Nabu hilft Tierhaltern im Celler Land bei Herdenschutz

Sabine Oberdiecks Pferde haben in Reiningen bei Wietzendorf (Landkreis Heidekreis) mehrere Weiden, auf denen sie sich austoben können. Eine Koppel ist den Trakehner-Stuten und ihren Fohlen vorbehalten. Jedes Jahr erblicken vier Tiere auf dem Gestüt das Licht der Welt, sie tummeln sich zusammen mit den Muttertieren auf dem satten Grün. Das idyllische Bild wird jedoch getrübt: Wald grenzt direkt an die Weidefläche. Der Truppenübungsplatz Munster-Süd ist der direkte Nachbar der Pferde – und er ist Wolfsgebiet. Mehrere Rudel leben in diesem Abschnitt.

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REININGEN. Die Nähe zu den Wolfsrudeln hat Pferdebesitzerin Oberdieck beunruhigt. Auch wenn Pferde als wehrhaft eingeschätzt werden und eindringende Wölfe vertreiben könnten, machte sich die Züchterin Sorgen um den Trakehner-Nachwuchs. "Die Mütter können ihre Fohlen nicht schützen", ist Oberdieck überzeugt. Die Lösung: ein wolfsabweisender Grundschutz.

Das Nabu-Projekt "Herdenschutz Niedersachsen" unterstützt Weidetierhalter darin, ihre Flächen gegen Wölfe zu schützen. Am Freitag rückten in Reiningen Projektleiter Peter Schütte und der Fachberater für technischen Herdenschutz, Olaf Buschmann, mit fünf Ehrenamtlichen an, um die Koppel der Fohlen mit dem wolfsabweisenden Grundschutz auszustatten.

Dabei griffen die Helfer auf die bestehende Umzäunung zurück. Rund 90 mannshohe Zaunpfähle begrenzen die Weide. Bisher verliefen die Stromkabel – sogenannte Litzen – in drei Reihen. Für den Schutz gegen Wölfe ist es jedoch wichtig, dass die unterste Litze nur 20 Zentimeter über dem Boden verläuft. "So buddelt sich der Wolf nicht drunter durch", erläuterte Schütte. Also veränderten die Helfer die Abstände zwischen den Stromkabeln, um die Vorgabe zu erfüllen. Außerdem fügten sie eine vierte Litze ein.

Damit auch kein Ast die bis zu 10.000 Volt des Elektrozauns fehlleiten, rückte Gert Weinmann mit einer Kettensäge an und schnitt überhängende Zweige ab. Auch das Gras muss penibel kurz gehalten werden, damit die unterste Litze überall die volle Leistung führt.

Joanna Tegtmeier ist eine der ehrenamtlichen Helfer. Geübt versetzte die 23-Jährige die Isolatoren an den Zaunpfählen, damit die Abstände für einen effektiven Herdenschutz stimmten. Mit Bohrmaschine und Zollstock arbeitete sie sich entlang der Koppelgrenze. Spätestens heute Mittag sollte der Schutzzaun fertig sein.

Im Gegensatz zu beispielsweise Schafs- und Ziegenbesitzern erhält Oberdieck keine Fördermittel vom Land, um den wolfsabweisenden Grundschutz einzurichten. "Ich habe knapp 1000 Euro investiert", sagte die Pferdezüchterin – den Tieren zuliebe. Schütte ist von dem Projekt überzeugt, gab jedoch zu bedenken: "Hundertprozentigen Schutz gegen den Wolf wird es nicht geben."

Amelie Thiemann Autor: Amelie Thiemann, am 21.04.2017 um 18:32 Uhr
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Nabu-Projekt "Herdenschutz Niedersachsen"

Der Nabu will Halter von Schafen, Ziegen und anderen Weidetieren beim Schutz vor Wölfen unterstützen. Auf einem Gestüt in Wietzendorf zeigten Nabu-Experten gestern, wie Nutztierhalter beispielsweise beim Zaunbau ihre Herden besser gegen Wölfe absichern können. Mit Ehrenamtlichen unterstützt der Nabu im Rahmen seines Herdenschutzprojektes, das seinen Sitz in Meißendorf hat, Tierhalter direkt vor Ort. Pauschallösungen gibt es nicht. Bei einer Begehung wird individuell abgewogen, welcher Schutz eingerichtet werden soll. "Jede Tierart stellt andere Anforderungen", sagt Nabu-Projektleiter Peter Schütte. "Wir bieten das Netzwerk zum Austausch und die Manpower." Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung fördern das Herdenschutzprojekt, der Staat zahlt den Tierhaltern die Materialien. Doch nur Schaf- und Ziegenhalter erhalten den Zuschuss, weil ihre Tiere stärker von Wolfrissen betroffen sind als etwa Pferde. Der Nabu möchte in den kommenden drei Jahren ehrenamtliche Helfer für ganz Niedersachsen ausbilden, sie sollen den wolfsabweisenden Grundschutz bei den Tierhaltern einrichten. "Wir planen im Herbst einen Lehrgang auf Gut Sunder", kündigt Schütte an. Mitmachen kann jeder, der sich für das Projekt interessiert. Eine Nabu-Mitgliedschaft wird nicht vorausgesetzt. Hilfe des Nabu bekommen Tierhalter unkompliziert. Schütte ist per Mail unter zu erreichen. Die Zahl der von Wölfen getöteten Weidetiere in Niedersachsen ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Nach Zahlen des Wildtiermanagements gab es 68 eindeutig dem Wolf zugeordnete Fälle mit insgesamt 175 getöteten Tieren, vor allem Schafe, aber auch Rinder.

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