„Ensemble S“ und „Ensemble Schwerpunkt“ eröffnen Klangbrückenfestival in Hannover

Beethoven, Mozart und Bach? Nein, bei den „Klangbrücken“ muss man mit anderen Tönen rechnen. Das Eröffnungskonzert der Veranstaltungsreihe, die von der Staatsoper zusammen mit der Musikhochschule und „Musik 21“ ausgerichtet wird, bewies das sehr deutlich.

HANNOVER. Das Zentrum des diesjährigen Programms bilden Werke des zeitgenössischen Komponisten Wolfgang Rihm. Der ist bekannt für expressive Wirkungen und verschmäht zuweilen keineswegs einen gewissen Witz. So gingen zum Auftakt im Kleinen Sendesaal des NDR drei Perkussionisten des „Ensemble S“ auf die Knie, um auf ein Mini-Schlagwerk einzudreschen und schließlich sogar die Schlägel von
sich zu schleudern. Nach diesem schlicht mit „Stück“ betitelten Exotikum ging es ebenso speziell weiter: Die Rihm-Schülerin Rebecca Saunders hat ein Solo für Doppelschalltrichtertrompete namens „blauuw“ geschrieben. Matthew Sadler wusste die feinen und feinsten Klangdifferenzierungen spannend herauszuarbeiten.

Dann waren Gruppenformationen aus dem „Ensemble Schwerpunkt“ an der Reihe. „Quiet, Please“ von Vito Žuraj, der ebenfalls bei Rihm studiert hat, erwies sich als ausgesprochen amüsante Angelegenheit: Ein Trio zeterte mit Volldampf auf Blech-
bläsermundstücken herum und bewies zwischendurch, dass man auf diesem ungewöhnlichen Instrumentarium auch so etwas wie Jazz hervorbringen kann. Anschließend interpretierte ein Bläserquintett die energetische Komposition „Sine nomine I“.

Das war allerdings noch eine zahme Nummer im Vergleich zu dem, was nach der Pause folgen sollte.
Für „Klangbeschreibung II“ postierten sich vier Sängerinnen, vier Blechbläser und sechs Schlagzeuger teils vor, teils hinter dem Publikum, während die Hornistin ihren Platz mittendrin einnahm. Es entwickelte sich eine halbstündige, zuweilen vehemente Klangkulisse, die allerdings eher in den dezenteren Passagen überzeugte, etwa bei den delikaten Schwebungen in den Gesangspartien oder der pulsierenden Interaktion zwischen den Posaunen. Allemal interessant – und gerade in einem solch kleinen Konzertsaal etwas anstrengend.

Heute geht das Festival, das noch bis zum 29. April läuft, mit Liedern von Wolfgang Rihm weiter. Um
19.30 Uhr sind in der Musikhochschule mit Ania Vegry, Mareike Morr und Ylva Stenberg drei Sängerinnen aus dem Ensemble der Staatsoper zu Gast. Am Sonntag und Montag gibt
es dann das große Rihm-Konzert mit dem Niedersächsischen Staatsorchester im Opernhaus.

Jörg Worat Autor: Jörg Worat, am 21.04.2017 um 12:39 Uhr
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