Galerie Koch in Hannover zeigt Werke von Bärbel Dieckmann

„Was ist Schönheit?“ Das ist eine Frage, über die schon Urzeiten diskutiert wird – und der Titel einer neuen Ausstellung in der Galerie Koch. Bärbel Dieckmann präsentiert hier eine Auswahl ihres rein skulpturalen, rein figürlichen Schaffens und erkundet dabei die Schnittstelle zwischen dem Klassischen, dem Modernen und dem Zeitlosen.

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HANNOVER. Die Arbeiten der Künstlerin, die 1961 in Bielefeld geboren wurde und in Berlin lebt, können „Aphrodite“ heißen oder „Amber“, „Eva“ oder „Tänzerin“, „Ikaros“ oder „Junge“ – an Verweisen auf die Mythologie mangelt es also ebensowenig wie an neutralen Bezeichnungen und Namen, die eher auf die Jetztzeit hin-
deuten. Weibliche Figuren sind eindeutig in der Überzahl, das bevor-
zugte Material ist Bronze, die im Einzelfall versilbert wurde; auch finden sich Werke in Aluminium und Terrakotta.

Manche Skulpturen sind sehr klein, andere sehr groß. Unbeschwerte Heiterkeit strahlt keine aus. Viele Gesichter umweht ein Hauch von Nachdenklichkeit und Melancholie, die Posen deuten oft auf eher introvertierte Charaktere hin. Insofern scheint Aristide Maillol, ein Pionier der modernen Bildhauerei, hier seine Spuren hinterlassen zu haben, was allerdings auch auf dessen großen Antipoden Auguste Rodin zutrifft, vor allem in Hinblick auf die schrundige Ober-
flächengestaltung. Aus den Haarschöpfen macht Dieckmann zuweilen fast abstrakte Gebilde von höchst expressiver Wirkung.

Für ein anatomisches Lehrbuch würden die Arbeiten nur bedingt taugen. Die Eva etwa ist recht kurzbeinig geraten, was die Hüftpartei umso mehr betont und symbolisch auf Fruchtbarkeit hindeuten mag. Ganz zu schweigen vom „Kykloptauros“, einer Dieckmann-Erfindung mit eigenartigem Körperbau und wuchtiger Erscheinung – nachts auf der Straße möchte man diesem Burschen wohl kaum begegnen, selbst wenn er genau genommen trotz seines Namens nicht besonders einäugig daherkommt.

Und wie ist es nun mit der Schönheit? Die liegt, wie wir wissen, im Auge des Betrachters. Göttlich entrückte Darstellungen glänzen hier durch Abwesenheit, gänzlich abstoßend wirkt auf der anderen Seite auch nichts. Es ist eine sehr spezielle Ästhetik, die etwa dazu verleitet, sich manche Gesichter ganz genau anzuschauen, bis hin zum vieldeutigen Kräuseln der Mundwinkel. Die Ausstellung ist übrigens auffallend gut präsentiert: Gerade die Figuren im Obergeschoss sehen so aus, als hätten sie sich ihre Plätze selbst ausgesucht, und eine große Skulp-
tur im Fenster ist derart raffiniert
gedreht, dass sie die Passanten in
die Galerie zu locken scheint.

Doch, hier gibt’s eine Menge zu schauen. Und vielleicht kommen die Wagemutigen ja auch auf völlig neue Ideen – Bärbel Dieckmann nimmt auch Auf-
träge für Porträts entgegen.

Jörg Worat Autor: Jörg Worat, am 19.05.2017 um 12:21 Uhr
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