Celler Kitas bekommen Fachkräftemangel zu spüren

Der Bedarf an Betreuungsplätzen in Kindergärten steigt auch in Celle an, doch bundesweit fehlen Fachkräfte. Dem will die SPD nun mit einem neuen Ansatz entgegenwirken. Foto: Rolf Zoellner

Der Kampf um Nachwuchskräfte ist nicht nur ein Problem der Wirtschaft, sondern schon längst in den öffentlichen Verwaltungen angekommen. Dabei konkurrieren die Kommunen nicht nur mit den Unternehmen um Uniabsolventen, auch Personal auf den unteren Gehaltsebenen wird dringend gesucht. Zum Beispiel Erzieherinnen in den Kindertagesstätten der Stadt. Mit einem anderen Ansatz möchte die Celler SPD hier nun dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Stichwort: berufsbegleitende Ausbildung.

CELLE. „In Krippen und Kindertagesstätten wird die Betreuung immer besser, dies gilt natürlich auch in Celle. Allerdings gibt es einen massiven Fachkräftemangel. In ganz Deutschland fehlen immer noch mehr als 100.000 Erzieherinnen“, berichtet Christoph Engelen, Vorsitzender des städtischen Jugendhilfeausschusses, aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Das schlägt sich auch in Celle nieder, wo etwa 2000 Kinder einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz haben und weitere 300 in Krippen betreut werden. Von den etwa 30 Kindertagesstätten betreibt die Stadt selbst elf, die anderen sind in Verantwortung von Freien Trägern. "Die Fluktuation in den Kitas ist teilweise sehr hoch. Die Erzieherinnen werden abgeworben. Hannover lockt zum Beispiel mit einem höheren Gehalt und die Freien Träger bieten manchmal mehr Urlaubstage an", weiß Engelen.

Die Stadt Celle habe auf die angespannte Situation des Fachkräftemangels mit einer Dauerstellenausschreibung für Erzieherinnen reagiert. „Dieses Vorgehen ist aber nicht die alleinige Problemlösung,“ ist sich Engelen sicher. Seine Forderung: „Es muss der Verwaltung gelingen, Erzieherinnen frühzeitig und auf Dauer an die städtischen Einrichtungen zu binden. Nur durch kontinuierliche Betreuungs- und Bezugspersonen kann die Qualität der Kinderbetreuung sichergestellt werden.“ Die Sozialdemokraten wollen daher mit einer attraktiveren Ausbildung punkten.

"Bisher ist es so, dass man zuerst eine Ausbildung zur Sozialassistentin absolvieren muss. Das dauert zwei Jahre. Anschließend folgt noch einmal für die Dauer von zwei Jahren eine Ausbildung zur Erzieherin", erläutert Engelen. Während dieser ganzen Zeit bekämen die Auszubildenden "keinen Cent", müssten aber unter anderem Praktika nachweisen. Auch für diese gebe es in der Regel kein Geld.

Nach den Vorstellungen der SPD sollte Celle dem Vorbild von Langenhagen nacheifern. Dort soll ab Sommer 2018 eine berufsbegleitende Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin von der Stadt angeboten werden. "Die Ausbildungsdauer bleibt gleich. Aber die Auszubildenden würden schon ein Gehalt bekommen. Außerdem können sie Praktika bei der Stadt machen und man kann den Absolventinnen anbieten, sie nach der Ausbildung zu übernehmen", erklärt Engelen.

Die Vorteile für Celle: "Wir könnten den Nachwuchs frühzeitig an uns binden. Dadurch würde in den Kindertagesstätten der Standard, die Qualität und die Kontinuität der Betreuung gesichert", so Engelen, der weiß, dass der Bedarf an zusätzlichen Einrichtungen in Celle noch nicht erschöpft ist.

Gunther Meinrenken Autor: Gunther Meinrenken, am 20.04.2017 um 12:52 Uhr
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