Celler Schlosskapelle neu entdecken

Glasscheibe zum Schutz vor Besucherströmen: Eine persönliche „Schatzsuche“ in der Bilder- und Skulpturenflut der Celler Schlosskapelle ist kaum mehr möglich. Foto: alex sorokin

Auf eine Entdeckungstour besonderer Art lädt das Residenzmuseum Celle jetzt mit einer neuen Veranstaltungsreihe „Unglaub(l)ich“ über die Celler Schlosskapelle ein. Beim Auftakt am Freitag lag der Fokus auf „Landschaften und Pflanzen“. Dazu konnte Kuratorin Juliane Schmieglitz-Otten den Geoökologen Holger Freund gewinnen.

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Celle. Zum Schutz der wertvollen Renaissance-Ausstattung wird die Celler Schlosskapelle durch eine Glasscheibe vor Besucherströmen geschützt. Damit ist eine persönliche „Schatzsuche“ in der Bilder- und Skulpturenflut des sakralen Bauwerks kaum mehr möglich. Eine Fotodokumentation samt moderner 3-D-Technik und -Animation macht ein Entdecken auf neue Art möglich und führt den Betrachter sogar an Stellen, die selbst bei einem Rundgang nicht zugänglich gewesen wären. In der neuen Vortragsreihe werden die interessantesten Details herausgepickt und fachlich erläutert.

Ein paradiesisches Wäldchen, üppige Blumenbouquets, pralle Obstteller, Stroh und Ären in der Krippe, landschaftliches Ödland in der Ferne … das Publikum in der Gotischen Halle bekam aus dem bildlichen Schlosskapellenfundus einiges zu sehen und so manch Interessantes darüber zu hören. So muss es wohl schon zur Herzog Wilhelms Zeiten eine Art „Hofgärtnerei“ gegeben haben, aus der der Blumenschmuck stammte, denn weder Nelken noch weiße Lilien stammen aus mitteleuropäischem Raum und wurden in der Urform aus dem asiatischen Raum importiert und kultiviert. Die Maler mussten, um solch eine präzise Wiedergabe hinzubekommen, wohl realistische Vorlagen gehabt haben. Auf den Bildern sind auch Gänseblümchen, Ringelblumen und allerlei heimische Kräuter zu finden, deren gezielter Anbau vor allem in Klostergärten stattfand.

Die fremdländische Herkunft machte Blumen rar und teuer, eines Herrschers würdig. Das galt auch für die leckeren Früchte wie Birne, Kirsche und Apfel. In Deutschland gab es lediglich die Wildsorten, die kaum fruchtig schmeckten und eher für Most und Schnaps taugten. Was selten und kostbar ist, bekommt schnell auch einen mystischen Glanz, so ist es kaum verwunderlich, dass diesen Pflanzen auch eine bestimmte Symbolik zugeschrieben wurde: Reines Weiß für „unbefleckte“ Madonnenlilie, Reinheit und Bescheidenheit (trotz eines wundervollen Duftes) auch für das Maiglöckchen …

Ein Großteil der heimischen Flächen in der Zeit Wilhelm des Jüngeren war reines Brachland. Selbst die Heide wuchs nur stellenweise. Üppigeres Buschwerk oder gar Bäume bildeten die Ausnahme und waren kleine Inseln im Meer eines wegen rücksichtslosen Abbaus von Holz ohne Aufforstung kargen Ödlands. Die Waldungen waren dem Herzog und Adel vorbehalten. So bekamen Darstellungen von Waldungen etwas Paradiesisches, was in religiösen Bildern Einlass fand.

Doris Hennies Autor: Doris Hennies, am 25.06.2017 um 22:23 Uhr
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