„Bienenzimmer“ informiert über Geschichte der Imkerei

Das Imkerbeil gilt als Zunftzeichen der Imker. Sein ursprünglicher Zweck ist jedoch rätselhaft. Diese fünf Exemplare sind in der Dauerausstellung des Bomann-Museums zu sehen. Bei der Geburt von Sophie Dorothea im Jahr 1666 sollen im Celler Schloss mehr als zehntausend Kerzen gebrannt haben. Foto: Rolf-Dieter Diehl

Die Imkerei in der Heide hat eine lange Tradition, wie im Bomann-Museum anschaulich zu erfahren ist. Seit Jahrtausenden werden Bienen wegen ihrer Produkte wie Wachs und Honig vom Menschen genutzt. Diese bis heute wertvollen Naturprodukte der Imkerei wurden auch zu Bomanns Zeiten bereits als „Erzeugnisse des Imkerfleißes“ in den Museumsräumen vorgestellt. Wachs beispielsweise wurde in Celle schon Ende des 17. Jahrhunderts verarbeitet. Denn Kirchen, fürstliche Höfe und später auch die bürgerlichen Haushalte brauchten bis zur Erfindung der elektrischen Glühbirne viele Kerzen. Allein bei der Geburt von Sophie Dorothea im Jahr 1666 sollen im weiträumigen Celler Schloss mehr als zehntausend Kerzen gebrannt haben.

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CELLE. Doch vor allem im Kreislauf der Natur spielt die Imkerei eine wichtige Rolle, da die Bienen für den Erhalt zahlreicher Kulturpflanzen und damit auch für die Produktion vieler Nahrungsmittel sehr wichtig sind. Nicht ohne Grund werden etwa im Alten Land zur Zeit der Kirsch- und Apfelblüte ganze Bienenvölker aus der Heide „in Pension“ genommen, um die Bestäubung der Blüten und damit die Fruchtbildung sicherzustellen.

Das Bomann-Museum hat daher in seiner Dauerausstellung der Imkerei ein spezielles „Bienenzimmer“ gewidmet, eine themenorientierte inszenierte heimische Heidelandschaft mit typischer Bepflanzung, mit Heidschnucken und Bienenzäunen und mit adäquat auf die Szenerie abgestimmter Hintergrundkulisse, die zum Augenspaziergang und angeregten Verweilen einlädt. Informationstafeln und Bildmaterial ergänzen die Szenerie. Und fünf Imkerbeile aus der Zeit von 1743 bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Über deren rätselhafte Herkunft sowie Funktion und Bedeutung wird bis heute spekuliert. Aufzeichnungen zu ihrem Gebrauch sind nicht bekannt. In einer Publikation aus dem Jahr 1938 wird über das Imkerbeil ausgeführt, „dass die volkstümliche Überlieferung unserem Gedächtnis nur einen Teil seiner ehemaligen Aufgaben bewahrt hat; daher bildete der ursprüngliche Zweck des rätselhaften Gerätes immer wieder den Gegenstand wissenschaftlichen Nachdenkens.“

Neben Wilhelm Bomann sammelten seinerzeit auch mehrere Museen und Heimatforscher Imkerbeile. Unter ihnen Max Böcker (1883–1945), ein Lehrer und Volkskundler aus Eschede, dessen Sammlung zahlreiche Imkerbeile aus den Jahren 1730 bis 1845 umfasste. Doch trafen Bomann und Böcker auf keine aktiven Imker mehr, denen die Anwendung der Imkerbeile bekannt war.

Möglicherweise sei das Imkerbeil ein Erbstück aus der Zeit der Waldbienenzucht, die einst bis an den Ostrand der Lüneburger Heide verbreitet war, vermuten einige. Denn die Anfänge der Imkerei in Mitteleuropa begannen im Wald, dem ursprünglichen Lebensraum der Bienen. Sie siedelten sich vorwiegend in Baumhöhlen in einer Höhe ab sechs Metern an und suchten sich als Behausung hohle oder morsche Bäume oder alte Spechthöhlen. Diese Erkenntnis nutzten die Waldimker aus, die den Honig dieser wild lebenden Bienenvölker im Wald sammelten. Sie hieben künstliche Höhlen vorrangig in Nadelbäume in der Hoffnung, dass ein Schwarm darin einzog. Zum Aushöhlen könnte ihnen ein solches Imkerbeil gedient haben. Andere Quellen sagen hingegen, dass diese seltsame Axt weniger Handwerksgerät als vielmehr Spazierstock, Ehrenwaffe und Zunftabzeichen des alten Heideimkers gewesen sein könnte. In der Lüneburger Heide gelangte das Imkerbeil mit der Zeit deshalb zu hohem Ansehen, weil es hier aufgrund seiner brauchtümlichen Verwendung zum Zunftzeichen mächtiger Imkergenossenschaften und zum Bestandteil der Standestracht auserkoren wurde.

Rolf-Dieter Diehl Autor: Rolf-Dieter Diehl, am 14.04.2017 um 19:56 Uhr
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