Weiterer Vortragsabend in Nienhagen zu NS-Kindermorden

Nazis ließen behinderte Kinder im ganzen deutschen Reich systematisch umbringen. In Krankenhäusern und Heil- und Pflegestätten wurden Ärzte zu willfährigen Helfern, indem sie den Kindern eine Überdosis eines Schlafmittels spritzten. Zum Ende des Krieges ließ man auch Säuglinge von Zwangsarbeiterinnen geplant sterben. Eines dieser Kinderlager gab es auch im Landkreis Celle. Darüber informiert ein Vortragsabend am Mittwoch, 19. April, 19 Uhr, im Hagensaal. Der Eintritt ist frei.

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NIENHAGEN. Dieses Thema geht alle an: Der Ort des Grauens lag zwar in Papenhorst, aber hier kamen Säuglinge zu Tode, deren Mütter als Zwangsarbeiterinnen auf Bauernhöfen im ganzen Landkreis arbeiteten. Dem Gedenken dieser Kinder und auch jener Kinder, die in NS-Deutschland umgebracht wurden, weil sie behindert waren, ist ein weiterer Vortrag am Mittwoch, 19. April, um 19 Uhr im Hagensaal in Nienhagen gewidmet.

Bei der Premiere dieses Abends vor fünf Wochen platzte der Nienhäger Ratssaal aus allen Nähten: 85 Interessierte kamen. Jetzt sind schon über 140 Menschen angemeldet. Deshalb hat Nienhagens Bürgermeister Jörg Makel den von ihm moderierten Abend in den weitaus größeren Hagensaal (neben dem Rathaus, Dorfstraße 41) verlegt.

CZ-Redakteur Andreas Babel berichtet über die mehr als sechsjährige Recherche zu seinem Buch „Kindermord im Krankenhaus“. „Der Krieg gegen Kinder im eigenen Land ist eines der schändlichsten Kapitel der zum Glück kurzen nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland. Im ganzen Land gab es Abteilungen, in denen gezielt, aber geheim gehalten behinderte Kinder meist mit einer Überdosis eines Schlafmittels getötet wurden, damit man sich nicht weiter um sie kümmern musste“, führt Babel aus.

Nienhagens Pastor Uwe Schmidt-Seffers informiert über das Kinderlager in Papenhorst, wo zum Ende des Krieges mindestens 30 Säuglinge verhungerten. Er war maßgeblich dran beteiligt, dass dort am 12. April 2000 eine Gedenkplatte enthüllt wurde. Sie erinnert seitdem an das Schicksal dieser Kinder, die in einem Haus in Papenhorst verhungert oder erfroren sind. „Menschen aus unserer Kultur führten einen Vernichtungskrieg mit anderen Mitteln gegen die Wehrlosesten der Wehrlosen“, sagte der Seelsorger damals. Er meinte, man sollte den Mut haben, „das Haus als ein Konzentrationslager zu bezeichnen – und nicht verharmlosend als ein Kinderlager“.

Im Anschluss an die Vorträge ist Gelegenheit zum Gedankenaustausch. Die beiden Referenten stehen am Abend auch für Einzelgespräche zur Verfügung.Es musizieren Rajka Janssen-Olliger und Oliver Krause. Der Eintritt ist frei. Anmeldungen werden erbeten unter Telefon (05144) 49191 oder per E-Mail an makel-nienhagen@jdmn.de. (cz)

Andreas Babel Autor: Andreas Babel, am 11.04.2017 um 15:05 Uhr
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