Hideyo Harada gibt Konzert in Celle

Hideyo Harada

Wenn am Dienstag um 20 Uhr die Pianistin Hideyo Harada auf die Bühne des Schlosstheaters kommt, dann erwartet das Publikum unter dem unausgesprochenen Titel „Wandern und Suchen“ ein originelles Programm.

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CELLE. Es umfasst drei sehr unterschiedliche Facetten romantischer Klaviermusik und ergänzt diese durch die Bearbeitung eines berühmten Barockstückes ganz im Sinne spätromantischen Denkens: die d-moll-Chaconne für Violine von Johann Sebastian Bach in der Klavierfassung von Ferruccio Busoni.

Während bei der Chaconne ein kurzes Thema in immer neuen Varianten durch das Stück wandert, ist der Aspekt der Variation bei der den Abend beschließenden Sammlung von „Variationen eines Corelli-Themas“ von Sergej Rachmaninow bereits im Titel präsent. Dass Rachmaninow in seiner nachromantischen Schreibweise mit dem Corelli-Thema auf Musik des Barock zurückgreift, lässt Beginn und Ende des Konzerts zu einer inneren Einheit zusammenwachsen, was im Idealfall auch für den Zuschauer nachvollziehbar werden soll.

Im Zentrum des Abends steht je ein Werk von Franz Schubert und Franz Liszt. Bei Schuberts „Wanderer-Fantasie“ sind die variierenden Wiederholungen des Hauptthemas formbestimmend, weil gliedernd. Im Grunde entwickelt sich das musikalische Wanderer-Thema in Schuberts Stück kaum weiter und vermittelt daher eine gewisse Sinnfreiheit der Bewegung. Die Bewegung, das Wandern also, wird hier zum Selbstzweck.

Dieses Stück passt auch auf Schuberts eigene Lebenssituation als jemand, der annähernd jedes Jahr umgezogen ist. Das macht dieses Programmkonzept noch schlüssiger. Keine Frage: Gerade bei Schubert hat das musikalische Motiv des „Wanderns“ immer auch mit „Suchen“ zu tun. Hier ist eben auch Wandern als Suche nach sich selbst gemeint. Dieser Wanderaspekt ist bei dem Rachmaninow-Stück sogar noch stärker ausgeprägt. Rachmaninow hat das Stück als Ausgewanderter im amerikanischen Exil geschrieben, in einer Haltung, so Harada „von lächelnder Hoffnungslosigkeit und hellsichtiger Einsicht, dass er nun dort seinen inneren Frieden machen müsse.“

Ein wenig anders stellt sich die Wander- und Sinnsuchproblematik bei Franz Liszt dar. Liszts „Vallee d’Obermann“ aus den „Annees de Pelerinage“, zu deutsch Wander- oder Pilgerjahre, ist nicht nur eine musikalische Wanderung. „Die drei Stücke der in diesem Programm vertretenen Komponisten des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts sind Zeugnisse der Sinnsuche des jeweiligen Komponisten. Und, vielleicht kann man das sagen: Beim Bach am Anfang des Abends sucht das Thema der Chaconne selbst im Verlauf des Stückes seinen Sinn.“

Beim Gespräch mit der Pianistin fällt kein einziges Wort darüber, dass dieses oder jenes Stück aus bestimmten Gründen so oder so platziert werden müsste, um sich besser präsentieren zu können. Umso mehr fällt auf, dass dieses Konzert zwar in jeder Hinsicht höchst anspruchsvoll ist, Hideyo Harada aber trotzdem nicht viel Aufhebens um diese Tatsache machen möchte. Sie wirkt bescheiden und in sich ruhend. Und man darf hoffen, dass ihr Live-Spiel in ähnlichem Maße in die Tiefe gehen möge wie ihre CDs mit den Schubert- und Rachmaninow-Stücken das erwarten lassen.

Reinald Hanke Autor: Reinald Hanke, am 17.03.2017 um 12:38 Uhr
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