Strom revolutionierte Haushaltsgeräte

Ein Elektrobügeleisen aus dem 20. Jahrhundert und ein Kohlebügeleisen (kleines Foto) aus dem 19. Jahrhundert gibt es im Celler Bomann-Museum. Foto: Rolf-Dieter Diehl

In seiner Dauerausstellung erläutert das Bomann-Museum neben der geschichtlichen Entwicklung des Stroms auch anschauliche Beispiele dafür, wie der Strom nicht nur durch die Erfindung des elektrischen Lichts, sondern zunehmend auch durch die Erfindung von Haushaltsgeräten unaufhaltsam den Haushalt revolutioniert hat.

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CELLE. Ob Staubsauger oder Waschmaschine, ob Kühlschrank oder Elektroherd – die Technisierung als Teil der Rationalisierung hielt unaufhaltsam Einzug in die privaten Haushalte, wenn auch vor allem die Großgeräte für die meisten Menschen zunächst noch unerschwinglich blieben. Erst die positive Stimmung des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Nachkriegszeit und der dadurch steigende Wohlstand förderte so richtig die Bereitschaft vieler Menschen, sich etwas Neues anzuschaffen. Und schon innerhalb weniger Jahre wurden aus einstigen Statussymbolen Gebrauchsgüter, über die heute fast jeder Haushalt verfügt. Eine Entwicklung, die naturgemäß auch zu einem immer größer werdenden Strombedarf führte. So ging 1906 – zwanzig Jahre nach Berlin – auch Celle „ans Netz“. Der Strom kam zunächst aus dem Elektrizitätswerk an der Hafenstraße. 1909 wurde das Dampfkraftwerk in Oldau in Betrieb genommen. Und ab 1911 – nach dem Bau der Staustufen an der Unteraller – wurde auch mit Wasserkraft Strom gewonnen.

Die flächendeckende Bereitstellung von Strom entwickelte sich zu einem rentablen Geschäft vor allem für Energieversorgungsunternehmen und die Hersteller von elektrischen Haushaltsgeräten. In Celle gründeten die Stadtwerke und Installationsfirmen mit den Elektro-, Gas- und Wasserinstallateuren (EltGaWa) schon 1934 eine Verkaufsgemeinschaft, die in ihren Verkaufsräumen in der Westcellertorstraße und mit verlockenden Inseraten um die Gunst der Verbraucher warb. Nicht nur für Kühlschränke und Waschmaschinen, die immer nutzerfreundlicher wurden. Auch „kleinere“ Haushaltsgeräte verzeichneten eine kontinuierliche Entwicklung, wie das Bomann-Museum unter anderem am Beispiel des Bügeleisens auf dem Weg vom rustikalen Kohlebügeleisen bis zur elektrisch betriebenen Nutzung zeigt:

Bis ins 19. Jahrhundert war Bügeln noch schwere körperliche Arbeit. Die massiven Eisen waren bis zu neun Kilogramm schwer und wurden so heiß, dass man sich trotz umwickelter Griffe häufig die Finger verbrannte. Ein quasi offenes Kohlefeuer im Inneren des Bügeleisens erzeugte diese Hitze. Denn die Kohlebügeleisen wurden von oben her mit glühenden Kohlen oder Holzkohlen befüllt, wie man sie auch heute noch zum Grillen verwendet. Sie hielten die Hitze zwar gleichmäßiger, verursachten aber Asche und Qualm. Und beim Bügeln entwich den Eisen giftiger Rauch. Zudem spritzten oft Glutteile aus den Öffnungen und hinterließen kleine Brandlöcher.

Ab den 1920er-Jahren wurden die elektrischen Bügeleisen handlicher und ihre Temperatur regelbar. Eine wertvolle Neuerung, da Wäsche bis dahin häufig durch zu heiße Eisen verbrannt war. Es dauerte jedoch eine Zeit, bis sich die Gewohnheiten im Bügeln deutlich änderten. Denn die bequemere Handhabung war selbst für die „feinen Herrschaften“, die sich „das Elektrische“ hätten leisten können, zunächst noch kein Kaufargument; denn sie hatten ja für die Hausarbeit ihre Dienstboten. Und auch die Reaktionen der Hausfrauen waren anfangs sehr verhalten. Dies begründete sich unter anderem darin, dass die Versorgung der Privathaushalte mit Strom nur sehr schleppend voranging. Aber auch die, die bereits einen Stromanschluss für das Licht hatten, schreckten im Hinblick auf die Anschaffungs- und Strompreise noch vor der Nutzung von anderen elektrischen Geräten zurück.

Rolf-Dieter Diehl Autor: Rolf-Dieter Diehl, am 21.04.2017 um 10:30 Uhr
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