Lesung aus verschollenen Tagebüchern Ernst Schulzes im Celler Schloss

Am kommenden Donnerstag jährt sich zum 200. Male der Todestag Ernst August Schulze. Der nur wenig bekannte Poet, der am 22. März 1789 in Celle geboren wurde, wurde nur 28 Jahre alt. Seine Werke wurden „von seiner nachfolgenden Generation hochgeschätzt und danach vergessen“. Mit dieser Feststellung begannen Oskar Ansull und Jochen Kersten am Sonntag im Schlosstheater ihre hochinteressante Lesung aus den verschollen geglaubten Tagebüchern des „deutschen Dichters der Romantik“, derer sie sich mit viel Akribie, aber auch mit viel Herzblut angenommen hatten.

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CELLE. In der Erinnerung seiner Zeitgenossen galt er als einer, der gern in Superlativen dachte und lebte. Er sei unter seinen Freunden „im Winter immer der erste auf dem Eis gewesen, im Sommer der höchste auf den Bäumen, aber auch der letzte, der fortlief, wenn sie eine Scheibe eingeworfen hatten“. Und – bezogen auf seine poetische Ader – vermerkte er als Teenager in seinem Tagebuch: „Ich war auf dem Wege, ein ganz großer, aber unheilbarer Schwärmer zu werden.“

„Lieben und geliebt werden“ seien Schulzes Hoffnungen und Sehnsüchte gewesen, stellten Ansull und Kersten in ihrer Lesung heraus. Etwa in der 1810 sich abspielenden Episode mit der verwitweten Frau von Witzendorf: Sie zu trösten sei „für sie kein schwieriges Geschäft“ gewesen, und „für mich ein sehr süßes“. Und: „Sie tat alles mögliche, um mich zu fesseln, bis wir beide der Sache müde wurden.“

Die Zuhörer erfuhren aus den Tagebüchern aber auch quasi aus erster Hand, wie Schulze, der „nie ohne Wehmut und Sehnsucht“ an die Heide zurückdenken konnte, Cäcilie und Adelheit, die beiden Töchter des Hofrats Tychsen, kennenlernte. Wie sich der zu Beginn nur freundschaftlichen Umgang des 23-jährigen Studenten mit der 17-jährigen Cäcilie in schwärmerische Liebe verwandelt. Aber Cäcilie ist todkrank und stirbt kurz vor ihrem 19. Lebensjahr. Eine schmerzhafte Erfahrung für Schulze. Der Übergang vom schwärmerischen Glück, das er bei seiner Geliebten empfunden hatte, zu dem Schmerz nach ihrem Verlust führte bei ihm und bei seinem Schaffen zu einer bis dahin nicht erlebten Schwerrmut. Er entschließt sich, ein Werk zu dichten, in dem „Cäciliens Charakter in allen Details und Feinheiten“ dargestellt werden soll, und sie damit „zu feiern wie Dante seine Beatrice oder Petrarca seine Donna Laura“.

Rolf-Dieter Diehl Autor: Rolf-Dieter Diehl, am 27.06.2017 um 09:42 Uhr
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