Sommernachtstraum im Schlosstheater

Natascha Heimes als „Titania“, Maurizio Micksch als „Zettel“. Foto: Alex Sorokin

Es ist schon ein ziemliches Verwirrspiel, das da in Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtstraum“ stattfindet: Hermia liebt Lysander, Lysander liebt Helena, Helena liebt Demetrius, Demetrius liebt Hermia, biedere Handwerker proben ein Theaterstück und im Reich der Feen und Elfen bringt Puck mit dem Staub einer Zauberblume eh alles durcheinander. Gar nicht so leicht, da noch die Übersicht zu behalten. Aber vielleicht sind es gerade diese Irrungen und Wirrungen mit der Begegnung der realen Welt am Hofe von Athen mit dem Lebensbereich der Elfen im nachtdunklen Wald. Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtstraum“ gehört auch heute noch, gut 400 Jahre nach ihrer Uraufführung, zu den beliebtesten Stücken des Autors.

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In der Regie von Jasper Brandis hatte sie jetzt vergnügliche Premiere am Celler Schlosstheater, auch wenn der Regisseur oft mehr zum derben Volkstheater zu tendieren scheint als zur fein geschliffenen Komödie mit behutsam ausgearbeiteten Stimmungen. Da bricht sich oft genug die Eifersucht mit lautstarkem Frauengezänk nachdrücklich Bahn und endet in einer handfesten Schlägerei zwischen sich betrogen fühlenden Männern. Brandis braucht keinen Wald, um dem Zauber der Elfen und Feen, dem Witz der Handwerker und den Liebesverwirrungen von Hermia und Lysander und von Demetrius und Helena Pfeffer zu geben, ehe der Elfenkönig Oberon mit seiner Frau Titania alles wieder in Ordnung bringt. So manche kleine witzige Bemerkung geht dabei allerdings verloren.

Ausstatter Marc Mahn, der auch für die zeitlosen Kostüme sorgt, hatte auf der Bühne große Lattenzäune aus Holz und Metall aufgebaut mit Lücken, um dahinter zu verschwinden, und mit kleinen, aufklappbaren Höhlungen, um darin zu schlafen oder sich zu besprechen.

Für die zahlreichen Elfen hatte sich Mahn darüber hinaus wunderbare und sehr individuelle, von Ensemblemitgliedern geschickt geführte Marionetten ausgedacht. Sie tanzten wie Elfen eben auf der Bühne tanzen, wenn sie auf das Wesentliche reduziert sind: mit Arme-Schwingen und Kreisen, Nicken und Huschen. Als ausgezeichneter Pianist erwies sich schließlich der Puck von Dirk Böther als Kobold in Moll.

Für die beiden Liebespaare hatte man vier Schüler der „Schule für Schauspiel Hamburg“ verpflichtet, die als Lysander (Julius von Schubert), Demetrius (Andre Grave), Hermia (Eva Maropoulos) und Helena (Sandra Malek) ihre Sache mit jugendlichem Schwung und deutlicher Begeisterung großartig machten. Manchmal völlig grundlos und überaus störend kreischten da begeistert ein übers andere Mal die jungen Fans, die man offensichtlich aus Hamburg mitgebracht hatte.

Als biedere Handwerker bringen aus Anlass des Happy Ends zur Hochzeit von Fürst Theseus (Gintas Jocius) mit seiner Hippolyta (Natascha Heimes) Maurizio Micksch (Zettel), Felix Meyer (Flaut) Gerold Ströher (Schnauz), Marius Lamprecht (Schnock) und Tanja Kübler (die aus dem Peter Squenz der Vorlage zur Petra Squenz mutiert ist) ihre erschütternde Tragödie von „Pyramus und Thisbe“ zur Aufführung. Da lacht nicht nur die Hofgesellschaft Tränen. Da klatscht auch das Celler Publikum kräftig.

Hartmut Jakubowsky Autor: Hartmut Jakubowsky, am 19.03.2017 um 22:21 Uhr
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