CZ-Mitarbeiterin trifft beim Luftgewehrschießen ins Schwarze

Luftgewehrschützin Isabell Ruschel (links, großes Foto) beobachtet die ersten Schießversuche von CZ-Mitarbeiterin Amelie Thiemann noch kritisch. Der fällt es gar nicht so leicht, das winzige Ziel zu treffen. Foto: Alex Sorokin (3)

Isabell Ruschel greift in das Döschen mit der Munition und fischt eine graue Patrone heraus, die an einen winzigen Eierbecher erinnert. Der Lauf des Luftgewehrs liegt währenddessen auf einem Ständer auf. Routiniert schiebt die 17-Jährige das Projektil ins Patronenlager und betätigt den türkisen Verschlusshebel. Die geladene Waffe hebt sie kontrolliert hoch und presst die Schaftkappe, den hinteren Teil des Gewehrs, in die Beuge zwischen Schulter und Schlüsselbein.

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WIECKENBERG. Dann atmet die Schützin ein und aus. Immer wieder nimmt sie tiefe Atemzüge. Dabei schaut sie auf den Boden und ignoriert die Zielscheibe in zehn Metern Entfernung. Nach einigen Sekunden hebt sie den Blick und guckt mit dem rechten Auge durch das Zielfernrohr. Isabell atmet ein weiteres Mal aus – und drückt ab.

Wer beim Luftgewehrschießen an wildes Geballer denkt, wird beim Training der Wieckenberger Schützen im Vereinsheim enttäuscht. Isabell führt jede Bewegung mit Bedacht aus, Hektik kommt bei ihr nicht auf. Die Deutsche Jugendmeisterin im Luftgewehrschießen ist sich stets bewusst, womit sie da hantiert. „Die Verantwortung ist riesengroß, das ist schließlich eine Waffe“, sagt die Wietzerin.

Während die Sportschützin immer wieder ihre Waffe lädt, anlegt und auf die beigefarbene Pappzielscheibe feuert, erläutert mir ihr Vater und Trainer Horst-Dieter Ruschel, worauf ich beim Schießen achten muss. „Die Wiederholungsgenauigkeit ist das Wichtigste“, betont der Vorsitzende des Bundesligisten SV Wieckenberg. Dafür sei es unabdingbar, nach dem Schuss noch einige Sekunden mit dem Gewehr in derselben Position zu verharren. Durch das Nachzielen verinnerlicht man die Haltung und kann einen guten Treffer beim nächsten Versuch reproduzieren.

Zwischen den Schüssen drückt Isabell auf einen Kippschalter an der Zuganlage, in welcher der Streifen mit zehn Zielscheiben eingespannt ist. Geführt von Seilen saust der Streifenhalter von der gegenüberliegenden Wand auf die Sportlerin zu. Ein Blick genügt, und Isabell weiß, was sie verbessern muss.

Dann bin ich an der Reihe. Voller Respekt schlüpfe ich in die schwarzen Schuhe mit flacher Sohle sowie in die steife Leinenhose und -jacke, die mir Isabell für mein erstes Schießtraining überlässt. Muss das so unbequem und schwer sein? „Ja, denn damit steht man sicher“, erläutert Horst-Dieter Ruschel. Man soll sich kaum bewegen können. Dadurch werden winzige Körperbewegungen vermieden und der Schuss bleibt auf Kurs. Ein Stirnband mit einer milchigen Augenblende, eine blaue Neopren-Sonnenblende und fingerlose Handschuhe komplettieren mein Outfit.

So ausgestattet bringe ich mich in Position. Ich stelle mich seitlich zur Zielscheibe und drehe meinen Oberkörper. Mein linker Arm ruht auf meinem Hüftknochen und stützt den Gewehrlauf. Isabell schiebt für mich die Patrone ins Lager und betätigt den Verschluss. Ich atme bewusst tief ein und aus. Dabei schaue ich durch das Zielfernrohr und versuche die Waffe so zu halten, dass der Ring im Zielfernrohr die schwarze Zielscheibe umrandet. Das gelingt mir nur für wenige Millisekunden, schon mein nächster Atemzug lässt das Gewehr wackeln. Das Zittern nimmt zu und ich muss das fünf Kilogramm schwere Gewehr auf dem Ständer ablegen. „Genau richtig, das wäre eh nichts mehr geworden“, urteilt Horst-Dieter Ruschel.

Ich lege nochmal an. Diesmal blende ich meine Umgebung aus und konzentriere mich nur darauf, den Ring im Fernrohr optisch um die Zielscheibe zu legen. Als die Luft meinen Lungen entweicht, ist es soweit. Der Ring liegt vermeintlich perfekt um den schwarzen Fleck – und ich drücke ab. Mit einem Klicken löst sich der Schuss. Isabell tippt auf den Schalter der Zuganlage. Mein Treffer hat den Pappstreifen außerhalb des Zielkreises durchbohrt. Vom Ehrgeiz gepackt lade ich nach und lege an. „Unbedingt nachhalten“, erinnert mich Horst-Dieter Ruschel. Erst als ich mir sicher bin, dass ich nicht mehr wackle, drücke ich ab. „Eine Fünf“, teilt mir Isabell mit. Nach einigen Versuchen treffe ich sogar zwei Mal hintereinander die 0,5 Millimeter große Zehn. Ich verstehe den Reiz des Sports: Jeder Schuss ist für mich wie eine kleine Meditation. Oder wie Isabell es formuliert: „Jeder Schuss ist wie ein Kuss auf den Mund.“

Amelie Thiemann Autor: Amelie Thiemann, am 28.02.2017 um 17:06 Uhr
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