Wölfe machen Schäfern Probleme im Celler Land

Vor einem vollen Saal diskutierten: (von links) Schäfermeister Gerd Jahnke aus Eimke, Konstantin Knorr vom Umweltministerium Hannover, Theo Grüntjens, ehemaliger Leiter der Forstverwaltung bei Rheinmetall und Wolfsbeauftragter im Landkreis Uelzen, sowie der Grünen-Landtagsabgeordnete Heiner Scholing aus Uelzen. Foto: Anne Friesenborg

Das Interesse am Wolf ist nach wie vor riesig groß. 100 Stühle waren im Saal des Ludwig-Harms-Hauses aufgestellt, doch die reichten nicht. 170 Zuhörer verfolgten am Freitagabend die Wolfs-Veranstaltung des Ortsverbands Nordkreis von Bündnis 90/Die Grünen, viele beteiligten sich an der Diskussion.

HERMANNSBURG. Theo Grüntjens, Wolfsberater und bis 2016 Leiter der Forstverwaltung Rheinmetall, hatte die Entwicklung der Wölfe in Niedersachsen von der ersten Sichtung 2006 bis heute nachgezeichnet. „Der Wolf ist in der gesamten Fläche angekommen“, sagte er mit Blick auf die Heide. Eine Wolfsfamilie bestehe aus acht bis zehn Tieren, die ein Territorium von 200 bis 300 Quadratkilometern bestreifen. Nutztierrisse trügen zu weniger als einem Prozent zu ihrer Ernährung bei. „Sie machen aber 99,9 Prozent der Probleme aus, die wir haben“, sagte Grüntjens.

Schäfermeister Gerd Jahnke aus Eimke stellte nachdrücklich klar, er sei nicht gegen Wölfe. Er sagte aber auch: „Weidetierhaltung und Wolfsmanagement funktionieren so nicht“. Der Halter zweier Herden mit rund 1500 Mutterschafen, die er mit seiner Tochter, drei angestellten Schäfern und einem Auszubildenden betreut, hatte einen ersten Wolfsübergriff 2013 und sechs Übergriffe 2016 zu verzeichnen. Erst am Donnerstag hatte ein Wolf bei seiner Ellerndorfer Herde Ziegen und Schnuckenlämmer gerissen.

Jahnke führt die Zunahme der Wolfsübergriffe auf die steigende Zahl der Wölfe in der Region zurück. Er schilderte, dass nach einem Übergriff der Wolfsberater komme und erst die Höhe des Zauns nachmesse. Die Auswertung der aufgenommenen DNA-Spuren dauere viel zu lange.

Jahnke hat Herdenschutzhunde angeschafft. Die Kosten bezifferte er auf 1000 Euro pro Hund und Jahr. Pro 100 Schafe sei ein Hund vorgesehen. Doch die reagierten auch auf Jogger oder würden von Spaziergängern provoziert. „Das lässt sich nicht durchführen“, lautete sein Fazit. Jahnke verwahrte sich gegen Aussagen von Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel, die suggerierten, er sei zu dumm zum Zaunaufstellen. „Das lassen wir künftig nicht mehr mit uns machen“, sagte der Schäfermeister.

Diplom-Biologe Konstantin Knorr vom Umweltministerium in Hannover stellte in Aussicht, dass in diesem Jahr ein überarbeiteter Wolfsmanagementplan veröffentlicht werde. Der alte stammt noch aus der Zeit vor der Rückkehr der Wölfe. Schon jetzt stehe das Wohl des Menschen an erster Stelle. Auch soll in diesem Jahr ein Herdenschutzteam eingerichtet werden, das nach Wolfsübergriffen Schafhalter rasch unterstützen kann.

Moderatorin Viola von Cramon musste während der Veranstaltung einmal bremsend eingreifen. Es gehe in der Diskussion darum, die unterschiedlichen Positionen anzuhören, hatte ihr Parteikollege, der Grünen-Landtagsabgeordnete Heiner Scholing aus Uelzen, zu Beginn gesagt.

Joachim Gries Autor: Joachim Gries, am 19.03.2017 um 20:43 Uhr
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