Streetparade in Celle: "Die ganze Stadt ist eine Showbühne" (mit Bildergalerie)

Tausende Besucher drängen sich zur Streetparade fröhlich durch die Gassen der Altstadt. Besonders die jungen Hüpfer und die verrückten Hühner reißen das Publikum mit.

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Für ihr Publikum tun sie alles. Mit ihren Adidas-Traninigsjacken gehen sie in die Knie, legen sich trompete- und posaunespielend auf das Straßenpflaster, shakern mit den Smartphones. Wenn die acht jungen Musiker von "Brassta La Vista" mit ihrer Mischung aus Ska und Reggae loslegen, gibt es kein Halten mehr. Es wird gehüpft, gewippt, gezuckt und gezappelt, bis die Köpfe der Niederländer rot anlaufen.

Ein Mann stürmt nach dem mitreißenden Auftritt auf die acht Musiker zu und klopft den Männern auf die Schulter. "Es ist so wunderbar, dass so junge Menschen etwas mit so alter Musik anfangen können", sagt Bernhard Richter. "Bei uns in der Jazzszene gibt es nur ältere Leute." Der Besucher aus Monheim am Rhein ist eigentlich für das Oldtimertreffen am Sonntag angereist. "Als wir gesehen haben, dass Streetparade ist, sind wir extra einen Tag eher gefahren." Das habe sich gelohnt, sagt Richter und betont: "Es ist so toll hier. Die ganze Stadt ist eine Showbühne. Wir kommen bestimmt wieder."

Tom Ridderbeekx spielt bei Brassta La Vista Trompete. Er erzählt, dass die Band aus Rotterdam seit drei Jahren zusammen auftritt. Mittlerweile reisen sie in der Freiluftsaison jedes Wochenende irgendwohin. Doch die Streetparade in Celle sei etwas Besonderes. "Nur bei uns in den Niederlanden gibt es noch eine so ähnliche Veranstaltung. Es macht uns hier unglaublich Spaß, weil die Leute so mitgehen und unsere Musik so aufsaugen."

Zehn Bands, vier Straßen und zwei Bühnen: Das ist das Grundrezept für die Celler Streetparade. Acht Bands sind in den Altstadtgassen in Bewegung. Sie kommen aus dem Alten Posthof, drehen ungefähr für eine halbe Stunde ihre Runde und machen dann erst einmal eine Pause, um Kraft für die nächste Runde zu tanken.

Die "Slapsticks" versprühen in den Straßen Südstaaten-Feeling. Dann kratzt die Stimme des Sängers durchs Megafon, das Banjo übernimmt die Oberhand und die Tuba schubst die Besucher durch die Enge. "Die Bands nehmen uns mit auf eine Reise an andere Orte und andere Zeiten", sagt Sylvia Grothe aus Wietze, die mit Elke Winkler in einem Hauseingang zur Musik wippt. "Dieses Mal halten wir bis zum Ende durch. Das Wetter spielt mit und die Laune auch. Die Streetparade ist ein schönes Zeichen des friedlichen Miteinanders." Die beiden Damen haben sich so postiert, dass sie keine der Musikgruppen verpassen. "Wir laufen die Mauernstraße immer hoch und runter. Das letzte Jahr haben wir schlechte Erfahrungen damit gemacht, immer im Kreis zu laufen." Welche Band sie am besten fanden? "Die verrückten Hühner waren das i-Tüpfelchen. Die haben das Programm aufgelockert, in dem sie für Lacher gesorgt haben."

Die verrückten Hühner der "Cock Tales" unterhalten die ganze Altstadt. Die fünf verkleideten Musiker zeigen, wie es wohl klingen mag, wenn Hühner Jazz spielen könnten. Mit vollem Körpereinsatz stolzieren sie zwischen die Zuschauer, erklimmen Bänke und Tische und wedeln mit ihrem Hahnenschwanz Wasser- und Weingläser um. Zwischendurch machen sie es sich auf dem Pflaster gemütlich und legen statt eines Eis eine Banane und versuchen, das Publikum mit Brot zu füttern. Der musikalische Höhepunkt: Die Hühner vertonen Billy Jean und verstopfen mit zahlreichen Zuschauern die Piltzergasse.

Auch zu später Stunde war die Piltzergasse proppenvoll. Immer, wenn es besonders eng zu sein scheint, wird es besonders interessant. Gerade hat sich die JayDee-Brassband vor dem Hotel "Zur Glocke" festgespielt und zeigt, warum sie zu den besten Bands Europas gehört. Da kommen die jungen Hüpfer von Brassta La Vista um die Ecke und verstärken die ausgebufften Hasen. Es folgen zehn Minuten Jazz vom Feinsten. Die Smartphones glühen in den Händen der Besucher. Selbst in der Enge bilden sich Tanzpaare. "Das war genial", sagt Sandra Lentz. "Die beiden Bands haben richtig Schwung gemacht. Das lag richtig Energie in der Luft. Die hätten ruhig noch mehr Zugaben spielen können." Freund Jochen Wouters stammt aus den Niederlanden. "In Amsterdam gehört Jazzmusik dazu. Die Bands spielen überall in kleinen Kneipen. Hier in Celle könnte es noch öfter solche Musikveranstaltungen geben."

Dagny Siebke Autor: Dagny Siebke, am 19.06.2017 um 12:46 Uhr
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