Aktives Celle: Bürger blicken hinter Kulissen der Vereine (mit Bildergalerie)

Sichtlich stolz zeigen sich die Aktiven aus rund 70 Vereinen, die am Tag der Vereine am Samstag teilgenommen haben. Die Veranstaltung fand zum zweiten Mal statt. Organisator Axel Grawunder und Celles Oberbürgermeister Jörg Nigge zeigten sich begeistert von den kreativen Angeboten und dem umfangreichen Mitmach-Aktionen. Foto: Alex Sorokin

Die Schlaghand schnellt nach oben, Absprung, und schon donnert der Ball in die gegnerische Hälfte des Volleyballfeldes. Keine Chance für die Jungs der "Celle Stallions" den Angriffsschlag abzuwehren. Noch hechtet ein "Stallion" dem Ball entgegen, doch der Aufprall auf dem Boden ist sanft. Nicht weil die schweren Schulterpolster, die die American-Football-Spieler tragen, sie schützen, sondern weil das Volleyballnetz in einer riesigen Hüpfburg gespannt ist.

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CELLE. Das aufblasbare Volleyballfeld war nur eine der Aktionen, die am Samstag zahlreiche Besucher am Tag der Vereine zum Mitmachen animierten. "Erstaunlich, wie viele Vereine es in Celle gibt", sagte Helmut Rohloff. Gemeinsam mit Ehefrau Brigitte startete der Celler seinen Rundgang im Schlossgarten. Rohloff, der selbst schon geflogen ist, interessierte sich besonders für das ausgestellte Segelflugzeug des Flugtechnischen Vereins Metzingen (FTV). "Wenn du den Steuerknüppel nach hinten ziehst, geht das Höhenruder nach oben", erklärte David Priestley vom FTV. Joshua (7) lehnt sich aus dem Cockpit hervor und richtet seinen Blick auf das Heck des Fliegers. Durch den Antrieb würde sich jetzt die Nase des Segelfliegers anheben. "Dann würdest du etwas höher fliegen", erläuterte Priestley. Doch der Siebenjährige bleibt mit seinem Flieger am Boden. Eine Starterlaubnis wird heute im Schlosspark nicht gegeben.

Für Andre Dittberner steht die Welt Kopf. Der Gurt sitzt fest, als der 27-Jährige versucht, sich aus dem überschlagenen Auto zu befreien. "Ich habe so viele Unfälle gesehen", sagte Helmut Genthe, Geschäftsführer der Celler Verkehrswacht, "und ein ganz großes Problem ist, dass die Menschen nicht richtig aus dem Gurt kommen. Der Überschlag- und Rettungssimulator startet, das Fahrzeug, in dem Dittberner sitzt, dreht sich, bis es nach zwei Drehungen auf der Dachseite zum Liegen kommt. Der 27-Jährige presst seinen linken Unterarm gegen den Dachhimmel. "Mit den Füßen in den Sitz drücken", erklärte Genthe weiter. Denn erst wenn das Gurtschloss entlastet sei, könne er es gefahrlos öffnen. Wer kopfüber im Gurt hängt und sich einfach so abschnalle, dem drohen schwere Verletzungen. "Rein will ich da aber nicht", sagte Irmtraut Hesse. Doch umso wichtiger findet sie, dass auf Veranstaltungen wie dem Tag der Vereine auch solche Aktionen angeboten werden. Auch Dittberner, der aus Dithmarschen kommt, und in Celle Freunde besucht, zeigt sich begeistert von den vielen Mitmach-Angeboten am Celler Schloss und der Innenstadt.

"Feuerwehrmann" – Lias überlegt nicht lange, was er später mal werden will. Das Talent dazu hat der Fünfjährige. Mit dem Wasserstrahl aus dem Schlauch versucht er einen Ball durch ein Labyrinth ins Ziel zu treiben. "Wenn jemand von dem Wasserstrahl verletzt wird, sind wir direkt zur Stelle", ist aus dem Wagen der Einsatzleitung der Celler Arbeitersamaritern zu hören. Die Blaulichter vor dem Schloss begeisterten nicht nur die kleinen Besucher, sondern besonders die Erwachsenen informierten sich über die Arbeit der Rettungseinrichtungen der Stadt. Mit den Verkehrsregeln hat es der niedersächsische Landesvater Stephan Weil jedoch nicht so ernst genommen, als er beinahe einem kleinen Bobbycarfahrer die Vorfahrt genommen hätte. Seinen Besuch auf dem Tag der Vereine startete Weil bei der Polizei, die einen Mini-Verkehrsübungsplatz vor dem Schloss aufgebaut hatten.

Bunte Pavillons säumten die Celler Innenstadt. Von der Westcellertorstraße über den Großen Plan und die Poststraße bis hin zur Zöllnerstraße zeigten viele Ehrenamtliche ihr aktives Engagement in Celler Vereinen und Hilfsorganisationen. Idyllisch hatten die Celler Glückskinder, die sich für eine familienfreundlichere Stadt einsetzen, unter dem Schatten der Bäume und dem Klang des Wasserspiels ihre Pavillons am Robert-Meyer-Platz aufgebaut. Neben den süßen und herzhaften Naschereien, die der neugegründete Verein angeboten hatte, sorgten besonders die Fotos, die man in einer Box machen konnte, für etliche Lacher. Geld hat der Verein dafür nicht genommen, alles lief auf freiwilliger Spendenbasis. "Jeder darf so viel geben, wie er möchte", erklärte Martin Menzel von den Celler Glückskindern.

Weich gepolstert saßen die Besucher am Robert-Meyer-Platz auf Strohballen und blickten direkt auf echte Celler Kunst. Der Celler Käfer-Club hatte nämlich dort ein Auto, das bemalt werden konnte, geparkt. An einigen Stellen schimmerte der cremefarbene Farbton des Käfers noch durch. Doch im Vorbeigehen schnappten sich die Künstler ein Stück Kreide und machten den kleinen Wolfsburger mit ihren Zeichnungen und Sprüchen zu einem echten Celler Unikat. "Oben ohne" kam der Celler Käfer-Club mit einem wahren Schmuckstück daher. Ein schwarzes Käfer-Cabriolet ließ so manchen Besucher vom warmen Sommerwind träumen.

Beim Anblick der roten BMW-Isetta schlug das Herz der Autofans höher. Werner Pöpsel vom Motor-Sport-Club Celle zeigte seine "Knutschkugel" in der Zöllnerstraße. "Das Auto hat mehr Beinfreiheit als die heutigen Autos", sagt der Besitzer, "doch man spürt auch jedes Schlagloch." Unter seiner Jeckenkappe kam Uwe Thiele, Vizepräsident der Rheinischen Vereinigung Celle", kräftig ins Schwitzen. "Die Leute sind schon verwundert, dass wir hier einen Karnevalsverein haben", sagte Thiele, "denkt ja jeder nur an Köln." Daher freue er sich besonders am Tag der Vereine nicht nur gute Laune zu verbreiten, sondern auch auf den Verein aufmerksam zu machen.

Der Wind der 1960er-Jahre wehte am Samstag durch die Zöllnerstraße. Die Mitglieder des Memphis-Klub Celle-Hannover zeigten den gleichnamigen Partytanz aus England. In Anlehnung an Chuck Berrys "Memphis Tennessee" ließen sie die Petticoats über das Pflaster wirbeln. Stilecht hatten sich die Tänzer in Schale geworfen. Der Regenschirm, natürlich mit den charakteristischen weißen Punkten, blieb den Tag über in der Ecke stehen.

Unter den Aktiven herrschte ausgelassene Stimmung, gegenseitig besuchten sich die Vereine. Von dieser Begeisterung ließen sich die zahlreichen Besucher anstecken. So stand der Tag der Vereine im Zeichen eines großen Bürger-Festes. "Gerade für Kinder wird hier viel geboten", sagte Brigitte Rohloff. Der Tag zeige, wie vielfältig die Freizeitangebote in Celle sind.

Katharina Baumgartner Autor: Katharina Baumgartner, am 05.06.2017 um 17:54 Uhr
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