Meisterwerk im Celler Schloss meisterhaft begleitet

Tenor Maximilan Schmitt und Pianist Gerold Huber gaben im Celler Schlosstheater beim Liederabend „Die schöne Müllerin“ den Lieder-zyklus op. 25 nach Gedichten von Wilhelm Müller zum Besten. Foto: Oliver Knoblich

Die Titelei bringt alles auf den Punkt. Franz Schuberts „Schöne Müllerin“ ist ein Meisterwerk der künstlerischen Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit, das zusammen mit „Winterreise“ des gleichen Komponisten nur vergleichbar mit ganz wenigen anderen Werken der Musikgeschichte einen Gipfelpunkt europäischer Kulturgeschichte darstellt.

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CELLE. Dieses so komplexe wie schwierige, technisch und musikalisch gleichermaßen anspruchsvolle Werk auf hohem Niveau umzusetzen bedarf größter Fähigkeiten. Und selbst wenn man über diese verfügt, so kann man nie dem Werk allumfassend gerecht werden.

Eine perfekte Umsetzung erscheint nicht erreichbar. Wenn dann, wie im Celler Schlosstheater zu erleben, auf der Ebene der Klavierbegleitung eine solche Perfektion fast erreicht wird, so ist dies eine höchst beglückende Sache. Gerold Huber hat dieses Kunststück am Klavier geschafft. Er ist eingetaucht in diese Musik zwischen unendlicher Zartheit und Schlichtheit, größter Emphase, die aber immer natürlich bleibt, lyrischer Konzentration und einer für Momente nach außen tretenden Dramatik. Huber breitet dabei am Klavier nicht nur eine Klangfläche im Hintergrund des Sängers aus, sondern er gestaltet diese auf vielfältigste Weise. Er interpretiert selbst den von ihm offensichtlich mitgedachten Text in seinem Spiel. Seine Phrasen sind die des Sängers in seinen besten Momenten. Trotzdem spielt er sich nie in den Vordergrund, sondern agiert als Partner des Sängers auf dessen Augenhöhe. Wenn dieser dann aber, wie an diesem Abend, nicht so intensiv, plastisch und zwingend gestaltet wie der Pianist, dann entsteht letztlich ein zwiespältiger Eindruck.

Tenor Maximilian Schmitt verfügt über eine bestens geschulte Stimme, eine hervorragende Diktion, eine gute Technik und über genausoviel Gestaltungswillen wie Einfühlungsvermögen in die Musik Schuberts. Und er stellt sich in keinem Moment selbst eitel in den Vordergrund. Nein, er versucht seine Kunst in den Dienst an der Musik zu stellen. Aber, und da wird es dann problematisch, Schmitts Gestaltungsvermögen ist nicht auf dem Niveau wie sein Gestaltungswille. Er findet nicht immer den wahrhaftigen Ton in der Musik Schuberts.

Mal bleibt sein Singen insbesondere am Anfang des Abends ein wenig konturlos, dann aber im zweiten Teil des Abends gehen ihm fast die Emotionen so stark durch, dass er immer wieder die innere Balance verliert. Dazu kommt, dass Schmitts Stimme wenig Charakteristik aufweist und recht farblos wirkt. Keine Frage. Dieser Sänger verfügt über wunderbare Anlagen, aber diese so auszuprägen, dass er einer „Schönen Müllerin“ gerecht wird, das bedarf doch noch eines weiteren längeren Erarbeitungsprozesses. Er hat die große Chance mit dem wohl begnadetsten Begleiter seiner Generation zusammenarbeiten zu können. Vielleicht wird Schmitt in ein paar Jahren „der“ Schubert-Sänger sein, im Moment ist er es noch nicht.

Reinald Hanke Autor: Reinald Hanke, am 17.05.2017 um 14:09 Uhr
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