Hochlandrinder retten Celler Artenvielfalt

"Fritz" und seine "Mädels" haben eine Mission: die Rettung des Celler Naturschutzgebietes "Hutewald". Die Opfer: zu zahlreich, als dass man sie zählen könnte. Der Feind: die Spätblühende Traubenkirsche. Ihr Plan: fressen. Bei den Rettern in der Not handelt es sich um friedliebende Schottische Hochlandrinder. Diese wurden bereits zum zweiten Mal vom Forstamt Fuhrberg, unterstützt von der Naturschutzbehörde Celle, "engagiert", um die Vielzahl an gefährdeten Arten zu beschützen.

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CELLE. Die Bedrohung des "Hutewaldes" nahm ihren Anfang Mitte der 70er Jahre, als in Deutschland vermehrt Waldbrände auftraten. Die Forstämter, wie unter anderem das in Fuhrberg, suchten verzweifelt nach einer Lösung. Schließlich kam man auf die Idee, die aus Amerika stammende Traubenkirsche zu pflanzen. Diese kommt auch auf trockenem Boden und mit wenig Wasser zurecht und ist zudem nicht so leicht entflammbar wie die beheimateten Tannen.

Was zuerst nach einer guten Idee klang, entpuppte sich bald als zweischneidiges Schwert. "Die Traubenkirsche ist zwar im Frühjahr schön anzusehen, aber sie dominiert ihre Umwelt", erklärt Forstamtmann Sören Obermann. Sobald sie gepflanzt wurde, vermehrte sie sich rasch und bedrohte durch ihr Wachstum viele andere Pflanzen. Dieser Prozess wird durch Vögel weiter verstärkt, die die Beeren essen und später die Kerne wieder ausscheiden. Dadurch verbreitet sich das Saatgut auch in Gebiete, wo die Traubenkirsche ursprünglich gar nicht vorgesehen war.

Auch der Celler "Hutewald" bei der "Alten Schäferei" mit seinen 300 Jahre alten Eichen ist davon betroffen. In dem 3,5 Hektar großen Naturschutzgebiet zwischen Celle und Hambühren tummeln sich seltene Tier– und Pflanzenarten wie zum Beispiel der Eremit. Dieser vom Aussterben bedrohte Käfer ist auf das alte, vermodernde Holz des Baumes angewiesen. Er lebt bereits als Larve im Mulm der Eichen und verlässt diese auch als ausgewachsener Käfer außer zu seiner Paarungszeit nicht.

Doch der Eremit ist nicht das einzige Opfer der Traubenkirsche. "Wenn wir nichts dagegen unternehmen, ist bald das gesamte Gebiet zugewachsen", so Obermann. Das hätte auch Auswirkungen auf den Magerrasen. Dieser wächst nur auf nährstoffarmen, offenen Flächen, wo er viel Sonnenlicht und Wärme bekommt. Er ist Heimat vieler Pflanzen wie Thymian, Acker–Hornkraut und Knolligem Hahnenfuß.

Hier kommt nun Bulle "Fritz" mit seinen "Mädels" ins Spiel. Die Schottischen Hochlandrinder von Heiner Hoppenstädt fressen die Blätter der Traubenkirsche ab, sodass keine neuen Blüten inklusive Triebe entstehen können. "Und die mögen das richtig gerne", freut sich Obermann. Vor allem "Fritz" hat sichtlich Gefallen an der Delikatesse gefunden. Selbst die Blätter in den höher gelegenen Regionen versucht er zu erreichen – und das mit Erfolg. "Er geht einfach ganz bequem dadurch, drückt die Sträucher runter, sodass sie direkt vor seinem Maul hängen, und frisst", erzählt Obermann.

Der Forstamtmann und seine Kollegen hoffen, dass sie nicht nur auf Dauer das Gebiet von der zähen Traubenkirsche befreien, sondern auch den Charakter des "Hutewaldes" bewahren können. Da die Schaffenszeit eines Försters allerdings begrenzt sei, sei das Pflanzen eines Baumes bis zu dessen Zerfallsphase eine Generationsaufgabe. Dieser wollen sie nachkommen, indem sie nicht nur die alten Eichen stehen lassen, sondern zudem neue Eichen pflanzen. "Inwieweit das dann dem Eremiten hilft, bleibt abzuwarten", so Obermann.

Audrey-Lynn Struck Autor: Audrey-Lynn Struck, am 19.05.2017 um 18:33 Uhr
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