Kinderuni in Celle beschäftigt sich mit Gentechnik

Professor Dr. Rita Gross-Hardt von der Universität Bremen erläutert die Anwendungsmöglichkeiten der Gentechnik. Foto: Oliver Knoblich

„Was ist eigentlich Gentechnik?“ So lautete die Frage der vergangenen Kinderuni-Vorlesung. Professor Dr. Rita Gross-Hardt von der Universität Bremen, Fachbereich Biologie/Chemie, brachte den jungen Studenten die anspruchsvollen Grundlagen der Gentechnik so nahe wie möglich.

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CELLE. Los ging es mit grundsätzlichen Informationen: „Der Bauplan eines Lebewesens ist in Form von Genen, auch DNA/DNS oder Erbsubstanz genannt, in jeder Zelle festgeschrieben. Sie sind die Träger der individuell ganz unterschiedlichen Erbsubstanz. Die Zellen verfügen aber nicht nur über diesen genetischen Bauplan, sondern auch über Eiweiße, die diesen Bauplan zerschneiden und wieder zusammenfügen können. Die Gentechniker haben sich diese Methoden zu Nutze gemacht, um Gene gezielt neu zu kombinieren.“

Das Zentrum einer jeden Zelle ist der Zellkern. Wenn man den Zellkern sehr stark vergrößert, erkennt man eine wendeltreppenartige Struktur, die DNA. Die einzelnen „Treppenstufen“ dieser Struktur sind die sogenannten Basen, von denen es vier gibt (Adenin, Guanin, Cytosin, Thymin). Die einzelnen Gene unterschieden sich in der Abfolge ihrer Basen. Ein Gen hat zwischen wenigen hundert und über zwei Millionen Basen. Alle Lebewesen sind aus Zellen aufgebaut und jede Zelle enthält alle Basen, allerdings treten diese immer in einer anderen Reihenfolge auf. Das macht jedes Individuum so einzigartig.

Nach diesen einführenden Informationen stellte Gross-Hardt ihren jungen Zuhörern zwei Anwendungsfelder in der Gentechnik näher vor. In der Medizin werden mit gentechnischer Hilfe zum Beispiel Impfstoffe wie Insulin hergestellt. Davon profitieren übrigens weltweit 194 Millionen Diabetiker. Weiterhin gibt es die Grüne Gentechnik („Genfood“). Sie wird benutzt, um insbesondere den Vitamin-A-Mangel in Entwicklungsländern zu bekämpfen. Dem Reis zum Beispiel fehlen drei Gene, um Vitamin A zu bilden. Der Forscher Ingo Potrykus wollte diese fehlenden Gene in die Reispflanze integrieren, was ihm auch gelang. Allerdings wurde die Kultivierung seines „Golden Rice“ abgelehnt. „Aber warum denn das?“, wollte die 8-jährige Anna aus dem Publikum wissen. Gross-Hardt erklärte: „Viele Menschen sind gegen Gentechnik, da sie diese Methoden für einen Eingriff in die Schöpfung halten und vor einer Erschaffung von ‚Monsterpflanzen‘ Angst haben.“

Text von Lea Madeleine Harbott:

CELLE. Vergangenen Dienstag erklärte Professor Dr. Rita Groß-Hardt von der Uni Bremen den Kinderakademiebesuchern in der Celler CD-Kaserne die Gentechnik.

Nach einer Einleitung fragte Professor Groß-Hardt: ,,Was ist eigentlich ein Gen?“ ,,Gen ist wie eine Bauanleitung des Körpers“, wurde unter anderem aus dem Publikum gerufen. Gentechniker machen nichts anderes, als Buchstaben zu neuen Wörtern zusammenzukleben und somit etwas Neues zu bauen. Dafür braucht man Schere, Kleber sowie Gene und hierfür einen Kopierer (zum Vergrößern).

Ein Mensch hat genau wie ein Schaf Zellen in seinem Körper, die aussehen wie Bausteine. In jedem Baustein ist ein grauer Punkt, und wenn man diesen noch weiter vergrößert, sieht man eine Art Wendeltreppe in ihm. Die verschiedenen Treppenstufen gibt es in unterschiedlichen Basen. Man nennt sie Basis A, Basis T, Basis C und Basis G. In einer Treppenstufe sind circa zwei Millionen Gene enthalten. Würde man alle Wendeltreppen, die man in seinem Körper hat, aneinander binden, würde eine Strecke 1000 mal von der Erde bis zur Sonne entstehen. Das alles passt in den Körper, weil die Wendeltreppen sehr schmal sind. In einem Salat der 500 Gramm wiegt, ist die unvorstellbar große Anzahl von hunderttausend Milliarden Genen enthalten. Die DNA/DNS-Buchstabenabfolge bestimmt zum Beispiel welche Augen- oder Haarfarbe wir haben.

Den Zuckerkranken (Diabetikern) haben Gentechniker geholfen, wieder gut weiterleben zu können. Da die Bauchspeicheldrüse Insulin erzeugt, und viele Leute Probleme mit der Bauchspeicheldrüse haben, wenn sie nicht mehr richtig funktioniert, müssen sie sich Insulin spritzten. Vor 40 Jahren noch kam das Insulin aus Schweinen, wogegen aber viele Leute allergisch reagierten und 100 Schweine pro Jahr für einen Diabetiker geschlachtet wurden. Erst dann merkten die Gentechniker, dass es so nicht weitergehen konnte. ,,Sie kamen auf den Gedanken, dass man Insulin aus Bakterien nehmen könnte, da sie sich auch so gut vermehren“, so Professor Groß-Hardt. Das zeigt, wie wichtig die Gentechnik für uns Menschen ist.

Am Dienstag, 14. März, um 16.30 Uhr werden Professor Dr. Daniel Fischer und Professor Dr. Carla Wichmann von der INFU (Institut für Umweltkommunikation) die Kinder über den Plastikmüll im Meer aufklären.

Frida Maecker und Lea Madeleine Harbott Autor: Frida Maecker und Lea Madeleine Harbott, am 02.03.2017 um 12:46 Uhr
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Collegium Cellense

Wie in der Vergangenheit auch, berichten die
CZ-Kinderreporter Frida Maecker (Foto) und Lea Madeleine Harbott über die Kinder­akademie „Collegium Cellense“. Beide Artikel werden auf der Homepage der Celleschen Zeitung veröffentlicht, einer erscheint in der Printausgabe.

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