Hambührener Traditionshaus sperrt für immer zu

Fast vier Jahrzehnte haben Ursula und Hans-Joachim Mathews an der Ostlandstraße Hemden, Jacken, Hosen und Pullover verkauft. Foto: Michael Schäfer

Es ist das Ende einer Ära: Fast vier Jahrzehnte haben Ursula und Hans-Joachim Mathews an der Hambührener Ostlandstraße Kleider verkauft. Blusen, Hemden, Jacken, Hosen und Pullover gingen im Textilhaus Mathews seit 1978 über den Tresen. In wenigen Tagen ist Schluss. Noch bis zum 31. März läuft der Räumungsverkauf. Alles muss raus, es gibt hohe Rabatte.

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HAMBÜHREN. „Es tut schon ein bisschen weh“, sagt Ursula, die mit ihren 77 Jahren auch jetzt noch im Laden steht. Ihr Mann Hans-Joachim Mathews ist sogar 79 Jahre alt. „Wir hatten eine schöne Zeit hier“, sagt der Hausherr. Die beiden freuen sich auf den Ruhestand. „Dann haben wir mehr Zeit für die Enkelkinder und für uns“, sagt Ursula. Das Geschäftshaus ist bereits verkauft. Ein heimischer Unternehmer will dort Büroräume unterbringen.

Die Mathews haben einen enormen Wandel im Einzelhandel mitgemacht. Die Welt veränderte sich in den 90er Jahren rapide. Nach der Grenzöffnung setzte die Globalisierung ein, die großen Kleiderketten erschlossen neue Märkte in Asien. Und auf einmal kamen die Vertreter nicht mehr im Hambührener Textilhaus vorbei. Jetzt wurde nur noch im großen Stil gehandelt. Ursula und Hans-Joachim Mathews fuhren selbst auf Messen und stellten ihre eigene Kollektion zusammen.

Das Internet hat in den vergangenen Jahren das Geschäft schwieriger gemacht, räumt Hans-Joachim Mathews ein. Viele Kunden bestellen ihre Waren im Internet. Was sich manche dabei herausnehmen, klingt schier unglaublich. Der Firmenchef erzählt die Geschichte, dass es Kunden gibt, die sich per Post ihre Kleider schicken lassen, diese am Postschalter im Textilhaus abholen und dann den Schneid haben, die Klamotten gleich in der dortigen Umkleidekabine anzuprobieren.

Aber es klingt keine Verbitterung bei den Mathews mit. Im Gegenteil, sie blicken auf ein erfülltes Arbeitsleben zurück. Die Mathews sind Einzelhändler vom alten Schlag. Einen Computer gibt es in ihrem Laden nicht. Buchführung, die ganze Abrechnung – es geht auch ohne PC. Sie halten gerne ein Schwätzchen mit ihren Kunden, das Textilhaus war all die Jahre immer auch ein Hambührener Kommunikationsort. Derzeit hat das Geschäft noch zwei Angestellte, früher waren es bis zu sechs. „Wir hatten immer gutes Personal. Nie mussten wir jemanden entlassen“, sagt Hans-Joachim Mathews, der sich viele Jahre im Gewerbeverein engagiert hat. „Wir bedanken uns bei unseren Kunden und Mitarbeitern für das gute Miteinander in all den Jahren“, sagt er.

Die Kunden kamen immer aus einem großen Einzugsgebiet. Die Mathews hatten viele Stammkunden. Aus Wietze, Winsen und Celle. Und natürlich aus Hambühren. Dort bekommt man Kleidung künftig nur noch beim Textil-Discounter.

Simon Ziegler Autor: Simon Ziegler, am 20.03.2017 um 18:23 Uhr
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