Beim Handball auf Tuchfühlung mit dem Gegner

Gleich beim Aufwärmen wird mir klar: Dieser Sport ist nichts für Weicheier. Mit vier Handballerinnen des HBV 91 Celle bilde ich ein Team, zehn Mal sollen wir uns den Ball zuspielen. An sich eine lösbare Aufgabe, wären da nicht unsere fünf Gegner. Als Trainer Wolfgang Kaplick die Übung anpfeift, saust Tina Kaltwasser auf mich zu. Die Torhüterin der Damenmannschaft versperrt mir die Sicht. Kaum gehe ich einen Schritt zur Seite, folgt mir die hochgewachsene Handballerin.

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CELLE. Währenddessen passen sich meine Mitspielerinnen den Ball zu, doch auch sie werden immer wieder dabei gestört. Ich möchte ihnen helfen und den Ball ebenfalls fangen. Energisch dränge ich mich an Tina vorbei – geschafft. Zum ersten Mal habe ich freie Sicht. Gerade als ich die Arme hochreiße, um meine Bereitschaft zum Fangen zu signalisieren, schlingt Tina ihre Arme um mich und drückt meine wieder herunter. Ich winde mich in ihrem Klammergriff, aber Tina lässt nicht locker. Alle meine Befreiungsversuche schlagen fehl. Immerhin schafft es mein Team auch ohne mich, den Ball zehn Mal zu passen.

„Man muss Körperkontakt ertragen“, bestätigt Wolfgang meine Erfahrung. Der Vereinsvorsitzende muss es wissen, schließlich spielt er selbst seit seinem 15. Lebensjahr Handball. Damit ich mein erstes Training stilecht absolviere, drückt mir der Coach ein blaues Trikot mit der Nummer 18 in die Hand. „Wir machen kein Anfänger-Training, Du steigst gleich voll ein“, lässt mich Wolfgang wissen. Ich streife mir das Trikot über und stelle mich der Herausforderung.

Nach dem Zehnballspiel sind wir aufgewärmt. Mit Bänken, Matten und Hanteln bauen die Mädels in Windeseile einen Parcours fürs Zirkeltraining auf. Sit-Ups, Liegestütze und eine Übung für die hinteren Oberschenkelmuskeln stehen unter anderem auf dem Programm und bringen mich ins Schwitzen. Wolfgang stoppt die Zeit und treibt seine Mannschaft zu mehr Wiederholungen an. An der Langhantel fehlt mir die korrekte Technik und so schaffe ich es nur einmal, die Stange in die Luft zu stemmen. So kommt es mir entgegen, dass anschließend wieder der Handball im Mittelpunkt steht.

Zusammen mit Sophie Löber spiele ich mich ein. Der grün-gelbe Ball ist weicher als erwartet. „So kann man besser greifen“, erläutert der Trainer. Sophie schaut genau hin und gibt mir Tipps für meine Wurftechnik. „Den Ellbogen auf Kopfhöhe“, weist sie mich an. Schon fliegt der Ball in einem schöneren Bogen. Schwieriger wird es, als wir mit der linken Hand die Pässe werfen. „Das ist erstmal ungewohnt“, sagt Wolfgang, nachdem mein Ball einige Meter von Sophie entfernt gegen die Hallenwand geprallt ist. Ein paar Würfe brauche ich, um mich daran zu gewöhnen. Dann klappt es mit links.

Den Rhythmus für den Sprungwurf haben meine Füße schneller raus. Ich treffe erneut auf Tina, die diesmal im Tor steht. Selbstbewusst mache ich es den Handballerinnen nach und laufe aufs Tor zu. Im Kopf kommentiere ich meine Schritte und den Bewegungsablauf: Links, rechts, links, Sprung und Wurf. Ich ziele auf die untere rechte Ecke, hebe vom Boden ab und lasse meinen rechten Arm mit dem Ball vorschnellen. Dann lasse ich los. Tina hat längst mein Ziel erkannt. Mit ihrem linken Bein und Arm füllt sie die Torecke aus, mein Ball prallt an ihr ab. Lob bekomme ich trotzdem. „Das war doch schon ganz gut“, sagt Wolfgang aufmunternd.

Nach einigen Angriffsversuchen werde ich in der Abwehr auf den Prüfstand gestellt. Ich stehe am Kreis und verteidige Außenrechts. Vier Gegnerinnen versuchen, an uns vorbei zu kommen. Als gegnerische Kreisläuferin wartet Stella Koerth neben mir auf ihre Chance. Mir gegenüber fängt Pia Wolschendorf den Ball und stürmt auf mich zu. Ich recke mich, reiße die Arme hoch und beobachte Pias Bewegungen. Die spielt den Ball ab. Stella wittert neben mir ihre Chance. Ich erinnere mich ans Aufwärmspiel und umklammere die Sportlerin. Fangen kann sie so nicht mehr. Dabei berühre ich die deutlich kleinere Stella am Hals. „Das ist nicht erlaubt“, ermahnt mich Wolfgang. Im echten Spiel hätte ich eine Strafe bekommen. Handball istruppig, der Körperkontakt orientiert sich dennoch an Regeln. Als Lektion nehme ich mit: Anfassen ja, aber bitte richtig.

Amelie Thiemann Autor: Amelie Thiemann, am 08.03.2017 um 12:24 Uhr
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