Entenfüttern schadet Waldsee in Klein Hehlen

Das Füttern mit Brot bedroht die Enten, Fische und das Ökosystem des Waldsees in Klein Hehlen. Foto: Alex Sorokin (2)

Wer heimischen Wasservögeln etwas Gutes tun will, sollte ihnen nicht sein altes Brot hinterher werfen. Das Entenfüttern hilft den Enten nicht, sondern schadet den Tieren und ihrer Umwelt – speziell dem Waldsee in Klein Hehlen.

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KLEIN HEHLEN. Als das kleine Mädchen mit ihrer Tüte raschelt, kommen die Enten sofort. Sie stürzen sich auf das von ihr in den Waldsee in Klein Hehlen geworfene Brot. Einige von ihnen verlassen sogar das Wasser und fressen ihr aus der Hand. Erwachsene und Kinder freuen sich, wenn sie die Wasservögel bei dem Frühlingswetter füttern. „Sie glauben, dass sie den Tieren damit etwas Gutes tun. Aber das Gegenteil ist der Fall“, sagt Matthias Buske von der Fischereiaufsicht. Wie gefährlich das Füttern von Wasservögeln für das Gewässer und die dort beheimateten Tiere werden kann, ist jedoch nur wenigen bewusst.

Buske und seine Kollegen vom Fischereiverein Früh Auf Celle sind seit Herbst 2016 für den Waldsee verantwortlich. Seit der Wiedereröffnung des Gewässers nach 25 Jahren für den Angelbetrieb häuften sich zuletzt die Beschwerden von Anglern, dass die Enten in Klein Hehlen von Kindern und Erwachsenen übermäßig gefüttert werden. Auch bereits schimmelndes Brot werde demnach oft verfüttert. „Häufig werfen die Menschen das Brot auch einfach ins Wasser. Egal, ob die Enten es essen oder nicht“, sagt Buske.

An den drei Infotafeln rund um den See, die die Vielfalt an Pflanzen und Tieren dort erklären, hat er deshalb Hinweisschilder angebracht, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Auch in Gesprächen vor Ort klärte er Anwohner bereits regelmäßig über die drohende Gefahr für Gewässer und Tiere auf. „Die Gespräche waren sehr ergiebig. Viele wussten gar nicht, was für schwer wiegende Folgen das Füttern haben kann.“ Er sei froh, wie verständnisvoll die Menschen reagiert haben.

Enten müssen laut Nabu gar nicht gefüttert werden. „Biologisch macht das keinen Sinn“, sagt Elmar Wingenroth aus dem Vorstand der Ortsgruppe Celle des Naturschutzbunds. Weißbrot sei für die Tiere nicht gut. Normalerweise gründeln sie am Gewässergrund und nehmen dort das Futter wie Wasserpflanzen und kleine Wassertiere auf. Auch im Herbst und Winter gebe es genug Futter für die Wasservögel.

Buske will kein generelles Fütterungsverbot am Waldsee aussprechen. „Wir sind uns bewusst darüber, wie beliebt das vor allem bei Kindern ist“, sagt er. Gemeinsam mit Heiko Masemann, mit dem er die Aktion gestartet hat, möchte er aber auf das Problem aufmerksam machen und die Menschen sensibilisieren. Wer die Wasservögel unbedingt füttern möchte, muss laut Buske ein paar Regeln beachten. „Es ist wichtig, die Tiere nur an Land zu füttern und das Brot nicht einfach ins Wasser zu werfen.“ Auch die Futtermenge soll möglichst klein gehalten werden. „Sonst wird der Waldsee zu stark verschmutzt.“ Und vergammeltes Brot soll grundsätzlich nicht verfüttert werden, da es die Tiere krank machen kann.

Für den Waldsee kann übermäßiges Füttern auch fatale Folgen haben. „Wenn die Enten das Brot verdaut haben und als Kot ausscheiden, wird das Gewässer stark belastet und kann aus dem ökologischen Gleichgewicht geraten“, sagt Buske. Kot und Futterreste lagern sich auf dem schlammigen Grund des 1,7 Hektar großen und nur knapp 1,20 Meter tiefen Sees ab. Bei den Zersetzungsprozessen kommt es zu Fäulnisbildung, die zu einem Sauerstoffmangel in dem Gewässer führen kann. Dadurch werden auch der Fischbestand – unter anderem gibt es dort Karpfen, Schleien, Rotaugen und Hechte – und andere Lebewesen in dem stehenden Gewässer bedroht. „Wenn schimmelndes Brot in das Wasser geworfen wird, verstärkt sich das Problem“, sagt Buske.

Auch die Population von Enten steht in einem engen Verhältnis zum Futterangebot, weshalb nach Möglichkeit am besten ganz auf das Füttern verzichtet werden soll.

Christoph Zimmer Autor: Christoph Zimmer, am 15.05.2017 um 16:05 Uhr
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