bewölkt CELLE  
SO 7° / 4°
MO 10° / 4°

Sönke Wortmann über seinen Sechsteiler «Charité»

Regisseur Sönke Wortmann (m.) und die Schauspielerinnen Emilia Schüle (l) und Alicia von Rittberg in Berlin. Foto: Jörg Carstensen Foto: Jörg Carstensen

Berlin (dpa) - Mit der historischen Krankenhaus-Serie «Charité» betritt Filmregisseur Sönke Wortmann (57) Neuland. Erstmals inszeniert er mit dem ARD-Sechsteiler vollständig eine Serie für das Fernsehen.

Kleine Ausnahme: Bereits vor gut zehn Jahren drehte er die Pilotfolge der Sat.1-Serie «Freunde für immer – Das Leben ist rund». «Das ist ja ein Format, das einen unglaublichen Aufstieg erfahren hat», sagt Wortmann («Frau Müller muss weg!», «Deutschland. Ein Sommermärchen») im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist auch ein Grund, warum ich das mal machen wollte. Man versucht auch, eigene Grenzen auszuloten.»

Frage: Nach vielen Filmen haben Sie eine Serie gedreht – und warum jetzt einen Mehrteiler, der im Krankenhaus spielt?

Antwort: Jetzt, weil ich vorher noch nicht gefragt worden bin. Ausschlaggebend war auch nicht, eine Krankenhaus-Serie zu machen. Mich hat vielmehr diese Zeit sehr interessiert, das Wilhelminische Zeitalter mit den drei Kaisern in einem Jahr. Ich finde natürlich dieses Krankenhaus schon faszinierend. Es ist riesengroß und es ist sehr berühmt geworden - und zwar durch die Menschen, die 1888 dort gearbeitet haben. Deren Geschichte erzählen wir.

Frage: Sind Sie privat auch ein Serien-Gucker?

Antwort: Ja, wie eigentlich alle mittlerweile. Das ist ja ein Format, das einen unglaublichen Aufstieg erfahren hat. Das ist auch ein Grund, warum ich das mal machen wollte. Man versucht auch, eigene Grenzen auszuloten.

Frage: Ist bei Ihnen auch Binge Watching angesagt, das Marathon-Schauen mit einer Folge nach der anderen?

Antwort: Das ist ja der Vorteil, dass ich selbst entscheiden kann, wann ich gucke. Wenn ich Lust habe, mir mit einer Serie die Nacht um die Ohren zu schlagen, dann mache ich das auch.

Frage: Welche Serie schauen Sie zurzeit?

Antwort: Ich habe gerade «Borgen» angefangen.

Frage: Wie unterscheidet sich beim Drehen ein Spielfilm von einer Serie?

Antwort: Neu für mich war, dass man dramaturgische Bögen im Kopf haben muss. Beim Spielfilm ist mir das klar. Bei der Serie muss man innerhalb einer Folge einen Bogen haben, der aber gleichzeitig Teil eines Gesamt-Bogen ist. Da muss man relativ viel nachdenken, wenn man mit den Drehbuchautoren spricht. Das war letztlich auch die größte Herausforderung. Drehen ist dann das Ausführen dessen, was man sich vorher erdacht hat. Und wenn man da gut vorbereitet ist, dann geht das auch.

Frage: Im Jahr 1888 wurden Patienten in der Charité ohne fließendes Wasser, ohne elektrisches Licht und ohne Handschuhe operiert. Die Serie zeigt viele spannende Details aus dem Alltag der Wilhelminischen Zeit, die man als Zuschauer wahrscheinlich nicht kannte. Was hat Sie am meisten überrascht, als Sie das Drehbuch gelesen haben?

Antwort: Mich hat im Prinzip nichts überrascht, weil mich nichts überraschen konnte. Ich kannte diese Zeit überhaupt nicht. Ich weiß nicht, ob die Wilhelminische Zeit in meiner Schulzeit überhaupt länger als eine halbe Stunde vorkam. Insofern habe ich da Neuland betreten, war aber dann sehr schnell fasziniert davon, was damals passiert ist - nicht nur medizingeschichtlich, sondern auch sozialpolitisch. Das war alles wahnsinnig spannend. Im Nachhinein habe ich mich gewundert, warum es so lange gedauert hat, bis im deutschen Fernsehen diese Zeit mal intensiv behandelt wird.

Frage: «Charité» erzählt Wissenschaftsgeschichte, die Geschichte der Frauenrechte, die politische Geschichte der Zeit und auch Liebesgeschichten – wie haben Sie es geschafft, da die Balance zu halten?

Antwort: Ich gehe da so nach Gefühl. Fast alles ist ja durch Fakten auch belegt. Sechs von den acht Hauptfiguren gab es wirklich. Und wenn es dann heißt: eine Liebesgeschichte muss auch noch rein - warum nicht. Ich sehe es gerne, die Leute sehen es gerne. Wenn es glaubhaft ist, dann gehört so etwas auch in den Film. Es gibt ja zwei Liebesgeschichten: die von Ida Lenze und die von dem damals 47-jährigen Robert Koch, der sich in eine 17-jährige Schauspielerin verliebt hat und sie sich auch in ihn. Das ist genau so passiert. Die beiden haben auch geheiratet. Und sie waren verheiratet, bis der Tod sie schied. Wie romantisch!

Frage: Wird es eine Fortsetzung von «Charité» geben?

Antwort: Wenn ganz viele Leute einschalten, dann ja.

ZUR PERSON: Sönke Wortmann (57) startete nach ersten Erfolgen wie «Kleine Haie» mit der Komödie «Der bewegte Mann» (1994) so richtig durch. Ein großes Publikum erreichte der in Düsseldorf lebende Wortmann auch mit seinen Fußballfilmen «Das Wunder von Bern» und «Deutschland - Ein Sommermärchen». Als Theaterregisseur ist der 57-Jährige ebenfalls aktiv. Zuletzt brachte er die Flüchtlingskomödie ««Willkommen» von Lutz Hübner und Sarah Nemitz auf die Bühne.

Interview: Elke Vogel, dpa Autor: Interview: Elke Vogel, dpa, am 20.03.2017 um 12:05 Uhr
Druckansicht

LESER-FEEDBACK »
Keine Kommentare vorhanden
WEITERE THEMEN »

Nachhaltige Pflege spart Kosten

Früh am Morgen blockiert der mobile Kran die schmale Prinzengasse mitten in der Altstadt. Sein Ausleger ragt starr in den bewölkten Himmel. Am stabilen Haken hängt ein sechs Meter langes Brettschichtholz, 16 Zentimeter breit, 32 Zentimeter hoch. „Der Balken wiegt rund dreieinhalb Zentner“, schätzt… ...mehr

Mehr als acht Millionen zog es in die «Charité»

Berlin (dpa) - Bravouröser Start für die sechsteilige ARD-Serie «Charité»: Im Schnitt 8,32 Millionen Zuschauer verfolgten am Dienstagabend von 20.15 bis 21.50 Uhr die ersten beiden Folgen der historischen Geschichte über die Berliner Traditionsklinik. Der Marktanteil betrug 25,9 Prozent. Die… ...mehr

VfL Westercelle droht zweiter Abstieg in Folge

Tischtennis-Oberligist VfL Westercelle steht vor seinem zweiten Abstieg in Folge. Die letzten beiden Heimspiele gegen Spitzenreiter SF Oesede (2:9) und den Tabellenvierten Torpedo Göttingen (3:9) verlor der VfL deutlich und rutschte somit auf den ersten direkten Abstiegsrang ab. „Es lief leider nichts… ...mehr

Modeste schießt Köln Richtung Europa

Köln (dpa) - Anthony Modeste schnappte sich nach seiner erneuten Gala den Spielball und ließ ihn keine Sekunde mehr aus den Augen. Doch neben der persönlichen Trophäe dachte der Franzose in der Stunde seines Triumphes auch an die Kollegen. ...mehr

FIFF Wietze vereint Unterricht und Kinderbetreuung

In den vergangenen Wochen wurde mit vereinten Kräften organisiert, telefoniert, gemalert, geputzt und geräumt. Samstag eröffnete dann die "FIFF Wietze", die "FamilienInitiative für ein Farbenfrohes Wietze" Tür und Tor in den Räumen der ehemaligen Haupt- und Realschule in der Schulstraße 2. Das… ...mehr

Der Kesselhaken war einst mehr als nur ein Küchenhilfsgerät

Die Cellesche Zeitung startet heute eine Serie zum 125. Geburtstag des Bomann-Museums. In den nächsten Wochen werden einige Gegenstände aus dem Bestand vorgestellt, die beim Museumsbesuch vielleicht nicht sofort ins Auge fallen. ...mehr

Joko und Klaas und der falsche Ryan Gosling

Berlin (dpa) - Eine falsche PR-Agentur, ein falscher Ryan Gosling, die echte Goldene Kamera: Die Fernsehkomiker Joko Winterscheidt (38) und Klaas Heufer-Umlauf (33) haben ihren Doppelgänger-Streich bei der Goldenen Kamera wochenlang akribisch vorbereitet.  ...mehr

Anzeige
E-PAPER »
24.03.2017

Cellesche Zeitung

Die vollständige Ausgabe der CZ in digitaler Form mit Blätterfunktion.

» Anmelden und E-Paper lesen

» Jetzt neu registrieren

THEMENWELT »
AKTUELLES »

«Obamacare»-Abstimmung im Kongress weiter völlig offen

Washington (dpa) - Mit einer unverhohlenen Drohung in letzter Minute hat US-Präsident Donald Trump…   ...mehr

Löw will WM-Quali «gnadenlos durchziehen»

Baku (dpa) - Langer Flug, drei Stunden Zeitverschiebung, ein altes Stadion und ein hochmotivierter Gegner…   ...mehr

Pkw-Maut rückt näher - Bundestag beschließt Änderungen

Berlin (dpa) - Die Einführung einer Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen und Bundesstraßen rückt nach…   ...mehr

Topspiel der Superlative: Champion empfängt Seriensieger

Bamberg (dpa) - Titelverteidiger gegen Seriensieger, Heimmacht gegen Auswärtsstärke, Aufeinandertreffen…   ...mehr

Deutsche Trainer in der WM-Qualifikation unter Druck

Berlin (dpa) - Christoph Daum steht unter Druck. Der deutsche Trainer der rumänischen Fußball-Nationalmannschaft…   ...mehr

Messi macht's per Elfmeter - Brasilien fast schon durch

Buenos Aires (dpa) - Diesmal vergrub Lionel Messi sein Gesicht nicht im Trikot der argentinischen Nationalmannschaft.…   ...mehr

Neue Tragödie im Mittelmeer

Rom (dpa) - Nach einem neuen Unglück im Mittelmeer, bei dem bis zu 250 Menschen ums Leben gekommen…   ...mehr

Elton John wird 70

London (dpa) - Er versteckt seine Schüchternheit hinter extravaganten Bühnenoutfits, übertriebenen…   ...mehr

Ägyptens Ex-Präsident Mubarak aus Haft entlassen

Kairo (dpa) - Ägyptens langjähriger Präsident Husni Mubarak ist nach sechs Jahren Arrest wieder in…   ...mehr

Lammert könnte Gauland als Alterspräsident ausbooten

Berlin (dpa) - Der Vorschlag von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) zur Bestimmung des Alterspräsidenten…   ...mehr
SPOT(T) »

Verlässlich

Verlässlichkeit ist die Basis einer jeden guten Beziehung. Und Liebe, also… ...mehr

Putzi II

Unser neuer Saugroboter, von dem ich neulich berichtet habe, muss noch viel… ...mehr

Papierdiebe

Öffentliche Toiletten haben oftmals einen ziemlich schlechten Ruf. Häufig… ...mehr

VIDEOS »
FINDE UNS BEI FACEBOOK »
Datenschutz Kontakt AGB Impressum © Cellesche Zeitung Schweiger & Pick Verlag Pfingsten GmbH & Co. KG