein Weg dahin: Mitten in meiner Abivorbereitung bin ich der SPD beigetreten, weil das Jahr 2009 mit der Europawahl und der Wahl zum Oberbürgermeister so spannend war. Seit 2011 sitze ich im Kreistag und im Ortsrat Hehlentor. Nun wurde ich zur zweiten stellvertretenden Ortsbürgermeisterin gewählt. Im Ortsrat behandeln wir Themen, die auf der Straße liegen und den Bürgern total wichtig sind: Müllecken an der Aller oder Parkplätze um das AKH herum. Wir Ortsratsmitglieder haben uns an einer Spielstraße mit der zuständigen Kontaktbeamtin verabredet, um zu sehen, wie die Autofahrer da durch rasen. Solche Vor-Ort-Termine sind so eindrucksvoll, danach finden wir immer zusammen eine Lösung.

Das Problem: Häufig herrscht unter Jugendlichen die Unwissenheit, was Lokalpolitik alles bewegen kann und dass es oft um die kleinen Veränderungen vor Ort geht und nicht um tiefgreifende Diskussionen. Junge Menschen sind aber auch häufig so mit ihrer Ausbildung beschäftigt, dass für sie ein Zeitraum über fünf Jahre unüberschaubar ist. Politik soll Spaß machen, aber nicht mein ganzes Leben bestimmen. Beruflich will ich lieber als Richterin weitermachen und mich um die Familienplanung kümmern.

Das tue ich dagegen: Ziel muss es sein, die Politikverdrossenheit aufzubrechen. Mit den Jusos habe ich schon Nachtwahlkampf gemacht. Dann ziehen wir durch Kneipen und fragen Jugendliche, wo bei ihnen der Schuh drückt. Die persönlichen Gespräche kommen gut an und müssen nicht unbedingt in großen Debatten enden. Die Politik muss sich öffnen und Themen finden, bei denen Jugendliche für einzelne Projekte begeistert werden können. Während der vergangenen Kommunalwahlen waren die Parteien erstmals mit Podiumsdiskussionen und Wahlkampfständen auf Schulhöfen in Celle präsent. Davor haben wir über drei Monate einen Crashkurs über Politik für "10 unter 20" angeboten. Am Ende sind zwei Jugendliche eingetreten, aber bei den anderen haben wir zumindest das Verständnis für Politik geweckt.

Dagny Rößler Autor: Dagny Rößler, am 17.02.2017 um 16:45 Uhr
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