Andrew-Lloyd-Webber-Musical „Evita“ feiert in Hannover Premiere

Das Musical „Evita“ von Andrew Lloyd Webber ist in Hannover noch bis zum 9. Juli zu sehen. Foto: Pamela Raith

An der Staatsoper Hannover ist es zu einer guten Tradition geworden, die spielfreie Zeit im Sommer mit publikumswirksamen Gastspielen zu überbrücken. Jetzt ist das Andrew-Lloyd-Webber-Musical „Evita“ in einer Besetzung aus dem Londoner West End noch bis zum 9. Juli allabendlich auf der Opernbühne zu sehen. Bei der Premiere in Hannover wurde es vom Publikum am Schluss mit Begeisterung aufgenommen. Der beispiellose Werdegang der argentinischen Präsidenten-Gattin Eva Maria Duarte de Perón berührt als Musical-Erfolg der 70er Jahre auch heute noch.

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HANNOVER. Ein einfaches Mädchen vom Lande mausert sich zur Ikone einer ganzen Nation. Das Leben der "Evita" ist somit geradezu ein Parade-Stück um Gier, Macht, Einfluss und Prestige. Ein junges, ehrgeiziges Mädchen aus der argentinischen Provinz steigt in den 1930er und 40er Jahren zunächst zur Schauspielerin und dann zur Präsidentengattin auf - geliebt vom Volk, gehasst von ihren politischen Gegnern. In einer klug montierten Rückschau legt das Autorenteam die widersprüchlichen Facetten einer zur Ikone verklärten Frau bloß: Eva als gewöhnliche 15-Jährige, als Mädchen mit großen Träumen, als Schauspielerin, kühle Karrieristin, politische Strippenzieherin und Geliebte, aber auch als Wohltäterin und Hoffnungsträgerin ihres Volks. Und schließlich: Evita juwelengeschmückt, Evita erkrankt, Evita auf dem Totenbett. Von dem lateinamerikanischen Revolutionär Che Guevara (dem sie im wirklichen Leben wohl niemals begegnet sein dürfte) wird sie schließlich als nur nach außen hin verehrungswürdiges Bild entlarvt. Eine Lebensgeschichte, so aufregend wie das Leben selbst und faszinierend genug, um auch als Musical nachhaltige Wirkung zu erzielen.

Da paradieren auf der Bühne die Soldaten und tanzen in bunten Kostümen dynamisch die Mädchen, da schweben im Pulk die adligen Damen, und der Schnulzensänger Magaldi sucht zum Tango verzweifelt den richtigen Schwung. Das alles ist über weite Strecken sehr hübsch anzusehen und präzise choreografiert. Das Bühnenbild gibt sich insgesamt recht sparsam durch in die Höhe gezogene und wieder herabgelassene Kulissenteile sowie durch eine sehr geschickte, stimmungsvolle Beleuchtung. Dabei haben die Sängerinnen und Sänger auf der Bühne stimmlich durchaus einiges zu bieten. Ihr Gesang wirkt souverän, verrät sorgsame Ausbildung, individuelle Prägung und tragendes Volumen. Und dennoch schlägt der dramatische Puls in dieser Aufführung nur unregelmäßig. Besonders im ersten Teil schien die Tontechnik beweisen zu wollen, zu welchen Lautstärken sie fähig ist. Offenbar hatte man da im zweiten Teil wohl ein Einsehen und drehte die Mikrofone und Tonträger auf ein erträgliches Maß zurück, so dass der eindringliche Schlüsselsong „Don`t Cry for Me, Argentina“ der Eva Perón und besonders ihre Sterbeszene eine nachhaltige Atmosphäre der inneren Anteilnahme erzeugen und über das bloße Interesse hinausgehende Betroffenheit im Publikum auslösen konnte.

Hartmut Jakubowsky Autor: Hartmut Jakubowsky, am 29.06.2017 um 16:56 Uhr
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