"Saatbomben" für den Frieden

Die Bewohner des Friedenscamps bereiten sich auf ihren Protest vor. Am Sonntag hielt Pastor Lutz Krügener, Referent für Friedensarbeit der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, einen Friedensgottesdienst in der Unterlüßer Kirche.  Foto: Oliver Knoblich

Auf einer Wiese stehen Zelte und Wohnwagen. Davor sind an die 20 Jugendliche im lebhaften Gespräch. Es wird gescherzt, gelacht und obendrein auch noch gekocht. Auf den ersten Blick erscheint es wie ein entspanntes, zwangloses Campen unter Freunden. Doch sie alle sind aus einem bestimmten Grund extra nach Unterlüß gereist: Sie wollen gegen den Rüstungskonzern Rheinmetall demonstrieren.

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UNTERLÜSS. Daher schlugen sie hier am Wochenende ihr Lager auf dem Dorfplatz auf, bemalten Banner, veranstalteten ein Aktionstraining und nahmen an einem Friedensgottesdienst teil. Heute werden sie vor dem Firmengelände von Rheinmetall eine Sitzblockade errichten, um unter dem Motto "Entrüstet euch" ein Zeichen gegen den Militarismus zu setzen. Initiator dieser Demonstration ist das "Jugendnetzwerk für politische Aktionen" (JunepA), das dieses Jahr den Aachener Friedenspreis gewann.

Die Studentin Clara Tempel hat JunepA 2013 mitbegründet. "Wir wollten eine selbstbestimmte Organisation schaffen, in der sich vor allem Jugendliche politisch engagieren können", erklärte sie. Die 21-Jährige kommt ursprünglich aus dem Wendland und ist durch ihre Familie schon früh mit dem Thema Politik und Friedensbewegung in Berührung gekommen. Ihre Eltern demonstrierten beispielsweise gegen Atomkraftwerke. Sie brachten ihr schon früh bei, die Dinge zu hinterfragen, statt nur hinzunehmen, und dass man alles verändern könne. "Wenn man einmal damit angefangen hat, auf die Missstände in der Welt aufmerksam zu werden, kann man nicht mehr aufhören", so Tempel. Mit JunepA möchte sie die Jugend einladen, zusammen neue Wege zu gehen.

Ihr größtes momentanes Anliegen ist der Stopp der deutschen Rüstungsindustrie. Dazu gehört auch die Firma Rheinmetall als größter deutscher Rüstungskonzern. Nicht nur die generelle Waffenproduktion, sondern vor allem der Export von Waffen in Krisengebiete sei unverantwortlich. Dadurch würden viele Menschen getötet oder aus ihrem Heimatland vertrieben werden, was mit zur Flüchtlingsproblematik beigetragen habe. "Von der momentanen instabilen Weltlage profitieren vor allem die Rüstungsunternehmen", ergänzte Arvid Jasper. Für ihn ist es unklar, warum Deutschland diese Unternehmen auch noch durch Subventionen unterstütze. "Mit Waffen kann man keinen Frieden stiften. Das ist völlig unrealistisch", bestätigte Tempel. Auch sie wünscht sich eine stärkere Positionierung der deutschen Politik gegen die Militarisierung.

Die Produktionsstätten sollten stattdessen umgewandelt werden, sodass andere, bessere Produkte, hergestellt werden können. Dadurch würden auch die Arbeitsplätze weiter erhalten bleiben. Auf die Frage, was da konkret produziert werden könnte, hat Tempel bereits eine Antwort: "Man könnte stattdessen 'Seedbombs', herstellen, die die Welt erblühen lassen, statt sie zu zerstören." Diese "Saatbomben" enthalten Pflanzensamen, die zur Aussaat verwendet werden.

Audrey-Lynn Struck Autor: Audrey-Lynn Struck, am 15.05.2017 um 09:43 Uhr
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von .AARON. (Rene Schatte), am 14.05.2017 20:13:05

"Die Menschen verstehen es immer noch nicht, dass es nicht die Waffen sind die Menschen töten, sondern es ist der Mensch der Tötet.
Gebe es keine Panzer und Gewehre, würde die Menschen Messer, Steine und Knüppel nehmen um zu töten."

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