Finanz-Skandal bei Wathlinger Schützen

Der Schützenverein Freischütz Wathlingen wird von einem handfesten Finanz-Skandal erschüttert: Dem langjährigen Kassenwart wird vorgeworfen, in die Kasse des Vereins gegriffen zu haben. Inzwischen ermittelt die Celler Staatsanwaltschaft.

WATHLINGEN. Oberstaatsanwalt Lars Janßen sagte der CZ, dass ein Verfahren gegen einen 53-jährigen Mann aus Wathlingen geführt werde, der seit dem Jahr 2011 erster Schatzmeister des Vereins war. „Ihm wird vorgeworfen, in seiner Eigenschaft als verantwortlicher Schatzmeister Geldbeträge vom Vereinskonto abgehoben sowie Barspenden und Einnahmen des Vereins teilweise nicht der Hauptkasse zugeführt und die jeweiligen Gelder für sich verbraucht zu haben“, so Janßen. „Der im Rahmen einer außerordentlichen Kassenprüfung festgestellte Gesamtschaden soll bei zirka 7700 Euro liegen“, sagte der Oberstaatsanwalt. Der rechtliche Vorwurf lautet Untreue.

Der Vereinsvorsitzende Erhard Oehns sagte, im vergangenen Jahr sei aufgefallen, dass Beträge auf dem Vereinskonto fehlen. „Im September werden immer die Jahresbeiträge der Mitglieder eingezogen. Auf dem Konto hätten 8000 oder 9000 Euro sein müssen. Sie waren aber nicht da.“ Er habe daraufhin das Gespräch mit dem Schatzmeister gesucht. „Er konnte es mir nicht erklären.“ Der Vorsitzende hat schließlich das gesamte Kassenjahr und auch die Vorjahre unter die Lupe genommen. Mit erschreckendem Ergebnis: „Regelmäßig wurde Geld abgehoben. Mal 100, mal 150, mal 200 Euro.“ Für die letzten drei Jahre sei ein fehlender Betrag von 7700 Euro zusammengekommen. Ob davor weitere Gelder abgezweigt wurden, lasse sich für den Verein heute nicht mehr nachvollziehen.

Oehns betont die Tragik der Geschichte. Der Kassenwart habe „extrem viel im Verein gemacht“, er sei sehr engagiert gewesen. Viele Mitglieder sollen angesichts des Vertrauensbruchs schockiert gewesen sein.

Schließlich berief der Verein Ende 2016 eine Mitgliederversammlung ein. Dort wurde entschieden, dass keine Anzeige erhoben wird, „wenn er die Summe zurückzahlt“. Dazu soll sich der ehemalige Schatzmeister bereit erklärt haben. „Der Beschuldigte soll ein notarielles Schuldanerkenntnis über eine Summe von rund 6000 Euro abgegeben und bereits Rückerstattungen in Höhe von mehr als 4000 Euro an den Verein geleistet haben“, sagte Oberstaatsanwalt Janßen.

Doch offenbar waren nicht alle im Verein mit dem Vorgehen, auf eine Anzeige zu verzichten, einverstanden. Jedenfalls gab es eine anonyme Anzeige bei der Polizei. Die Ermittlungen laufen noch. Der Vorsitzende Oehns wurde bereits als Zeuge angehört.

Der ehemalige Schatzmeister des Vereins wollte sich gegenüber der CZ nicht zu den Vorwürfen äußern.

Am Samstag findet beim Schützenverein Freischütz Wathlingen die Jahreshauptversammlung statt. Ein Punkt der Tagesordnung wird der Ausschluss von Mitgliedern sein. Der Beschuldigte war zwar von seinem Amt als Schatzmeister zurückgetreten, „aus gesundheitlichen Gründen“, wie es offiziell hieß. Mitglied ist er aber immer noch. Das dürfte sich ändern.

Simon Ziegler Autor: Simon Ziegler, am 17.02.2017 um 18:05 Uhr
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Immer wieder

Dass Kassenwarte in die Vereinskasse greifen, kommt immer wieder vor. Im Januar 2014 wurde bekannt, dass der Kassenwart der Feuerwehr Eschede die Konten geplündert hat. Der Schaden soll im vierstelligen Bereich gelegen haben. Auch beim Förderverein Freibad Eschede wurden Gelder veruntreut. 2013 wurde festgestellt, dass Geld auf dem Vereinskonto fehlt. Der Kassenwart hatte Gelder veruntreut, der Schaden war fünfstellig. Beim Kreisfeuerwehrverband flog Ende 2010 auf, dass der damalige Kassenwart rund 8000 Euro in die eigene Tasche gesteckt hatte. Der Mann hatte in seinem Job als Banker die Sparda-Bank um 624.000 Euro erleichtert. Um den Schaden bei seinem Arbeitgeber zu verschleiern, griff er auf die Konten der Feuerwehr zurück.

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